„Zeitenfraß“ | Carolin Summer

Das Buch wurde mir von der Autorin Carolin Summer kostenlos zum Lesen und Rezensieren zur Verfügung gestellt. Meine Rezension basiert ausschließlich auf meinen persönlichen Leseeindrücken und wird durch eine Bereitstellung des Buches nicht beeinflusst.


Abschied

Die letzte Akte der WeltenWechsler ist gelesen (Übersicht aller Rezensionen) und doch ist es nur ein Abschied auf Zeit, denn es werden dicke Ordner als Sammelband verschiedener Kurzgeschichten folgen und auch in jene Worte werde ich mich fallen lassen.

»Geheimnisse sind die Schatten der Seele.«
Glückwunsch, Weltrettungsszenario abgehakt. Übrig bleibt ein Haufen Probleme. Die Quittung für sämtliche Fehltritte, die ich mir geleistet habe, damit eure Realität nicht auseinanderbricht. Jetzt läuft mir die Zeit davon, während ich verzweifelt versuche, das Desaster halbwegs wieder geradezubiegen. Also legen wir uns zwischen jeder Menge Pech und Drama mit der paranormalen Mafia an. Eine aussichtslose Vampirjagd ohne Rückendeckung von Gris. Mit nichts weiter als einer alten Akte und ein paar halbgaren Indizien in der Hand. Ja, ich weiß, klingt absolut lebensmüde. Ist mir egal. Jordi lässt sich sowieso nicht davon abhalten. Immerhin geht es um seine Familie. Und ich rede es ihm garantiert nicht aus. Im Gegenteil. Das Einzige, was ich dazu zu sagen habe, ist: »Du bist nicht allein.« Vanjar Belaquar

Klappentext

Lieber Vanjar,

ich kann dir diese Zeilen nicht schreiben, ohne auf das Ende einzugehen. Ich war nach den ersten Worten verzückt von dir, den Welten, der Magie. Doch wer die letzte Akte nicht kennt, sollte nicht weiterlesen – es sind Worte für dich, aber wer weiß, wem dieser Brief in die Hände fällt. Was anderen noch bevorsteht, habe ich bereits mit dir erlebt, gefühlt. Schon immer hast du etwas Düsteres an deiner Seite gehabt, Galgenhumor, um Ängste zu verharmlosen und doch blieb die Hoffnung kleben an dir. Wie oft ich bangte um dich, nicht wissend, was du zu verbergen versuchst. Du hast Schatten über deine Vergangenheit gelegt, und doch hast du versucht, das Licht zu sein, die Menschen um dich herum zu schützen, zu beschützen. Deine Flügel hättest du am liebsten ausgebreitet, um ihr Dach zu sein, abzufangen, was auf all die Menschen, die dir wichtig sind, hinabfällt, sie niederdrückt. Eine Ahnung bestand als ich die dritte Akte las und je mehr ich in der vierten Akte erfuhr, desto sicherer wurde ich mir, wo ich am Ende mit dir stehen würde. Am Rand Notizen, neue Erkenntnisse und immer wieder meine Worte, dass ich mich nicht verabschieden möchte. Zeit, die uns davon rinnt, Zeitenfraß, unaufhaltsam gingen wir dem Unausweichlichem entgegen. Das Tribunal, Zeitaufschub, nicht mehr, nicht weniger.

Wir können sie nicht anhalten. Oder zurückdrehen. Aber wir können die möglichen Verläufe sehen und das Gleichgewicht des Weltengefüges aufrechterhalten. Abschätzen, was geschehen wird, was warum geschehen muss. Wie die Dinge begonnen haben und wie sie wohl enden werden. Ursache und Wirkung. Was vermeidbar ist und was sich auf keinen Fall verhindern lassen wird, weil es als Konstante eintrete muss.

Tribunalbote | Seite 362

Klingen diese Worte im Wind um dich herum ebenso nach? Denn das ist meine Vorstellung. Wo auch immer, wann auch immer. Als Krähe, in menschlicher Gestalt, aber wehende Luft um dich herum. Oder bist du frei von all diesen Gedanken, dem Hinterfragen. Ich versuche, mich daran festzuhalten, an den Worten des Boten. Dass es nicht anders hätte enden können, ohne noch mehr Schmerz zurückzulassen. Davon gab es zu viel. Und zu viel erschüttertes Vertrauen, zu viele Zweifel, zu viel Tod.
Der Schmerz wird eine Leere im Inneren hinterlassen, das Vertrauen durch die gemeinsamen Erlebnisse eine Narbe, die Zweifel zerstreut, der letzte Tod gestorben. So vieles geschah und doch finde ich so wenige Worte dafür. Ich kann all das, was ich durch die Akten erfuhr, niederschreiben, doch wofür, wo du doch immer ein Teil von allem warst. Ich könnte dir schreiben, warum ich so verzückt von dir war, dass ich gerne mit einem Gin Tonic auf deiner Couch gesessen hätte, doch noch kann ich es nicht. Ich verabschiede mich noch immer, eingenommen von den letzten Momenten, dem Irrlicht. Mein Blick in den Himmel gerichtet, die Funken, das Verglühen. Zurückgeblieben mit einem Hauch grauer Asche…

Titel: Zeitenfraß
Buchreihe: 4. Band
Autorin: Carolin Summer
Paperback: 456 Seiten
Verlag: Tredition | [Selfpublisher]
Die Weltenwechsler Akten-Quadrologie:
Band 1 ~ „Narrenlauf“
Band 2 ~ „Scherbenrausch“
Band 3 ~ „Ascheseelen“
Band 4 ~ „Zeitenfraß“
Sammelband verschiedener Kurzgeschichten ~ folgt

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