[Hör.Buch trifft Film] „Rebecca“ | Daphne du Maurier

Ein Vergleich

Das Hörbuch hatte mich nach wenigen Worten, die Neuverfilmung verlor mich.

In einem Hotel an der Côte d’Azur lernt Maxim de Winter eine junge Frau aus einfachen Verhältnissen kennen. Die beiden verlieben sich, und schon nach kurzer Zeit nimmt sie seinen Heiratsantrag an und folgt dem Witwer nach Cornwall auf seinen prachtvollen Landsitz Manderley. Doch das Glück der Frischvermählten währt nicht lange: Der Geist von Maxims toter Ehefrau Rebecca ist allgegenwärtig, und die ihr ergebene Haushälterin macht der neuen Herrin das Leben zur Hölle […]

Inhalt laut Verlag, Auszug

Eine Geschichte, die ruhig erzählt wird und dabei einen intensiven Sog ausübt! Dies fasst mein Empfinden zu „Rebecca“ recht gut in einem Satz zusammen. Es mag zunächst nach einem Liebesroman klingen und der Beginn scheint genau dies zu erzählen. Eine junge Frau verliebt sich, bejaht den Antrag und zieht mit auf das Anwesen Manderley. Doch hier beginnt erst die eigentliche Geschichte und eine beklemmende Atmosphäre entsteht nach und nach.

Die frisch gebackene Mrs. de Winter scheint nicht bei allen im Personal willkommen zu sein und auch ihr Ehemann verhält sich abweisender. Nicht nur ein neues Haus, sondern eines in dem der Geist der verstorbenen Rebecca umhergeht. Nicht weil es ein mystischer Roman ist, sondern weil die Zimmer genau so hergerichtet sind, wie es die verstorbene Mrs. de Winter eingerichtet hat, weil immer noch die Speisen zubereitet werden, die Mrs. de Winter gerne aß und weil ein Schweigen über die Umstände ihres Todes erdrückend laut in dieser Stille ist. Rebecca liebte die Seefahrt, doch die Leidenschaft wurde ihr zum Verhängnis. Nach einem Bootsunglück ertrank sie und die Welt in und um Manderley scheint immer noch in Trauer zu sein, ohne ihren Namen überhaupt zu erwähnen.

Der Titel wartete schon lange auf meiner Wunschliste und als ich dann von der Neuverfilmung auf Netflix hörte, zog kurzerhand das Hörbuch statt das Print ein.

Ich wollte die Geschichte unbedingt lesen oder hören, bevor ich mich berieseln lasse und ich hätte dieser noch Stundenlang lauschen können!

Beim Schauen des Films kam an keiner Stelle die gleiche Sehnsucht, das gleiche Verlangen noch ein wenig mehr Zeit auf Manderley verbringen zu wollen, auf …

Geschichten die im Stil von „Rebecca“ erzählt werden, faszinieren mich. Ich bin begeistert, wenn eine leichte Spannung über den Ereignissen liegt, ohne das die Szenen dabei an Tempo zulegen. An keiner Stelle verliert sich die Autorin in Details und schildert dabei dennoch das Anwesen und die Protagonist:innen sehr bildhaft. In der Neuverfilmung geht all dies verloren und von der beklemmenden Atmosphäre ist nichts, rein gar nichts, zu spüren!

Alles wirkt oberflächlich, die wichtigsten Szenen irgendwie hineingepackt und nur der kurze Beginn kann durch seine Bilder das Gefühl der Protagonistin skizzieren. Ansonsten wird von Szene zu Szene gesprungen und all die Feinheiten des (Hör)Buches gingen verloren.

Die gleichnamige Hitchcock Verfilmung kenne ich nicht und ist aktuell leider nicht zu streamen. Auf youtube habe ich dann mal reingeschaut und die wenigen Szenen, die ich sah, waren bereits so viel einnehmender als die gesamte Neuverfilmung!

Dafür, und das ist wichtiger als die Verfilmung, konnte mich Daphne du Mauriers Geschichte für sich einnehmen!

Sie entblättert sich Stück für Stück und auch wenn die Wendung zum Ende hin wenig überraschend, war alles so wundervoll stimmig und die einzelnen Szenen bauten gelungen aufeinander auf und erschafften somit eine Faszination an dem Erzählten.

Die Ich-Erzählerin, die sich erdrückt fühlt von den nachhallenden Schatten Rebeccas, die sich auf dem Anwesen Manderley neben der toten Mrs. de Winter als neue Mrs. de Winter beweisen muss. Eine junge Frau die fast daran zerbricht, sich selbst nicht in Rebecca zu verlieren.

Ein Roman, fast ein ruhig erzählter Psychothriller, der mich von Beginn an einnahm und eine Autorin die ich aus unerfindlichen Gründen noch nicht kannte – es zog direkt ein weiteres Hörbuch aus ihrer Feder bei mir ein!

Rezension verfasst von © Janna

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– Weitere Eindrücke –
Zeit für neue Genres
Nordseiten
Titel: Rebecca
Einzelband
Autorin: Daphne du Maurier
Sprecher: Jens Wawrczeck
Aus dem Englischen übersetzt von: Brigitte Heinrich und Christel Dormagen
Verlag: Goldbek Rekords
Printausgabe: Insel [Suhrkamp]
NEUVERFILMUNG
Drehbuch: Jane Goldman
Regie: Ben Wheatley
Schauspieler_innen: Lily James, Armie Hammer, Kristin Scott Thomas, Sam Riley, Tom Goodman-Hill, Keeley Hawes u.m.
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