Tabuthema in Büchern [#metoo]

Triggerwarnung:
In diesem Beitrag geht es um Bücher, in denen Vergewaltigungen thematisiert und mitunter beschrieben werden. Dies ist ein Hinweis auf den Inhalt der Bücher, innerhalb meiner Worte wird Vergewaltigung thematisiert, aber nicht beschrieben.

  • Die Anthologie „Dunkle Ziffern“ spendet die Einnahmen der Verkäufe an die Organisation Dunkelziffer e.V.
  • Hier findest du Rezensionen von Kerstin und mir zu Büchern, die im Zusammenhang dieses Beitrages stehen (Bücher die Vergewaltigungen thematisieren, aufarbeiten oder ein Teil innerhalb der Geschichte sind)
  • Den jeweiligen Klappentext der hier eingearbeiteten Bücher findest du am Ende meines Beitrages

Ich habe hin und her überlegt, wie ich diesen Beitrag gestalte, ob ich Zahlen und Statistiken einbaue. Ich möchte meinen Schwerpunkt jedoch nicht darauf setzen, wie viele Menschen vergewaltigt werden – täglich, stündlich, minütlich. Es soll in diesen Zeilen darum gehen, überhaupt darüber zu sprechen, diesem tabuisierten Thema einen Raum auf diesem Blog zu geben, mehr als nur in einer Rezension und unseren Triggerwarnungen, die bis heute noch viel zu selten bis nie in (Hör)Büchern genannt werden!

Schon länger begleiten mich Geschichten, in denen Vergewaltigungen thematisiert werden und die meist problematische Darstellung ist in verschiedensten Medien anzutreffen. In meinem Beitrag möchte ich mich jedoch ausschließlich auf Bücher konzentrieren, denn z.B. Filme dahingehend schaue ich eher aus Versehen, da die eben genannte Triggerwarnung selten platziert wurde und ich selten gezielt Filme oder Serien, die sich damit auseinandersetzen, schaue.

Ich habe bewusst „problematische Darstellung“ geschrieben, da die Titel, die in großer Masse von Leser:innen gelesen werden, selten sensibel geschrieben wurden. Und damit meine ich weit weniger detaillierte Beschreibungen der Vergewaltigung, sondern verstärkt das, was dann folgt oder zu welchem Zweck eben dies überhaupt in der Geschichte beschrieben wird. Anhand meiner zuletzt ausgelesenen Bücher und mit einem Blick auf andere Titel möchte ich mich genau damit innerhalb meines Beitrags befassen und Titel vorstellen, die aufmerksam machen und Überlebenden eine Stimme geben wollen.

Ich weiß nicht, wohin meine Worte mich führen werden, aber ich möchte meinen Gedanken die Möglichkeit geben, sich zu Sätzen zusammen zusetzen. Es ist mir ein inneres Bedürfnis über die Darstellung und Erwartungen zu sprechen. Vielleicht bewegt es dich dazu, solche Bücher sensibler zu lesen, darüber zu sprechen und es als Trauma wahrzunehmen, welches nur dann in Geschichten einen Platz finden sollte, wenn es aufgearbeitet wird.
Bücher sind oder können ein Medium sein, welche zum Austausch anregen, Themen in den Fokus setzen, deren Stimmen überhört werden.

Wenn es doch nur so leicht wäre …

Leider ist es mit Büchern noch lange nicht im Gespräch, selbst die #metoo-Bewegung wird weitaus weniger wahrgenommen als es noch zu Beginn der Fall war. Etwas kocht hoch, wird zum Gesprächsthema, regt vielleicht zum Umdenken an, bietet dem Austausch einen Raum – und verschwindet dann aus den Köpfen jener Menschen, die nicht selbst betroffen sind, wird zu einem weiteren Hashtag, der an Bedeutung verliert und in den weiten der Menschheitsprobleme versinkt. Es gibt so viel, über das wir reden müssen! Oft halte ich mich online zurück, schon aus Angst die falschen Worte zu wählen, etwas unbewusst zu reproduzieren, was mir eigentlich widerspricht, den gegenteiligen Weg einschlägt. Ich möchte mich vom Schweigen nicht frei sprechen und ich verstehe die Menschen, die sich zurückhalten, weil sie von dem was folgt erdrückt werden. Die Diskussionskultur, besonders online, ist in den seltensten Momenten auf Augenhöhe, wird schlicht unübersichtlich und besonders gerne niveaulos. Von angedrohter Gewalt ganz zu schweigen … Kräftezehrend für all jene Menschen, die unermüdlich aufmerksam machen, aufklären, aktiv Themen ins Gespräch bringen, sensibilisieren und so vieles mehr leisten!

Die Kraft der Worte

Überlebende und Täter suggeriert zwei Geschlechter. Da Vergewaltigungen immer noch ein Tabuthema sind, ist es schwer an dieser Stelle noch einen Schritt weiter zugehen. Auch 2021 leben wir in einer Gesellschaft, in der die Frau zunächst gefragt wird, ob sie was getrunken und Signale gesendet habe oder eine bestimmte anziehende, erotisch-wirkende, Kleidung trug. Eigentlich hat sich wenig weiter entwickelt – in so vielen Lebensbereichen, das ich es kaum wage, weitere Worte zu verfassen. Zu sensibilisieren, wo bislang immer noch keine Sensibilisierung stattfand, zu einem Zeitpunkt in denen Vergewaltigungen als Spannungselement in Büchern & Co. eingeflochten werden. Nun auch noch zu schreiben, dass Vergewaltigungen in erster Linie Frauen und Menschen, die sich als Frau identifizieren, angetan werden, es aber auch Männer gibt, die gezwungen werden und Frauen Täterinnen sind … dies bedarf eines gänzlich anderen Beitrags, dem ich mich selbst noch nicht gewachsen fühle und weil der Mensch nicht mal begriffen hat, das Nein auch Nein heißt, das enge oder kurze Kleidung nicht zum Sex einlädt, dass Alkohol nicht mit Einverständnis einhergeht – ich könnte dir hier eine lange Liste aufschreiben und du könntest sie wahrscheinlich um zig Punkte ergänzen.

Eigentlich möchte ich nur darauf hinweisen, dass ich weiß, wie klein mein Blick ist, wenn ich von Überlebende (feminin) und Täter (maskulin) schreibe, aber ich habe keine angemessenen Worte gefunden, die gendergerecht formuliert sind.
Und bis 2021 hat es unsere Gesellschaft ja nicht einmal geschafft, einer Frau zuerst zu glauben, sondern sie immer als Erstes infrage zu stellen. Wie könnte ich da den Blick erweitern, wenn die Augen nicht mal geöffnet sind!?

Alle Bücher sind unter der Einteilung „Roman“ zu finden und ich möchte an dieser Stelle klar sagen, das Thriller und Krimis in solch einem Beitrag keinen Platz erhalten sollten. Ich habe nicht alles gelesen, keine Frage, es mag sein das es aus diesen Genres auch Bücher gibt, die sich sensibilisiert damit auseinandersetzen. Doch ehrlich gesagt habe solch einen Titel als Thriller oder Krimi noch nicht gelesen. Ich rate von vorneherein ab, zu solchen Titeln zu greifen. Ein Trauma als Spannungselement einzubauen, einen Charakter sich erst durch eine Vergewaltigung zu einer starken Person entwickeln lassen, ich kann gar nicht in Worte fassen, wie wütend es mich macht! Obendrauf verstärkt es das voreingenommene Bild von Überlebenden und nimmt solch einem Trauma die Glaubwürdigkeit, denn es wird sich nie weiter damit auseinandergesetzt. Das alleine wäre schon ein eigener Beitrag und ich möchte diesen Titeln nicht noch mehr Raum geben.

Ich möchte mich auf Literatur konzentrieren, die sich mit Vergewaltigungen befassen, aufarbeiten und sensibilisiert damit umgehen. Wobei ich gestehen muss, das auch bei den folgenden Titeln ein Buch darunter ist, welches mich im Nachhinein doch mehr in der Umsetzung pickst, als es beim Lesen der Fall war. Dafür hat mich ein Titel, der stark in der Kritik von Leser:innen stand, genau aufgrund dessen überzeugt.

Ich habe sehr unterschiedliche Bücher dazu gelesen und gerade der unterschiedliche Umgang der Protagonistinnen mit diesem Trauma, machen die Titel lesenswert! Klischees, Vorurteile und stereotypische Verhaltensweisen werden aufgebrochen und ein realistisches Bild von Überlebenden wird beschrieben.

[…] ist sie für diese Leute nur ein anonymes Gesicht? Eine Zahl in der Statistik? Ohne Identität, ohne Persönlichkeit. Ein leeres Gefäß, das sie mit ihren klischeehaften Vorstellungen von einem Vergewaltigungsopfer füllen können.

Seite 204-205

In „Nein“ von Winnie M Li geht es zum Teil genau darum, von den Erwartungen an die Überlebenden, Verhaltensweisen die grundlegend vorausgesetzt werden, aber auch um eine Frau, die den Weg beschreitet, den viele Überlebende nicht gehen, sie ruft umgehend eine Freundin an, welche die Polizei informiert. Winnie M Li bricht mit dem gebrochenem Opfer und skizziert eine Frau, die die Tat überlebte und sich in ihr Leben zurückkämpft.

Protagonistin Vivian schweigt nicht. Nicht bei der Polizei, nicht bei ihren Freund:innen, nicht vor Gericht. Zeitgleich wird ihre Zerbrechlichkeit skizziert, die Veränderung in ihrem Inneren, ein Leben welches sie vor der Vergewaltigung anders gelebt hat.

Und die Autorin schildert die Perspektive des Täters, ähnlich wie in „Nichts was uns passiert“ (Rezension) von Bettina Wilpert. Ich persönlich kann auf die Täterperspektive verzichten, denn innerhalb von Lis Geschichte wird das Klischee bedient. Der Täter kommt aus einem gewalttätigen Haushalt und ist gesellschaftlich nicht angesehen. Dies ist aber auch der einzige Punkt, der mich beim Lesen pickste, denn ansonsten zeigt das Buch sehr gut auf, das Überlebende keinen einheitlichen Umgang mit diesem Trauma haben!

Vivian verändert sich, aber sie findet auch einen, ihren eigenen Weg, zurück zu sich selbst. Die Autorin schildert einfühlsam das Innenleben ihrer Protagonistin und besonders das, was die Gerichtsverhandlungen mit Vivien macht. Alles nochmals zu erzählen, dem Anwalt des Täters Fragen beantworten und das Hinterfragen des eigenen Handelns. Wie oft wird den Überlebenden vorgeworfen, sich zu anzüglich zu kleiden, zu viel getrunken zu haben, sich zu wenig gewehrt zu haben? Zu oft! Und so lassen Überlebende das Trauma oft Revue passieren, fragen sich, wann und wie sie sich daraus hätten befreien können, weil es das ist was Polizei und Gesellschaft oft als Erstes tun. Immer wieder taucht die Frage auf, wie sie sich hätte verhalten sollen – davor, währenddessen und danach. Und immer wieder macht die Autorin innerhalb der Geschichte darauf aufmerksam, dass es diesbezüglich keine Antworten gibt. Es gibt keine Verhaltensregeln!

In „Der Tod der Kitty Genovese“ ist dies keine im Raum stehende Frage, denn Kitty hat die Nacht ihrer Vergewaltigung nicht überlebt. Sie hätte gerettet werden können, es gab eine Vielzahl an Menschen die den Angriff gesehen oder gehört haben, doch eingeschritten ist niemand.

Der Mord an Kitty Genovese erschütterte die amerikanische Öffentlichkeit. Die Passivität der Zeugen ihres Todes wurde bald zu einem psychologischen Fallbeispiel und ging unter dem Namen >>Genovese-Syndrom<< in die Wissenschaft ein.

Nachwort | Seite 155

Genau das ist es, was mir im Buch fehlte! Im Mittelpunkt stand ein Nachbar, der in dieser Nacht nicht mal vor Ort war und die Täterperspektive war zu umfangreich für die wenigen Seiten. Die eigentliche Thematik, das Weghören oder Wegschauen, stand für mich nicht stark genug in der Kritik oder im Mittelpunkt der Geschichte. Kitty hat einen kleinen Raum innerhalb der Zeilen bekommen, der Täter einen größeren und die Menschen aus der Nachbarschaft konnten sich hinter ihren Türen und Jalousien verstecken.

Zivilcourage. Der Zeuge oder die Zeugin soll sich nicht selbst in Gefahr bringen, dies steht außer Frage. Aber heute haben fast alle ein Handy griffbereit, die Nachbarschaft damals war nicht weit vom Telefon entfernt. Angerufen hat nur eine Frau, jene Nachbarin, die sofort die Treppen hinuntereilte, als sie erfuhr, was dort unten geschah.

Viel zu oft wird geschwiegen, viel zu oft wird weggeschaut! Die wenigsten Menschen werden aktiv, wenn sie als nicht betroffene Person Gewalt sehen. Das hat verschiedene Gründe. Für mich persönlich in den wenigsten Situationen nachvollziehbar. Die Ereignisse in Didier Decoins Roman sind jedoch nicht gänzlich fiktiv, sondern schildern aufgrund wahrer Ereignisse das Wegschauen einer ganzen Nachbarschaft und genau das fehlt mir im Buch. Kitty hat keine Stimme mehr, sie starb an den Folgen der Vergewaltigung und dem Messerangriff. Doch sie war nicht leise in dieser Nacht. Die Nachbarschaft jedoch blickte weg, versuchte nicht hinzuhören und hat laut eigenen Aussagen die Gefahr nicht als das wahrgenommen, was sie war. Oder übersetzt: die Nachbarschaft wollte damit nichts zu tun haben. Genau das passiert auch heute noch!

Menschen die sich laut eigener Aussage auf keine Seite stellen wollen, nicht wissen, was der Situation vorangegangen ist, sagen sie könnten dies eventuell falsch interpretieren. Verschiedenste Formulierungen, um sich herauszureden.

Leider ist es nicht nur eine Frage des Einschreitens. Das Hinterfragen der Glaubwürdigkeit zwängt den Überlebenden die Verantwortung auf! Dies ist das erste was geschieht, die Überlebende wird befragt, ausgefragt. Was hatte die Person an, wie viel wurde getrunken, wie ist das Sexualleben der Überlebenden, was ist der Vergewaltigung vorausgegangen, hat sie es provoziert? Ich könnte noch eine Vielzahl an Punkten nennen, doch bereits diese Beispiele sollten dir verdeutlichen, warum bis heute Überlebende immer noch schweigen. Oder was sie befürchten, wenn sie über dieses Trauma sprechen (wollen). Genau dieses ‚danach‘ skizziert Louise O’Neills eindringlicher Roman „Du wolltest es doch“ sehr schmerzvoll.

>> […] Vier Typen in einer Nacht? Hast du auch nur einen Funken Selbstrespekt, Emma?<<

Seite 141

In einer Zeit, in der das Handy gefühlt in der Hand lebt, sind Fotos und Videos schnell gemacht und noch schneller im Internet. Eine Momentaufnahme. Und schon glaubt dir niemand, denn laut den Fotos wolltest du es doch. An einem Abend auf einer Party und schon wenden sich alle ab. Dies geschieht Emma und die Autroin schildert schmerzvoll Emmas Leben nach ihrer Vergewaltigung.

Was mich erschreckt, damals schon und jetzt ebenso, nachdem ich das Buch selbst gelesen habe, die Reaktion verschiedener Leser:innen. Nein, erschrocken war ich eigentlich kaum, spiegelt es doch auch den Umgang damit wider. Eine unsympathische Protagonistin wird vergewaltigt und die Fragen, warum Emma skizziert wurde wie sie ist, wurde laut. Warum? Was spielt es für eine Rolle, ob die Person die vergewaltigt wurde sympathisch ist oder nicht? Schon deshalb werde ich diesen Titel empfehlen. Die Glaubwürdigkeit scheint für viele mit Sympathie zusammenhängen, anders kann ich mir nicht erklären, warum Emmas Charakter überhaupt im Mittelpunkt stand.

Das die Autorin eine Protagonistin geschrieben hat, die gerne feiert und auf Partys unterwegs ist, nicht den liebevollsten Umgang mit anderen lebt, die ihren Körper zu betonen weiß und sexuell aktiv ist, entspricht einfach der Realität. Junge Mädchen und Frauen sind gerne mit ihren Freund:innen unterwegs, probieren sich aus, entdecken den eigenen Körper. Doch genau diese Entwicklung wird als Vorsatz gezählt und von der Autorin im Nachwort aufgegriffen: Ein kurzer Rock ist kein Einverständnis. Alkoholisierte Menschen auf Partys sind nichts Ungewöhnliches und der Einfluss von Alkohol ist kein Ja, Alkohol gibt kein Einverständnis. Flirten ist kein Ja zum Sex. Und Sex ist keine Einwilligung, auch die Freunde dazuzuholen.
All das ist Emma. All das wird Emma angetan.

Sobald die Leser:innen darüber nicht mehr sprachen, stand das Ende im Fokus. Es würde keine Hoffnung schenken, keinen Mut machen. Liebe Alle, willkommen in der Realität! Die meisten Vergewaltigungen werden nie angezeigt, die Überlebenden schweigen aufgrund unterschiedlichster Beweggründe dafür. Und selbst wenn es zu einer Anzeige kommt, kommen die Täter viel zu oft straflos aus der Verhandlung raus. Dies muss ebenso wahrgenommen, gehört und gesehen werden. Anhand von Emma zeigt die Autorin deutlich auf, warum so viele Menschen sich gegen eine Anzeige entscheiden oder diese widerrufen. Neben Geschichten wie „Nein“ muss es Bücher wie „Du wolltest es doch“ geben, ohne ein ‚alles wird wieder gut‘, das wird es nicht. Nicht ganzheitlich, nicht immer.

Und manchmal nie wieder. Genau dies beschreibt Inès Bayard in „Scham“, dessen Titel schmerzvoll passend ist. Das ist es, was Überlebende oft verspüren, sie schämen sich, suchen die Schuld bei sich, haben das Gefühl versagt zu haben, sich nicht genügen gewehrt oder verteidigt zu haben. Dieser Roman geht noch einen kleinen Schritt weiter und stellt die Leser:innen vor eine moralische Herausforderung.

Marie denkt nicht, dass es jetzt zu Ende ist. Sie weiß, dass das erst der Anfang ist.

Seite 30

Marie ist schwanger. Sie weiß nicht, ob von ihrem Mann oder dem Vergewaltiger. Ihr Gynäkologe ist der beste Freund ihres Mannes. Und so schweigt sie, während ihr Bauch wächst. Ich hoffe sehr das der Beginn des Buches nicht abschreckt, denn nach den ersten Seiten ist bereits klar, das die Familie das Trauma nicht überleben wird. Dramatisch am Anfang, dramatisch im Ende und meine Kritikpunkte am Buch, welches ich ansonsten sehr wichtig finde.

Zu wenig wird darüber gesprochen was geschieht, wenn die Frau nach der Vergewaltigung einen positiven Schwangerschaftstest in den Händen hält. Zu leicht ist gesagt, sie könne binnen kurzer Zeit die Pille danach nehmen. Nach einer Vergewaltigung einen klaren Kopf zu bewahren und eine Ärztin (einen Arzt) aufzusuchen, wo eventuell Fragen gestellt werden, verlangt viel ab. Sich zu einer Abtreibung zu entscheiden, verlangt ebenfalls viel ab. Das Kind auszutragen und sich dann zu trennen, verlangt einiges ab. Das Kind in die Arme zu schließen ebenfalls. Egal wofür sich die Frau entscheidet, wenn sie wieder an einem Punkt gelangt ist, Entscheidungen mit solch einer Tragweite bewusst treffen zu können, es fordert sehr viel ab!

Durch den von Marie bestimmten Tod und durch das Ende wird der Geschichte Dramatik eingehaucht, die sie nicht gebraucht hätte. Bayard ist es gelungen mit Marie eine Protagonistin zu beschreiben, die keine Beziehung zu ihrem Baby aufbauen kann und im Kleinen versuchte, Mitgefühl für den Vergewaltiger entstehen zu lassen (Seite 190, ich persönlich finde dies äußerst ungünstig formuliert!). Marie kann ihren Sohn nicht lieben, keine Nähe zulassen, verweigert ihm Zuneigung. Das Wickeln überlässt sie ihrem Mann. Sie baut keine Beziehung auf und so wird sie den Grundbedürfnissen ihres Sohnes nicht gerecht. Der Mann stellt keine Fragen.

Fragen werden zu oft auch in der Realität, außerhalb der Bücher, nicht gestellt. Selbst wenn eine Veränderung auffällt, eine Ahnung sich heranschleicht, so steht immer eine Stille dazwischen. Wir müssen unsere Umwelt feinfühliger wahrnehmen, den Schritt wagen eine Frage zu stellen, die die schlimmste Antwort bereithalten könnte. Wie kann verlangt werden, offen über eine Vergewaltigung zu sprechen, wenn nicht mal die Fähigkeit besteht nachzufragen, spürbare Unterstützung zukommen zulassen?

Ich sehe meine Tränen Schaum brechen, ertrinken im Abfluss. Ich will mit. Stürzen, sinken, ertrinken.

Seite 9

Können Leser:innen die nicht vergewaltigt wurden, sich besser damit auseinandersetzen, wenn eine Vergewaltigung und das Leben danach abstrakt skizziert wird? Braucht es Surrealismus, um Bilder zu erschaffen und Gefühle spürbar zu machen?

Was mir unglaublich gut gefiel, ist auch die größte Kritik an diesem Titel. Ich liebe Surrealität in Büchern und innerhalb dieser Zeilen hat dies eine sehr bedeutungsvolle Symbolik. Schmerzhaft und wahrhaftig inmitten der abstrakten Erzählweise, für mich gelungen. Gerüche die unabdingbar mit dem Trauma verbunden sind und den Vergewaltiger durch diesen Geruch verbildlicht. Stellenweise sorgt genau diese abstrakte Beschreibung für ein klares Bild im Kopf, doch genau dieser Stil, der sich so schmerzvoll liest, schafft auch eine Distanz. In Reimen und in einem Tanz mit Worten wird eine Geschichte geschaffen, die ohne Tabus den körperlichen und seelischen Schmerz in Sätze hüllt.

Ein Schmerz, der am Ende überwältigt, noch mehr als „Du wolltest auch“, sich einem anderen Ende widmet. Ein Opfer die überlebte zu einer Überlebenden als Opfer. Es gärt in Peach und am Ende bricht es aus ihr heraus, zerbricht sie.

Selten wird darüber gesprochen, wie viele Menschen sich als Folge einer Vergewaltigung das Leben nehmen, dem Leben selbst ein Ende setzen. Oft wird geschwiegen, Gedanken und Bilder zerreißen von innen heraus. Sie werden erdrückt von Erinnerungen, zurück gezwängt durch Worte und Gerüche.

>>Ich bin betroffen.<<
Diesen Satz haben wir als Herausgeberinnen während dieses Projekts sehr viel häufiger gehört als erwartet. Drei kleine Worte, die für einen Augenblick lang die Erde beben lassen, weil sie am eigenen Weltbild rütteln.

Vorwort | Seite 5

Das eigene Weltbild ist ein Trugbild, eine Realität, die so weit wie das eigene Auge sehen kann, reicht. In den Köpfen haben sich Gedanken zu Bildern zusammengesetzt, Erwartungen haben sich geformt. Was geschieht mit deinen Bildern, deinen Erwartungen, wenn dir ein nahestehender Mensch erzählt vor einer gewissen Zeit vergewaltigt worden zu sein? Stürzt das Klischee über dich herein? Wankt das Vorurteil und lässt dich straucheln?

Wir glauben die Menschen in unserem Umfeld zu kennen. Wir glauben zu wissen, wie Täter aussehen, sich verhalten, wie sie zu erkennen sind. Wir glauben zu wissen, wie Menschen sich verhalten, wenn ihnen Gewalt angetan wurde. Wir glauben zu wissen, die angetane Gewalt zu erkennen. Ein Trugbild.

Genau dies verdeutlicht das Vorwort der Anthologie sehr gut und die folgenden Kurzgeschichten skizzieren den Schmerz hinter dem Schweigen. Geschichten die sich unterschiedlichster Stilmittel und Genres bedienen und durch die Kürze Zeit lassen, um zu atmen. Mir haben nicht alle Geschichten zusagt, manche blieben mir fern. Andere wiederum schmerzten bei jedem einzelnen Wort.

Da es sich bei der Anthologie um verschiedene Kurzgeschichten handelt, kann ich schwerlich auf den weiteren Inhalt eingehen, aber das, was einzelne Geschichten in mir auslösten, ist es, was Geschichten auslösen, in denen Vergewaltigungen be- oder umschrieben werden, Schmerz. Und selbst diesen Büchern, bei denen klar zu erkennen ist, dass es genau darum geht, hätte eine Triggerwarnung vorausgehen müssen. Denn beim Lesen lösen die Worte etwas im Inneren aus, im schlimmsten Fall führt diese Konfrontation zu einem Trigger („Auslöser“) und somit zu einem wiederholten Erleben des Traumas. Manchmal reicht ein einzelner Abschnitt, ein Klappentext, um dies auszulösen.

Es macht mich wütend, wie sehr Triggerwarnungen immer noch belächelt und von Verlagen wie Autor:innen, nicht umgesetzt werden. Sollte mich nicht wundern, bei all den romantisierten stark toxischen Büchern. Tut es dennoch! Es ist mir unbegreiflich, wie sich Menschen anmaßen können, solche Hinweise als unwichtig zu bezeichnen, gar als spoilernd. Eine Vergewaltigung spoliert dich, nimmt dir den Spannungsbogen? Mir fehlen ernsthaft die Worte, um zu sagen, wie ich dies empfinde. Ich kann verstehen, dass es Menschen gibt, die für sich persönlich keine Triggerwarnung benötigen. Ich wäre schon begeistert, wenn zu Beginn darauf hingewiesen wird, dass am Ende des Buches mögliche Trigger benannt werden. So kann jede:r Leser:in selbst entscheiden, ob diese gelesen werden oder nicht. Sensibilisierung innerhalb der Geschichten, sensibler Umgang mit den Leser:innen, selbst das wird nur selten umgesetzt.

Macht der Worte, Einfluss der Medien. Es lässt sich nicht leugnen das Filme, Musik, Theater und Bücher ein gesellschaftliches Bild erschaffen, das sie etwas in Menschen bewirken und auslösen. Und so darf auch die Verantwortung dahinter nicht übersehen werden, die in Bezug auf meinen heutigen Beitrag Verlage und Autor:innen auffordert, sich dieser nicht nur bewusst zu sein, sondern entsprechend zu agieren!

Sechs Bücher

Eine Anthologie die Gewalt in verschiedenen Kurzgeschichten in Worte kleidet.
Fünf (weitere) Bücher. Fünf Frauen die vergewaltigt wurden. Fünf Frauen und fünf unterschiedliche Verhaltensweisen, fünf unterschiedliche Leben, fünf sich unterschiedlich auswirkende Traumata. Es gibt keine Anleitung in der gesagt wird, wie Überlebende sich verhalten oder verhalten zu haben und genau dies wird in den Büchern deutlich. Darüber muss ebenso gesprochen werden, denn sobald eine Überlebende sich nicht dem Verhaltensklischee entsprechend verhält, wird die Glaubwürdigkeit abgesprochen. Wer nimmt sich das Recht raus zu urteilen? Eine Überlebende nach der Vergewaltigung still und in sich gekehrt verschlossen in den eigenen vier Wände ist ein Verhalten. Das andere Verhalten kann in absolutem Gegensatz stehen. Eine Überlebende die sexuellen Kontakt hat und sich mit Menschen umgibt. Ich werde an dieser Stelle definitiv nicht erklären oder erläutern, ich lasse es für sich stehen. Du hast dir nicht anzumaßen, über das Verhalten einer Überlebenden zu urteilen oder es zu verurteilen. So individuell jeder einzelne Mensch ist, so individuell ist der Umgang mit einem Trauma, völlig unabhängig um was für ein Trauma es sich dabei handelt!

Wenn ich zum Schluss zwei Titel empfehlen sollte, dann würde ich ganz klar „Nein“ von Winnie M Li und „Du wolltest es doch“ von Louise O’Neill nennen. Zwei sehr unterschiedliche Protagonistinnen, zwei unterschiedliche Verhaltensweisen und zwei Geschichten, die einen tiefen Einblick geben.

Vergewaltigung als Tabuthema zu bezeichnen mag dir befremdlich erscheinen, wo es zum Beispiel die #metoo-Bewegung gibt. Was zu Beginn stark im Fokus stand, wird heute bei weitem nicht mehr so intensiv wahrgenommen, gelesen und geteilt, als es damals der Fall war. 2006 ging es gezielt um Schwarze Frauen, die dieses Trauma erlebten. Elf Jahre später wurde der Hashtag weitaus bekannter. Dies lag unter anderem an dem Bekanntheitsgrad der Überlebenden – und des Täters. Was vor wenigen Jahren in einer Vielzahl an Beiträgen mit dem Hashtag das Internet flutete, ist heute meist erst dann zu Lesen, wenn gezielt danach gesucht wird.

Das muss aufhören!

Toxische Beziehungen in Büchern wie „Trinity“ (Rezension) romantisieren eine psychische und physische Gewalttätigkeit, Vergewaltigungen werden beschrieben und kommentarlos stehen gelassen. Vergewaltigungen werden in gewissen Genres als Spannungselement eingearbeitet und nicht als Trauma behandelt.
Von Film und Serie nicht mal begonnen zu sprechen!

Ent­ta­bu­i­sie­ren, Aufmerksam machen, sensibilisieren

Neben all der Literatur zum Abschalten und Träumen, sollte auch immer wieder zu jenen Büchern gegriffen werden, die sich Thematiken widmen, die das Schweigen brechen und Augen öffnen! Es gibt Blogger:innen wie Mareike, die sich mit vielen Themen auseinandersetzt, aufmerksam macht und aufklärt. Ebenso findest du bei Gabriele eine Themenreihe, die sich mit unterschiedlichen Büchern auseinandersetzt und Erfahrungsberichte online gestellt hat.

Die Organisation „WEISSER RING“ ist kostenlos, unterstützt dich, gibt dir Hilfestellung bei aufkommenden Fragen und ist verknüpft mit Kanzleien, weiteren Beratungsstellen und Therapeut:innen / Psycholog:innen, die sie dir vermitteln können.
Anonym und kostenlos:

  • 7 Tage von 7:00 – 22:00 Uhr erreichbar, Telefonnummer: 116 006
  • Für gehörlose Menschen zugänglich via Mail: gehoerlosenhilfe[at]weisser-ring.de
    (Dolmetcher:in wird im weiteren Verlauf gestellt und die Kosten der Erstberatung werden bei Bedarf von der Organisation übernommen)

Auch der Verein „Dunkelziffer e.V.“ bietet Hilfe und Unterstützung für Kinder und ihre Vertrauensperson an, sowie für jene die beruflich oder privat damit in Berührung kommen. Der Verein klärt auf und kämpft gegen sexuelle Gewalt und Kinderpornographie.

  • Immer morgens von 10.00 – 13.00 Uhr (außer mittwochs) und dienstags und mittwochsnachmittags von 14.00 – 16.00 Uhr: 040 42 10 700 10
  • Mail: info[at]dunkelziffer.de

Ich habe kein Fazit, keine Worte, um dich nach diesem sehr intensiven, schmerzhaften Thema unbelastet zu verabschieden.
Denn …
… solange die Überlebenden gefragt werden, wie es zu dieser Vergewaltigung kam, was sie eventuell beigetragen haben, solange sind wir nicht einmal am Anfang.
… solange Überlebenden sich anhören müssen, sie seien selbst schuld und sich vor Gericht (stärker als der Täter) verteidigen müssen, solange sind wir nicht einmal am Anfang.
… solange Überlebende, alle anderen Frauen und Menschen, die sich mit dieser Bezeichnung identifizieren, ihr Sexualleben erklären, entschuldigen und verteidigen müssen, solange sind wir nicht einmal am Anfang.
… solange Frauen und Menschen, die sich mit dieser Bezeichnung identifizieren, Beschimpfungen (harmloseste Möglichkeit) ertragen müssen, weil sie gerne enge, Körperbetonte und kurze / knappe Kleidung tragen, solange sind wir nicht einmal am Anfang.
… solange ein Nein nicht akzeptiert wird, solange sind wir nicht einmal am Anfang!

Geschrieben von © Janna

BUCHDETAILS



Titel: Peach
Einzelband
Autorin:
Emma Glass
Aus dem Englischen übersetzt von:
Sabine Kray
Verlag:
Edition Nautilus
KLAPPENTEXT:
Etwas ist passiert mit Peach. Blut läuft an ihren Beinen entlang, und der Geruch von verbranntem Fleisch klebt an ihrer Haut. Das Gehen tut weh, aber sie wankt nach Hause zu ihren Eltern, die nichts bemerken. Die beiden können sowieso gerade die Finger nicht voneinander lassen und haben außerdem ein neues zuckersüßes Baby. Peach muss sich selbst wieder zusammenflicken, damit sie zur Schule gehen und ihren Freund Grün treffen kann. Aber es ist unmöglich, Schlaf zu finden, wenn man vom Bild eines weit aufgerissenen Mundes verfolgt wird, unmöglich zu arbeiten, wenn verkohltes Wurstfett die Nase füllt, und zu essen, wenn der Bauch straff geschwollen ist. Peach beginnt zu verstehen, was sie Grausames tun muss, um darüber hinwegzukommen …
BUCHDETAILS



Titel: NEIN
Einzelband
Autorin:
Winnie M Li
Aus dem Englischen übersetzt von:
Volker Oldenburg
Verlag: Arche
KLAPPENTEXT:
Vivian hat gerade ihr Studium beendet und startet in London durch. In der Freizeit packt sie am liebsten den Rucksack und geht wandern. An einem sonnigen Frühlingsnachmittag kreuzt ihr Weg den eines jungen Mannes, fast ein Kind noch. Er lässt nicht locker, bedrängt sie. Vivian sagt mit Nachdruck Nein. Vergebens.
BUCHDETAILS



Titel: Dunkle Ziffern
Einzelband
Autor_innen:
Nina George, Bernhard Hennen, Luci van Org, David Gray, Christian von Aster, Sonja Rüther, Stefanie Altmeyer, Anja Bagus, Isa Theobald, Lena Falkenhagen, Fräulein Spiegel, Michelle Gyo, Theresa Hannig, Hanka Jobke, Ann-Kathrin Karschnick, Silke Lindenberger, Diana Kinne, Germaine Paulus, Heike Schrapper, Fabienne Siegmund, Sebastian Erhardt, Christina Maria Schollerer, Tom Daut, Carmen Keßler
Illustratorin: Tatjana Kirsten
Verlag: Edition Roter Drache
KLAPPENTEXT:
Manchmal geschehen schlimme Dinge.
Die gierige Welt verschlingt Menschen.
Fügt ihnen ein Leid zu. Gleich ob durch Gewalt, Missbrauch oder schwere Krankheiten.
Und nur allzu oft steht man wie ohnmächtig daneben und kann nichts tun. Man wünscht sich, dass es eine Art Gerechtigkeit gibt und die Täter – oder was immer das Leid zufügt – ihre Strafe bekommen. Dass das Böse nicht gewinnt.
Und vor allem: dass die Opfer eine Stimme bekommen. Spüren, dass sie nicht alleine sind.
BUCHDETAILS



Titel: Scham
Einzelband
Autorin:
Inès Bayard
Aus dem Französischem übersetzt von:
Theresa Benkert
Verlag: Paul Zsolnay
KLAPPENTEXT:
Maries Leben ist perfekt. Sie ist jung und erfolgreich, ihr Mann ist Anwalt, jetzt wollen die beiden ein Kind. Da passiert das Unfassbare. Marie wird von ihrem Chef auf dem Heimweg brutal vergewaltigt. Und er setzt sie so unter Druck, dass sie niemandem, nicht einmal ihrem Mann, davon erzählt. Die junge französische Autorin Inès Bayard lässt in ihrem eindrucksvollen Debütroman keinen Zweifel: an dem, was geschehen ist, und daran, dass Marie keine Schuld trifft. Und doch müssen wir zusehen, wie Marie der Moment, in dem sie noch Hilfe suchen könnte, entgleitet, wie sie vom Opfer zur Täterin wird …
BUCHDETAILS



Titel: Du wolltest es doch
Einzelband
Autorin:
Lousie O’Neill
Aus dem Englischen übersetzt von:
Katarina Ganslandt
Verlag: Carlsen
KLAPPENTEXT:
Nein, richtig sympathisch ist Emma nicht. Sie steht gern im Mittelpunkt, die Jungs reißen sich um sie und Emma genießt es. Bis sie nach einer Party zerschlagen und mit zerrissenem Kleid vor ihrem Haus aufwacht. Klar, sie ist auf der Party mit Paul ins Schlafzimmer gegangen. Hat Pillen eingeworfen. Die anderen Jungs kamen hinterher. Aber dann? Sie erinnert sich nicht, aber die gesamte Schule weiß es. Sie haben die Fotos gesehen. Ist Emma wirklich selber schuld? Was hat sie erwartet – Emma, die Schlampe in dem ultrakurzen Kleid?
BUCHDETAILS



Titel: Der Tod der Kitty Genovese
(nur noch gebraucht erhältlich)
Einzelband
Autor: Didier Decoin
Aus dem Französischen übersetzt von:
Bettina Bach
Verlag: Arche
KLAPPENTEXT:
Am 13. März 1964: wurde die 28-jährige Kitty Genovese zwischen 3.15 und 3.50 Uhr im New Yorker StadtteilQueens Opfer eines Gewaltverbrechens, das in die Kriminalgeschichte einging.

Welche Bücher hast du bereits gelesen?
Wie empfindest du die Darstellungen?

Beitrag teilen mit:
guest
17 Comments
Inline Feedbacks
View all comments
Pink Anemone
20 Tage her

Hallöchen, erstmals ein großes Kompliment an diesen tollen und sehr gelungenen Beitrag! Ich werde versuchen auf manches einzugehen, ohne ins Schwafeln zu geraten (wir wissen wohl beide, dass das wohl nicht geschen wird, aber lassen wir uns überraschen *g*). In den SoMe’s bin ich zu diesem Thema auch eher still, thematisiere es nicht, bringe mich nicht in Diskussionen ein, etc. Ich bin in der Hinsicht aber auch keine „Rednerin“, sondern eher Macherin. Der Großteil (nicht mal Familie) weiß nicht, dass ich, aufgrund meiner psych.-Ausbildung, bei Missbrauchsfällen und Verdachtsfällen in unserer Notfallambulanz als psychologischer Beistand hinzugerufen werde. Das mache ich ehrenamtlich… Read more »

Jere
Jere
1 Monat her

Hey Janna,
ja, das hast du durchaus Recht.
Ich ein großer Fan der Kriminalliteratur und stoßen auch immer wieder auf grausame Darstellungen, für die eigentlich vorher eine Warnung ausgesprochen werden müsste. Lg Jere

Sunita
1 Monat her

Da sprichst du über ein sehr wichtiges Thema und ich stimme zu, dass ich es auch hasse, wenn Vergewaltigungen als dramarturgische Mittel genutzt werden – und dass es zuverlässigere Triggerwarnungen geben müsste (übrigens auch bei anderen Themen wie Suizid). Die vorgestellten Bücher kenne ich noch nicht, aber es klingt wirklich als würden sie (grösstensteils) das Thema besser behandeln.

LeseWelle
1 Monat her

Hallo Janna!
Ein ganz toller und wichtiger Beitrag!
Du hast schon alles gesagt und ich weiß nicht was ich noch hinzufügen soll. Ich verstehe nicht warum Vergewaltigungen immer noch Tabuthema sind und warum es bei Büchern keine Triggerwarnungen gibt.
Wie du auch ist es mir einfach unbegreiflich wie man eine Vergewaltigung als Spannungselement einbauen kann und wie Leser*innen behaupten können, sie würden bei Triggerwarnungen gespoilert.
Danke dir das du nochmal auf dieses wichtige Thema aufmerksam gemacht hast. Warum fällt es vielen nur so schwer die Augen zu öffnen?
Liebe Grüße
Diana

LeseWelle
Reply to  Janna
1 Monat her

Manchmal kommt man sich überhaupt nicht wie im Jahr 2021 vor, wenn man manche Kommentare liest. Es ist wirklich traurig, dass ein Nein nicht akzeptiert wird oder man nicht anziehen kann was man möchte. Weicht zwar jetzt etwas vom Thema ab, aber ich merke das schon wenn ich Klamotten für meinen Krümel kaufe. Ich mag es wenn er Farbe trägt, aber selten bekommt man Jungsklamotten in einer anderen Farbe als Braun, Dunkelblau oder Dunkelgrün. Und so sieht es ja auch mit den Mädchensachen aus, schon relativ klein kann man Skinny Jeans kaufen und dann dürfen Frauen keine engen Hosen tragen?… Read more »

LeseWelle
Reply to  Janna
1 Monat her

Es ist einfach nur furchtbar!

Buchperlenblog
2 Monate her

Meine liebe Janna!
Ein ganz fantastischer Beitrag, ich finde es klasse, dass du ebenfalls auf dieses Thema wieder aufmerksam machst, auch und gerade weil Vergewaltigungen immer noch unerklärlicherweise zu den Tabuthemen gehören. Ich nehme auf jeden Fall deine Empfehlungen für mich mit, ganz besonders „Nein“ und „Du wolltest es doch“, die charakterliche Kritik hab ich damals schon nicht verstanden dazu.

Hab auch vielen Dank für die Verlinkung! ❤️

Liebste Grüße!
Gabriela

Nomnivor
2 Monate her

Funfact(, oder auch nicht). „Vergewaltigungen werden in gewissen Genres als Spannungselement eingearbeitet und nicht als Trauma behandelt.Von Film und Serie nicht mal begonnen zu sprechen!“ Für den Plot unnötige Vergewaltigungsszenen nennt man „Gratuitous Rape“ Aus TVTropes: There are many guesses as to why Gratuitous Rape is used so much. To name a few, rape makes for good drama or it can show a villain as very, very, evil. What some creators forget, however, is that rape is a sensitive subject and therefore rape scenes should be handled with care.  https://tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Main/GratuitousRape Es gibt viele Vermutungen, warum Willkürliche Vergewaltigung so oft verwendet wird. Um ein paar zu… Read more »

Last edited 2 Monate her by Nomnivor
RoXXie
2 Monate her

Guten Morgen Janna, oh, was für ein wichtiges Thema und ich weiß auch gar nicht so richtig, wo ich ansetzen soll. Und bis 2021 hat es unsere Gesellschaft noch nicht einmal geschafft, einer Frau zuerst zu glauben, sondern sie immer als Erste infrage zu stellen. Dieser Satz ist so wichtig und hier beginnt es nicht dabei, die Frau per se infrage zu stellen, sondern Frauen generell als Flittchen oder Schlampe zu bezeichnen, nur weil sie mehrere Sexualpartner (in kurzer oder längerer Zeit) hat/hatte. Aber dem Mann wird auf die Schulter geklopft, weil er wieder eine flachlegen konnte. Genau da müssen… Read more »

Last edited 2 Monate her by RoXXie