4 Serien basierend auf wahren Ereignissen (True Crime)

Besonders Bücher, Serien und Filme die auf wahren Ereignissen beruhen, üben einen besonderen Reiz auf mich aus. Ich kann gar nicht genau sagen, was meine Neugierde weckt, manchmal hat es ja einen bitteren Beigeschmack von Schaulust … und doch sind einige Serien & Co. so wichtig, um bestimmte Themen in den Mittelpunkt zu bringen, die Menschen zum Nachdenken anzuregen oder Kritik an verschiedenen Systemen zu skizzieren.


„Rillington Place – Der Böse“

Eine Mini-Serie mit nur drei Folgen! Etwas schade und doch absolut ausreichend. Drei Folgen, drei Perspektiven. Die Ehefrau, der Nachbar, der Mörder.

John Christie mordete in den 30ern und 40ern Jahren und seine Geschichte wurde mehrfach in verschiedenen Filmen erzählt. Ich kannte seinen Namen nicht, bis ich beim Suchen einer neuen Serie eben auf diese stieß. Ich las mich zuvor nicht in den Fall ein, sondern lies die drei Folgen auf mich wirken. Das sie aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt sind und dennoch aufeinander aufbauen, machte für mich einen Teil der Atmosphäre aus.
Gerne werden gleichen Situationen aus unterschiedlichen Blickwinkel erzählt, was mir auch immer sehr gut gefällt, doch bei dieser Umsetzung der wahren Ereignisse, war diese Erzählform, das aufeinander aufbauen, die richtige Wahl.

Besonders Tim Roth überzeugt in der Rolle des John Christie. Er verkörpert einen gebrochenen Mann, welcher sich mit allen Mitteln seiner Verantwortung entzieht und von Folge zu Folge unausstehlicher wird.
Die Serie beschreibt weder Christies Kindheit, noch werden seine Taten erklärt. Atmosphärisch düster und ruhig erzählt, ohne sich auf die Brutalität der Taten zu konzentrieren, sondern auf das Leben der drei Protagonist*innen und die Auswirkungen von Christies Taten.

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Titel: Rillington Place (3 Folgen)
Schauspieler*innen (Hauptrollen): Tim Roth, Samantha Morton, Jodie Comer & Nico Mirallegro
Drehbuch: Ed Whitmore & Tracey Malone
Regie: Craig Viveiros

Weitere Informationen zum damaligen Fall findet sich *hier* (Wikipedia)

TRAILER:


„The Act“

Staffel 1

Als der Fall damals in den Nachrichten kam, habe ich dies nur am Rande mitbekommen. Eine Mutter. Eine Tochter. Krankenhäuser. Mord. Das Opfer wird zur Täterin.
Die Mutter leidet am Münchhausen-Stellvertretersyndrom, das heißt sie erfindet oder sorgt für Erkrankungen ihrer Tochter. Dies geht über Jahre, bis ihre Tochter Gibsy auf Nick trifft ….

Nach dem Schauen entstanden einige Fragen. Warum gab es weder für Gibsy, noch für Nick eine psychologische Betreuung?! Bei beiden war ein deutlicher Verlauf von psychischer Störung aus unterschiedlichen Ursachen zu erkennen, selbst ohne ärztliches Fachwissen.
Gibsy die sich nie entwickeln konnte, sich nicht selbst kennenlernte, unter dem Bann ihrer krankhaften Mutter stand. Nick der sich zurückzog, sein Leben mit jemanden teilte, dessen Seite mehr als düster ist. Zwei junge Heranwachsende die allein gelassen wurden ..

Der Verlauf zum Ende hin hält sich an die Taten die begangen wurden, doch die Darstellung sagte mir nicht wirklich zu. Als Zuschauerin bekam ich das Gefühl es würde abdriften, die Geschichte würde versuchen Gibsy zum Bösen verdrehen zu wollen. Ganz klar will ich hier nichts entschuldigen und am Ende wird deutlich, was Gibsy damit meint, keine Verantwortung zu tragen. Aber ich hätte mir mehr Aufklärung gewünscht. Es wird nicht Verurteilt, aber der Wechsel innerhalb der Geschichte nimmt einen rapiden Verlauf und stellt das vorherigen Leben etwas in den Schatten.

Mir geht es nicht darum, dass der Mord erklärt wird, sondern das mehr auf die Beweggründe eingegangen wäre. Patricia Arquette verkörpert die Rolle von Dee Dee Blanchard sehr überzeugend und die Folgen, in denen sie mit Gibsy (Joey King) im Mittelpunkt der Geschichte steht, sind fesselnd, erdrückend und schmerzhaft. Eine sehr gelungene Serie der wahren Begebenheiten, die leider etwas fiktiv gefüllt wurde – diesen Hinweis gibt es zu Beginn jeder Folge.

Es wird nicht aufgebauscht, es gibt viele emotionale Szenen, doch die psychische Störung „Münchhausen-Stellvertretersyndrom“ selbst, bleibt etwas zu sehr an der Oberfläche.

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Titel: The Act
Reihe: 1. Staffel, 8 Folgen (eine weitere Staffel mit neuer Thematik ist geplant)
Schauspieler*innen (Hauptrollen): Patricia Arquette, Joey King & Calum Worthy | Nebenrollen siehe *hier*
Drehbuch: Michelle Dean & Nick Antosca | Verschiedene Regisseur*innen

TRAILER:


„When They See Us“

Harlem in den 80ern. Eine weiße Frau liegt nach einer Vergewaltigung schwer verletzt im Krankenhaus. Die Tatverdächtigen sind fünf schwarze Jugendliche.

Einnehmend, fesselnd, emotional, erschreckend, schmerzvoll – alle vier Folgen! Zunächst als Jugendliche, dann in den Gefängnissen und zum Schluss als erwachsene Männer. Justizia ist blind und hier im negativen Fall, denn ansonsten wären sie nie verurteilt worden! Zuzusehen wie sämtliche Beweise gedreht werden, auf Zwang Täter gesucht und gefunden werden, wie die Jungs und ihre Familie gebrochen werden … Kaum zu ertragen und doch so wichtig anzuschauen.

Kevin Richardson, Antron McCray, Yusef Salaam, Korey Wise und Raymond Santana. Es ist ihr Leben, welches in vier Folgen skizziert wird und eine Vielzahl an Gedanken und Emotionen entstehen lässt. Jede Folge ist einnehmend und ohne seine Geschichte hervorheben zu wollen, ist es Korey der im Mittelpunkt der letzten Folge steht. Ein Jugendlicher der nur mit auf das Polizeirevier kam, um seinen Freund zu unterstützen. Korey, der nicht nur ebenfalls angeklagt und verurteilt wird, sondern als einziger in eine Haftanstalt (Gefängnis) für Erwachsene statt Jugendliche untergebracht wird.

Rassismus steht im Mittelpunkt ohne das mit dem Finger drauf gezeigt werden muss. Fünf unschuldige Jugendliche kommen für Jahrzehnte in Haft, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Traumatische Erfahrungen werden sie bis heute verfolgen. Seitens der Stadt gab es ein Entschädigungsgeld, jedoch nie eine offizielle Entschuldigung!

Das Ende wirkte für mich in Bezug auf die vorangegangene Geschichte und im Hinblick auf die unten genannten Winfrey Show etwas zu seicht. Selbst wenn die fünf Männer freikamen, die Verurteilungen aufgehoben wurden, so ist eine Wiedereingliederung keine Leichtigkeit. Ebenso haben Kevin, Antron, Yusef, Korey und Raymond mit den Jahren der Inhaftierung und den damit verbundenen Erlebnissen zu kämpfen.

Wenn du die Serien geschaut hast oder noch sehen willst, empfehle ich dir auch, die Oprah Winfrey Talkshow anzugucken. Diese ist ebenfalls auf Netflix bei der Serie zu finden und absolut emotional, wenn diese fünf Männer über ihr Leben sprechen!

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Titel: When they see us
Hauptdarsteller: Asante Blackk, Justin Cunningham, Caleel Harris, Jovan Adepo, Ethan Herisse, Chris Chalk, Jharrel Jerome, Marquis Rodriguez & Freddy Miyares | Weitere Rollen kannst du *hier* nachlesen
Drehbuch: Ava DuVernay
Mehr zum damaligen Fall kannst du *hier* nachlesen (Wikipedia)

TRAILER:


„Unbelievable“

Triggerwarnung:
In dieser Serie geht es um Vergewaltigung. Es wird darüber gesprochen und als sogenannte Flashbacks szenisch dargestellt.

Die Serie basiert auf dem Artikel „An Unbelievable Story of Rape“ (2015). Bereits die erste Folge, die ersten Szenen zeigen Maria Adler. Wie die Polizei ihre Aussage aufnimmt. Sekundenbruchteile der Nacht die ihr Leben veränderte. Und wie die zwei Ermittler Maria dazu bewegen, es als Lüge einzugestehen. Was darauf folgt lässt Wut auf das Rechtssystem entstehen, skizziert aber auch einen Verlauf, der oft genau so stattfindet.

Drei Jahre später wird eine Vergewaltigung angezeigt, die den Schilderungen von Marie fast eins zu eins gleicht. Nur durch einen Zufall erfährt die Ermittlerin Karen Duvall das es eine weitere Vergewaltigung mit gleichem Tathergang zur Anzeige gebracht wurde. Es ist jedoch nicht Marie Adler, sondern eine weitere Frau. Karen schließt sich mit einer weiteren Ermittlerin, Grace Rasmussen, zusammen. Beide Frauen stellen schnell fest, dass es sich um denselben Täter handeln muss.

Die Szenen wechseln sich zwischen Marie und den Ermittlungen ab, dazwischen liegen drei Jahre. Während Marie den Halt verliert, da sie mit Flashbacks konfrontiert wird, ihr jegliche Unterstützung fehlrt und ich alle abwenden, kommen die zwei Ermittlerinnen an ihre Grenzen. Es dauert unerträglich lange, bis auch Maries Anzeige gehört wird, denn einer der zuständigen Ermittler weigert sich Auskunft zu geben, auf der Grundlage, Marie habe gelogen.

Es macht so wütend und einzelne Szenen sind nicht leicht zu ertragen! Die Reaktion der Stadt in der Marie lebt, am Ende der Serie, ist lächerlich!
Was ich besonders gelungen finde, ist der Umgang mit diesem einschneidendem Trauma der einzelnen Frauen. Es wird mit Vorurteilen gebrochen und klar skizziert, das es keine Verhaltensregeln für Überlebende gibt! Jeder Mensch geht mit solch einem Traum anders um. Etwas das bis heute nicht allen bewusst ist und somit noch mehr in den Mittelpunkt rücken muss!

Seriendetails | Anzeige |
Titel: Unbelievable
Hauptdarstellerinnen: Kaitlyn Dever, Merritt Wever, Toni Collette, Danielle Macdonald | Weitere Rollen kannst du *hier* nachlesen
Regie: Lisa Cholodenko, Susannah Grant & Michael Dinner

TRAILER:


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LeseWelle
Gast

Huhu!
Ich kenne noch keine der Serien, bin aber auch immer ein bisschen neugierig wenn es True Crime heißt.
Werde wohl bei den Serien mal reinschauen. Danke für deine Vorstellung. :-*
Liebe Grüße
Diana

christin
Gast

Unbelievable find ich sehr gelungen, einfach weil man die Angst und den Frust gleichermasen nachvollziehen kann. „When they see us“ will ich noch gucken, hatte aber bisher noch nicht die Muse dazu. „Mindhunter“ ist auch nach wahren Begebenheiten. Leider muss man hier ein wenig bangen, da Mister Finch viel beschäftigt ist und aktuell keine Zeit für Season 3 hat *heul* Ich guck so viel, aber im entscheidenten Moment, fallen mir keine Titel ein XD Kann dir aber n Film empfehlen, sei denn kennst ihn schon: Only the brave bzw No way out. Die Tage gesehn und mich hat er voll… Read more »

Ute
Gast

Hallo Janna! Von den vorgestellten Serien habe ich nur „Unbelievable“ gesehen, fand die allerdings sehr gut – und sehr erschütternd. Wie die Polizisten von Beginn an mit Marie umgegangen sind, war erschütternd, manipulativen und hat das Trauma noch verstärkt. Ich war furchtbar entsetzt. True Crime lese/höre/gucke ich selten, eben weil die Tatsache, das das Erzählte auf der Wirklichkeit beruht, das alles noch viel erschreckender macht. Und dann habe ich auch immer ein bisschen ein voyeuristisches Gefühl. Zwiespältig. Wenn eine True Crime Serie allerdings Unrecht aufdeckt und vielleicht etwas bewegen kann, dann hat das Genre seine Berechtigung. Ich muss mich immer… Read more »

Buchperlenblog
Gast

Guten Morgen! :)
Ich hege ja auch so dieses kleine True-Crime-Teufelchen, was regelmäßig ernährt werden möchte. Schon immer im nächtlichen Programm geliebt: Anatomie (und ähnliche Seerien, die sich mit der Aufklärung realer Verbrechen beschäftigen.) Auch das Magazin Crime vom Stern hat es mir durchaus angetan! Die Serien hier klingen für mich alle auf ihre Art und Weise sehr interessant und sollten eindeutig geschaut werden. Wir haben erst vor kurzem „When they see us“ gesehen, und uns von Folge zu Folge immer mehr aufgeregt. All diese Ungerechtigkeit, dieser fehlgeleitete Hass und die Reaktionen der Öffentlichkeit – Wahnsinn.

Liebe Grüße!
Gabriela