O Genre, mein Genre!

Ein Genre – zu viele Möglichkeiten?!

Ein Genre ist eine Orientierungsrichtung, gibt den Leser:innen einen groben Einblick, was in der Geschichte schlummert oder schlummern könnte. Somit würden zartbesaitete nicht unbedingt zu einem Thriller greifen oder Horror-Fans nicht gerade zum Liebesroman. Soweit so gut. Doch wenn ein Genre darauf steht, dann habe ich schon eine gewisse Erwartung.
Da haben es Romane leicht(er) – darin kann sich alles oder nichts verbergen. Mal gibt es den Zusatz Spannung, mal Liebe, historisches Setting, etc., so das es sich immer noch gliedern lässt und doch ist die Bandbreite unbegrenzt.
Sub-Genres gibt es zu Hauf. Ich hatte mich mal an einem Beitrag versucht, aber das ist wirklich unfassbar viel und ich würde wahrscheinlich noch heute dran sitzen. Aber die Vielzahl an weiteren verborgenen Genres ist gut, denn daran kann ich mich orientieren, im kleinen Erahnen, wohin mich die Geschichte entführen wird.

Doch was ist, wenn ein Genre drauf steht, mir aber etwas (gänzlich) anderes begegnet? Ja, dann sitze ich da und bin enttäuscht! Nicht unbedingt, weil die Geschichte schlecht ist, sondern weil ich Erwartungen hatte, die nicht erfüllt wurden (und ja, natürlich auch gern mal, weil die Geschichte einfach nicht begeistert/e).
Will ich einen Liebesroman, will ich nicht von Gefangenschaft und Folter lesen. Wenn ich Horror will, will ich nicht von jungen heranwachsenden Liebenden, die den Strand entlang laufen, lesen. Ja, das ist jetzt ein extremes Beispiel, verbildlicht aber gut die unerfüllten Erwartungen. Denn da liegt genau mein Problem!

Ich bin eine Querleserin, fühle mich in vielen Genres wohl und habe nicht mehr DAS Lieblingsgenre. Einem guten Thriller bleibe ich dennoch treu und lese ich sehr gerne, aber wo sind diese? Mal von dem allseits bekannten Problem der problematischen Ermittler:innen (Alkohol, gescheiterte Ehen, psychische Probleme und weiteres) abgesehen, auch den ‚Thrill‘ finde ich immer seltener …

Mir geht es in diesem Beitrag auch nicht darum, dieses oder jenes Buch zu benennen und dann zu verreißen. Es geht mir um dieses Genre im Allgemeinen. Mein Dilemma in drei Akten:
– entweder habe ich es einfach über
– mein Anspruch ist gewachsen
oder
– es kann schlicht nicht mehr das, was ich daran mal liebte

Aber was ist ein Thriller überhaupt? Es ist schon mal k.e.i.n. Krimi! So wie die Genres „Fantasy“ und „Science Fiction“ gerne einfach in einen Topf geworfen werden, wobei sie absolut unterschiedlich sind, so ist das auch mit dem Thriller und dem Krimi. Wobei letztere beiden Genres noch mehr gemeinsam haben, als die ersten zwei genannten. Und doch gibt es klare Unterschiede!

Ein Krimi beinhaltete einen Mord oder ein anderes Verbrechen und Ermittler:innen in verschiedensten Formen. Detektiv:in, Polizist:in, Komissar:in oder einfach jemand von nebenan. Das ist der Grundton eines Krimis, in welchem auch Tiere in die Hauptrolle schlüpfen können. Es gibt verschiedene Möglichkeiten diesen Handlungsstrang zu erzählen: humorvoll, phantastisch, brutal, etc.

Bei einem Thriller sieht das schon anders aus, wobei auch hier mitunter Humor anzutreffen ist, meist jedoch in sarkastischen (Unter)Ton (wenn überhaupt) und ebenfalls mit SuB-Genres erweitert werden können. Hier muss es jedoch niemanden geben, der oder die gezielt ermittelt und es muss auch kein Mord stattgefunden haben, nicht mal ein Verbrechen. Hier sind wir an dem Punkt, wo der Thriller gerne mit dem Roman verschwimmt. Wann ist es ein Spannungsroman, wann ein Thriller?

Ich liebe es ebenso (Spannungs)Romane zu lesen und bin dort, wenn mir ein guter begegnet, auch weitaus zufriedener als mit einem Thriller. Solch ein Roman darf ruhige Momente haben und in Situationen verweilen, wohingegen ein Thriller nicht zu oft und zu lange solche Ruhephasen haben sollte. Schließlich steckt in dem Wort Thriller der thrill, also Nervenkitzel. Bei einem Thriller ist, wie auch bei einem Roman, alles möglich! Der erste Unterschied ist jedoch der Spannungsbogen, dieser sollte bei einem Thriller im Vordergrund stehen. Dies kann auf mehreren Ebenen geschehen. Es muss nicht gewalttätig sein, sondern darf sich leise durch die Seiten ziehen und auf etwas Überwältigendes hinsteuern, auf ein Ereignis das zuvor vielleicht sogar zu erahnen ist, welches sich die Leser:innen gar nicht stellen wollen – nur ein Beispiel von vielen.

Ich erwarte keinen völlig neu erdachten Plot. Es darf gerne eine bereits vorhandene Geschichte im eigenen und somit ganz individuellem Stil neu erzählt werden. Das Rad lässt sich nicht neu erfinden und dies gilt auch für die (Film- und) Buchszene. Aber es darf nicht langweilig sein, nicht gefühlt schon zig mal gelesen. Und das ist es meist, da ich einen Thriller erwarte. Eine durchgehend fesselnde und spannende Geschichte, in der etwas geschah oder geschehen wird. Jedoch keinen Lebenslauf verschiedener Protagonist:innen und ihren Alltagsproblematiken. Wenn ich so etwas lesen möchte, greife ich gezielt zu einem anderen Buch (Genre).

Nun muss ich es doch kurz aufgreifen, die Problematiken der Menschen innerhalb eines Thrillers. Denn das ist, was ich persönlich wirklich über habe. Ermittler:innen und Täter:innen mit psychischen Problemen, mit Süchten, mit einer beklemmenden, düsteren Kindheit. Ich möchte Geschichten die mich aufgrund des Plots packen und nicht, weil die Ermittler:innen am Rande ihrer Existenz stehen oder den Täter:innen Verantwortung abgesprochen wird.
Ich möchte dein Einfluss einer schrecklichen Kindheit nicht verharmlosen, aber dann muss dies feinfühlig und erklärend eingearbeitet werden.
Und ich möchte realistischere Handlungsstränge. Keine sich überholenden Szenerien und keine Held:innen, denen ich nicht glaube, dass sie bestimmte Situationen gefühlt problemlos meistern. Ebenfalls muss es nicht immer ein Ende sein, bei dem alle Beteiligten zufrieden ihrer Wege gehen.

Was ich möchte, sind Geschichten, die mich einnehmen! Geschichten ohne Schubladen!
Vielleicht liebe Autor:innen und Verlage, ganz vielleicht sollten wir die Sache mit dem Genre lassen … mir ist es viel wichtiger, dass auf mögliche Trigger hingewiesen wird, ein kleiner Satz vorne, dass diese hinten zu finden sind. Bricht sich niemand einen Zacken aus dem Krönchen und Leser:innen können selbst entscheiden, ob sie dies nachschlagen.

Und alles andere lässt sich doch wundervoll in den Klappentext einbinden! Den Verlauf kurz und knackig ohne Spoiler beschreiben und darin erwähnen, was sonst zu erwarten ist. Sind die Protagonist:innen menschlich, Tiere oder gar ganz anderes? Ist das Setting eine Fantasy-Welt, spielt es mit möglichen Szenarien oder in ferner Zukunft (Science Fiction), erwartet mich ein Verbrechen oder Herzschmerz, ist es brutal in seiner Entwicklung? Sind die Menschen jugendlich oder erwachsen, ist es humorvoll oder sarkastisch? Und und und

Die Möglichkeiten sind unendlich! Dadurch würden sich Erwartungen vielleicht nicht mehr so verfestigen und wenn ich ganz ehrlich bin, meine eigene Idee zur Umsetzungsmöglichkeit gefällt mir gerade selber äußerst gut!

Hast du ähnliche Erfahrungen gemacht?
(Egal in welchem Genre)

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Nadine
5 Monate her

Ehrlich gesagt war mir die Unterscheidung zwischen Krimi und Thriller nicht so ganz klar, vielleicht da es zu den Genres gehört, zu denen ich eher weniger greife, daher danke für die Erläuterung. Vielleicht sollte ich mal gezielt auf die Suche nach einem Thriller gehen, denn die Sache mit Ermittler klären einen Fall auf packt mich einfach nicht. Ich finde es auch immer Spannend, wenn Genre grenzen mit einander verschwimmen, wie es beispielsweise bei Zerrissene Erde von Nora K. Jemisin der Fall ist, der sich nicht klar der Fantasy oder Sci-Fi zu ordnet. Oder auch Wie Monde so Silber, wo ein… Read more »

Elisa
6 Monate her

Hallöchen, das ist wirklich ein gelungener Beitrag. Ich brauche in letzter Zeit auch mehr Genreabwechselung als früher, wobei ich immer zu meinem Lieblingsgenre (Fantasy) zurückkehre. Dieses wird mir auch nicht langweilig, aber bei anderen Genres muss ich mich einfach stark abwechseln. Ich habe früher sehr gerne Krimi gelesen, aber mittlerweile tue ich das kaum noch, weil ich das Gefühl habe, dass da die meisten Bücher sich stark ähneln. Mit YA passierte mir das Gleiche. Ich glaube aber auch, dass ich selbst kritischer geworden bin und nicht mehr über so vel hinwegsehen kann wie früher. Ich lese übrigens aktuell einen Thriller,… Read more »

Aleshanee
6 Monate her

Guten Morgen! Das hast du sehr schön zusammengefasst – denn gerade bei Krimis und Thrillern geht es mir ähnlich! Vor allem Thriller lese ich schon seit einiger Zeit sehr selten. Warum? Weil ich oft Thriller erwischt habe, die von vielen hoch gelobt wurden ob ihrer Spannung und dann bin ich total enttäuscht weil ich sie als langweilig empfinde oder auch, weil es eigentlich ein Krimi ist. Ich mag Krimis,ohne Frage. Aber wenn es als Thriller empfohlen wird und „Thriller“ auf dem Cover steht erwarte ich dann auch eine absolut spannende Geschichte die mich von vorne bis hinten packt! Das mit… Read more »

Aleshanee
Reply to  Janna
6 Monate her

Ja, ältere Bücher sind da wirklich anscheinend besser oder zumindest mal einen Versuch wert ^^
Ich hab jetzt am Wochenende „Escape Room“ gelesen … ein Thriller ^^ Und tjoa, wieder einfach langweilig *lach* Keine Ahnung warum das so ist.
Der Klappentext war zwar eh schon kurz gehalten, hat aber die Ausgangssituation erklärt. Wenn man dann auf den ersten 50 Seiten diese Situation nochmal breit getreten liest ist das weder überraschend noch spannend. Aber auch der Verlauf, also mir hats wieder mal nicht gefallen :/

LeseWelle
6 Monate her

Hallo Janna! That’s it! Genau was ich auch denke in Sachen Thriller. Mir steht dieses Genre manchmal zu schnell auf einem Buch, nur weil es sich besser verkauft als ein „nur“ mit Roman betiteltes Buch. Aber ich habe festgestellt, dass ich momentan nicht mehr so häufig zu Thrillern greife, einfach weil alles so gleich klingt. Kommt mir manchmal alles bekannt vor. :) Und ja, ein Ermittler muss keine große Krise durchgemacht haben um ein guter Ermittler zu sein. Aber ohne Süchten oder anderen Problemen kommen die ja kaum noch aus. Deine Idee mit dem genrelosen Büchern klingt schon gut, aber… Read more »

Sandra
6 Monate her

Ich habe mir diese Gedanken bezüglich eines Thrillers auch schön öfter gemacht, eigentlich meistens dann, wenn man ein solches Buch gelesen hat und sich denkt, dass das nun wirklich kein Thriller war. Irgendwann bin ich dann über folgende Website gestoßen, wo viele Buchgenres erklärt werden. Ich muss zugeben, dass ich das eine oder andere Buch, das für mich persönlich z.B. kein Thriller gewesen ist, trotzdem sehr einfach in die dort gelistete Kategorie „Thriller“ zuordnen konnte. Somit entsprach einfach meine Erwartung eines Thrillers nicht dem, was dieses Genre wohl tatsächlich kennzeichnet. Vielleicht magst du auch mal lesen und vielleicht kannst du… Read more »

Cathy
6 Monate her

Kann das total nachvollziehen. Manchmal fragt man sich wirklich, woran denn das Genre festgemacht wurde, wenn es nicht dem entspricht, was man sonst in dem Genre liest. Auf der anderen Seite will ich nicht das hundertste Buch nach Schema F lesen und neues, überraschendes kann eben nur passieren, wenn man Genreregeln bricht. Aber grundsätzlich stimme ich zu, wenn ich zu einem Horrorbuch greife, dann nicht, weil ich Schnulz und Liebe möchte. Ich war zuletzt bei „Wer andern eine Bombe baut“ sehr überrascht über die Genrewahl. Thriller. Gethrillt hat es nicht, es war trotzdem ein gutes Buch und eine sehr unterhaltsame… Read more »