„Meine Schwester, die Serienmörderin“ | Oyinkan Braithwaite

Das Buch wurde mir vom Aufbau Verlag kostenlos zum Lesen und Rezensieren zur Verfügung gestellt. Meine Rezension basiert ausschließlich auf meinen persönlichen Leseeindrücken und wird durch eine Bereitstellung des Buches nicht beeinflusst.


Schwesternbande

Zwei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Ayoola ist das Lieblingskind, unglaublich schön — und sie hat die Angewohnheit, ihre Männer umzubringen. Korede ist eher praktisch veranlagt und dafür zuständig hinter ihrer Schwester aufzuräumen: die Krankenschwester kennt die besten Tricks, um Blut zu entfernen, und ihr Kofferraum ist groß genug für eine Leiche. Dann verknallt sich natürlich auch Tade, der hübsche Arzt aus dem Krankenhaus, in Ayoola, der doch eigentlich für Korede bestimmt ist. Jetzt muss die sich fragen, wie gefährlich ihr Schwester wirklich ist

Inhalt laut Verlag

Auf dem Cover steht Roman und das ist genau richtig gewählt. Manche könnten sich aufgrund des Titels und dem Klappentext allzu sehr in hoffnungsvoller Richtung eines Thrillers verleiten lassen und dabei ins straucheln kommen.

Die Autorin strauchelt allerdings kein Stück. Zielstrebig erzählt sie mittels Koredes Stimme die Geschichte um diese zwei Schwestern und katapultiert einen direkt in das Buch und einer eher unheilvollen Situation. Durch die Ich-Form sind die Einblicke in des Geschehen ungemein persönlich und Koredes Gedankengänge scheinen nüchtern genug, dass ich mich fragte „wie abgebrüht kann frau nur sein?“.
Die Frauen im Buch wirkten erstmal sehr seltsam auf mich, doch je tiefer ich in die Geschichte kam, um so mehr habe ich sie verstanden, was nicht heißen soll dass ich alle Handlungen billige.

Mein Herz hörte erst auf, in meiner Brust zu hämmern, als wir den Kofferraum zumachten.

Seite 19

Korede arbeitet in einem Krankenhaus und hält dort alles zusammen. Zielgerichtet, sehr sorgsam und immer den Schluderreien von Kolleginnen und Kollegen auf der Spur. Ihr Herz schlägt für die Arbeit und ein ganz großes Stück auch für den Arzt Tade. Der allerdings sieht Korede nicht, obwohl beide viel Zeit miteinander verbringen, sich unterhalten und deutliche Gemeinsamkeiten haben.
Wenn Korede sich einsam fühlt, der Kopf ob all der durch ihre Schwester Ayoola verursachten chaotischen Situationen zu platzen droht, nimmt sie sich eine Auszeit bei Muhtar, einem Komapatient. Ihm vertraut sie all das an, wann sie betrübt, beschäftigt und oft genug um den Verstand bringen will. Heimliche Situationen voller Intimität, eine Art Beichtstuhl, nur das eben Muhtar nicht zuhört (oder vielleicht doch?).

Das Buch liest sich flott, was mit Sicherheit auch an dem unkomplizierten Schreibstil liegt. Frei heraus „erzählt“ Korede und lässt einen dabei immer wieder teilnehmen an Alltäglichkeiten auf der Arbeit, aber auch zu Hause. Sie ist aus einem gut situierten Haus, das Hausmädchen unterstützt diese Frauengemeinschaft, bestehend aus Mutter und den zwei Töchtern und die Männer sind zwar deutlich Objekt der Begierde, spielen aber noch ganz andere Rollen.
Die Mutter legt Wert auf Traditionen und solche kommen auch immer wieder in der Geschichte vor. Besonders die Kleidung und Zubereitung diverser Speisen hat mich spüren lassen, dass es in einem anderen Land spielt und dies hat mir sehr gefallen. Manches musste ich recherchieren, was aber noch mehr den Reiz ausmachte. Gerne hätte ich in dem Bezug noch viel mehr über das Land erfahren, was aber hängen blieb war die Rolle der Frau und das Korede und ihre Schwester Ayoola sich dem alles andere als fügen.

Es regnet die Art von Regen, der Regenschirme zerstört und einen Regenmantel nutzlos macht.

Seite 153

So locker, flockig wie diese Geschichte anfänglich daher kommt, steckt da doch mehr dahinter. Mittels einzelner Kapitel blickt es sich immer mehr hinter die Kulissen, denn es gibt Wechsel in den Zeiten und dabei spielt so viel der Mann eine Rolle, der von den zwei Schwestern nie Vater genannt wurde. Stück für Stück, immer ein klein wenig verborgen, entpuppt sich die Wahrheit hinter allem. Alooya, diese junge bildhübsche Frau, deren Taten durch ganz tief versteckte Erlebnisse beeinflusst werden. Korede, als ältere Schwester mit ihrem Beschützerinstinkt und durchaus wissend, dass sie Verbrechen unterstützt, kann einfach nicht anders.

Zwischen die Zeilen hat die Autorin ein sehr ernsthaftes Thema geschrieben. Sie offenbart es nur durch kurze Einspieler, Erinnerungen von Korede über einst erlebtes und obwohl da gar nicht so viel steht, erliest sich Unmengen daraus. Auch hier ist die Rolle des Mannes, insbesondere durch die Kultur des Landes, deutlich dargestellt, ebenso wie die der Frau. Korede ist solch eine selbstbewusste Frau, die trotz oder gerade wegen ihrer Erfahrungen, nichts anderes tut als auf die kleine Schwester aufzupassen.

Er nahm uns nur selten in Augenschein, und wenn er es tat, endete es niemals gut.

Seite 184

Ich mochte das Buch und die Geschichte darinnen. Elemente wie aus Kriminalromanen, spannende Episoden, die durchaus an einen Thriller angelegt sind und für mich am wichtigsten, diese kleinen Hinweise, dessen Erkennen einem die Augen öffnen.

Rezension verfasst von © Kerstin


– Weitere Eindrücke –
Lesendes Federvieh
Nenaties Bücherwelt


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Buchdetails
Titel: Meine Schwester, die Serienmörderin
Buchreihe: Einzelband
Autorin: Oyinkan Braithwaite
Verlag: Blumenbar [Aufbau Verlag]
— Herzlichen Dank an den Verlag für das Rezensionsexemplar —

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6
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Ayasha
Gast

Hallo Kerstin,
Vielen Dank für deinen Eindruck zu diesem Buch. Ich habe gerade damit angefangen und bin jetzt noch gespannter, was da auf mich zukommt.
Herzliche Grüße aus Nürnberg
Ayasha

Nicole
Gast

Guten Morgen :)

Das Buch fällt mir immer wieder auf. Es fehlt der letzte Schubs um mein Interesse zu wecken, dabei klingt es ungewöhnlich und interessant.

Liebe Grüße,
Nicole

Jens
Gast
Jens

Bitte unbedingt den Roman „Wasserscheiden“ von Alfred DeMichele rezensieren! Das ultimative Buch zur Coronakrise und deren Folgen.