„Zwischenhalt Erde“ | Martin Knuth

Geheimtipp

Dieses Debüt feiere ich!
Es ist kurz, es ist klein, es ist fies und gemein,
aber es brachten mich zum Lächeln und Grinsen.
Wunderbar anders, besonders, ausgefallen und absolut lesenswert!

Hat jemand gesagt, es gäbe in unserem Alltag keine Geheimnisse mehr? Dann sei ihm Martin Knuths Debüt »Zwischenhalt Erde« ans Herz gelegt. Denn die Magie dieser neun Erzählungen speist sich aus dem, was nicht erzählt wird. Im Tanz um eine leere Mitte kippen sie umstandslos von Vergnügen in Verstörung – und ziehen uns so den sicher geglaubten Boden unter den Füßen weg.

Inhaltsangabe laut Verlag

Wir bekommen regelmäßig Anfragen, ob wir dieses oder jenes Buch lesen und besprechen möchten. Manchmal von Verlagen, kleine wie große, ab und an auch von den schreibenden Menschen selbst. Natürlich lesen wir gerne und viel und würden am liebsten alle annehmen und doch sind es überraschend wenige, die da neu bei uns einziehen. Jedes angenommene Rezensionsexemplar ist eine Verantwortung, derer wir uns stellen, denn es geht nicht nur ums Lesen und eben mal Besprechen. Da steckt so viel Arbeit dahinter und der wollen wir nicht nur mittels einem zeitlichen Rahmen gerecht werden.

So ist es mir mit „Zwischenhalt Erde“ gegangen. Die Anfrage kam vom Autor Martin Knuth direkt und aufgrund der aktuellen Situation weiß mittlerweils so ziemlich jeder Mensch, dass es auch die Buchbranche trifft. Natürlich wird viel gelesen, aber es ist der Mainstream, der in hoher Auflage erschienenen und mit viel Tamtam beworbenen Bücher, da geht solch ein kleines scheinbar unscheinbares Werk unter und hat kaum eine Chance auf den immens großen Markt geworfen zu werden.

So werdet ihr dieses Buch kaum bis gar nicht finden, mir ist es auch so ergangen. Es gibt leider im Großhandel (Buchhandelsketten, Buchhändler, Bücherreien, etc.) keinen der dieses Buch auch nur ansatzweise anbieten, selbst im Onlineshop meines kleinen Buchladens vor Ort (in dem ich sonst alle Bücher finde) ist das Buch nicht gelistet.
Eine Option wäre das große A, die deutlich bessere eine Direktbestellung beim Verlag (ranis@lesezeichen-ev.de) oder über den Autor, dann gibt es sogar eine Signatur mit dazu. Ich habe letztere Variante gewählt, auf ein Rezensionsexemplar verzichtet, den Kaufpreis bezahlt, auch um selbst einen klitzekleinen Beitrag in der gegenwärtigen Situation um ausgefallene Lesungen, Buchvorstellungen und Messen, in Sachen Unterstützung zu leisten.

Jetzt aber zum Buch!

Es ist ein Debüt und diese umfasst 9 Kurzgeschichten, in denen es sich um alles mögliche dreht, nicht jedoch um Überirdisches. Diese Geschichten zu beschreiben fällt mir schwer, denn es würde sofort spoilern. Es sind auf jeden Fall allesamt Erzählungen, unterschiedliche Perspektiven, Figuren, Orte, Handlungsspielräume. Sie hängen nicht miteinander zusammen, lassen sich je alleine lesen und sind von eher einfacherer Sprache, was nicht heißt, dass sich dahinter einfache Geschichten verbergen, ganz im Gegenteil sogar.

Die erste Erzählung im Buch umfasst ganze 2 Seiten und hat mich kurz stutzen lassen. War das jetzt böse oder war es gemein und was immer es war, wo ist der Unterschied?
So erging es mir auch mit der nächsten Erzählung, wobei ich hier lange gebraucht habe um den Autor zu durchschauen – ja, es ist eher gemein, oder doch böse? Auf jeden Fall hätte ich diese noch ewig weiter spinnen können!

So erging es mir tatsächlich mit allen der neun Erzählungen, da kommt etwas zum Vorschein, mit dem ich nicht gerechnet habe.
Verborgenes und Unbekanntes, welches sich letztendlich doch klar herauskristallisiert. Geheime Sehnsüchte und Wünsche, Begierden und Verlangen, Notwendigkeiten und Überlebensstrategien.

Diese in ihrem Stil so einfach wirkenden Erzählungen haben es in sich.
Da lullt der Autor einen ein, lässt mal eine der Figuren alles selbst schildern, was eine immense Kraft an Emotionen frei setzt, oder er erzeugt durch eine dritte Person einen Blick auf Geschehnisse, die so absehbar scheinen, um dann in den letzten Sätzen eine komplette Kehrtwendung zu erfahren.

Für wen ist „Zwischenhalt Erde“ geeigneter Lesesstoff?
– Für alle, die es gerne etwas anspruchsvoller haben.
– Für jene, die sich auch in Kurzgeschichten große Momente erlesen.
– Für solche (wie mich), die mit einem fiesen, breiten Grinsen nach Beenden einer Geschichte einfach mal sitzen bleiben.
– Für ebensolche (auch wie mich), die interpretieren was das Zeugs hält und so manche der Geschichten in einer Runde diskutieren würden.
– Und für all die Leser_innen, die einfach mal etwas komplett anderers lesen möchten.

Mein Highlight war „Winterferien“, da hier ein riesige Überraschung bei rum kam.
Aber auch „Herr Rendler“ fand ich trotz der Kürze richtig gut und würde mit dem netten Mann gerne mal einen Blick durchs Fernglas werfen, auch um zu erfahren was eine acht oder gar eine neun wäre.

Vielleicht liest dieses Debüt eine/r von euch in naher Zukunft und vielleicht gibt es Stimmen, die da sagen, da hätte der Autor aber deutlich mehr draus machen können.
Aber in der Kürze liegt die Würze, oder jenes, was zwischen den Zeilen steht, umfasst mehr Seiten als das geschriebene Wort.
In dem Sinne, der Autor Martin Knuth hat mir mit seinen neun Geschichten gezeigt, dass er alles andere als böse ist, aber gemein ist er schon so ein kleines bisschen…hat irgendwer ein Bild von einem Marl?

Rezension verfasst von © Kerstin

| Anzeige | Buchdetails, Buchtrailer

Buchtrailer zu „Zwischenhalt Erde“ von Martin Knuth

Hierzu muss ich noch kurz etwas erzählen. Bezüglich des Buchtrailer hatte Martin Knuth mir erzählt, dass er diesen in seinem Garten gedreht hat, worauf hin ich sofort ein herrliches Kopfkino hatte, in der Vorstellung was die Nachbarschaft wohl über diese nächtlichen Tätigkeiten spekulieren und was für Gerüchte dort gestreut würden.Passend dazu die Antwort von Martin Knuth: „Ich war froh, dass niemand die Polizei gerufen hat :) „
Lasst Euch von dem kurzen Video nicht erschrecken, dort wird etwas vergraben, aber es ist nur ein Marl.

Quelle: Youtube Literaturburg
Video und Musik: Thai Tai Pham (www.hokuskokus.eu)
Titel: „Zwischenhalt Erde“ 
Buchreihe: – Einzelband
Autor: Martin Knuth
hier geht es zu seinem Instagram-Account
Verlag: Lesezeichen e.V.
Broschierte Ausgabe, 121 Seiten, 10 €
erste Auflage im November 2020
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