‚Lüge‘ | verfasst von Janna

Hier erwartet dich eine Geschichte, die ich anhand des Klappentextes eines (Hör)Buches verfasst habe.

Das Bookopoly-Spiel richtet meinen Fokus auf meinen RuB (ein SuB ist es schon lange nicht mehr) und soll mir bei meinem Abbau behilflich sein. Gar nicht, weil ich unglücklich mit meiner Anzahl an unbekannten Geschichten bin, sondern weil es einfach schade ist, das sie ungehört und ungelesen ihr Dasein in meinen Regalen fristen, ohne kennengelernt zu werden. Was dann auch gern zu großen Aussortier-Aktionen führt, weil mich der jeweilige Klappentext nicht mehr anspricht.

Zuletzt habe ich unter anderem das Feld „Hörbuch“ erwürfelt und mich für „Die Lüge“ von Mattias Edvardsson entschieden, allein weil unter anderem Anna Thalbach und Nellie Thalbach sprechen, war ich gespannt auf das Hörbuch! Ich liebe die Stimmen der Thalbach-Frauen! Ich habe auch Aktionskarten erwürfelt und eine davon für diese Geschichte gewählt, was wirklich eine kleine Herausforderung war, schließlich bin ich keine Autorin.

Ich bitte darum, weder den Text, noch Auszüge daraus zu kopieren!

! Aktionskarte !
Erzähl eine der erwürfelten Geschichten anhand des Klappentextes selbst

Zunächst wollte ich eine Kurzgeschichte verfassen, doch der Klappentext engte mich ein, ließ mit wenigen Worten keinen in sich stimmigen Plot zu. Ich überlegte hin und her, war fast bereit vor dieser Aufgabe zu katapultieren. 756 Worte sind es geworden. Keine Kunst, nur Sätze die versuchen eine Geschichte zu skizzieren. Mit einem Ende, welches in einer anderen Geschichte der Anfang sein könnte.

Verborgen hinter Lügen liegt eine Wahrheit, die nie ans Licht kommen sollte …
Lund, Schweden: eine ganz normale Familie. Adam ist Pfarrer, Ulrika Anwältin und Stella ihre rebellierende Tochter. Kurz nach ihrem 19. Geburtstag wird Stella als Mordverdächtige verhaftet. Ein Mann wurde erstochen aufgefunden. Doch woher hätte sie den undurchsichtigen und wesentlich älteren Geschäftsmann kennen sollen und vor allem, warum hätte sie ihn töten sollen? Adam und Ulrika müssen sich fragen, wie gut sie ihr eigenes Kind wirklich kennen – und wie weit sie gehen würden, um es zu schützen …

Klappentext © Random House Audio

‚Lüge‘
verfasst von Janna

Eltern sind dem Irrglauben erlegen ihre Kinder zu kennen. Ein Trugbild, gezeichnet aus Wünschen und Hoffnungen. Kinder entwurzeln sich. So wie in dieser Geschichte. Manche Eltern spüren die Veränderung, nicht immer wollen sie dies wahrhaben. Eltern sind gut darin, nur zu sehen, was sie sehen wollen. Und so sahen Ulrika und Adam nicht auf sich zukommen, was ihr bisheriges Leben zum Stillstand zwang.

Wie konnte das geschehen?
Stella, die der Welt so offen gegenübertritt und sich kaum aus dem Gleichgewicht bringen lässt.
Stella, eine neunzehnjährige junge Frau mit einem Mann über vierzig? Undenkbar. Für ihre Eltern, nicht für Stella. Das, was sie ihren Eltern von sich zeigte, war ein Abbild ihres Selbst. So wie Menschen grundlegend dazu neigen, sich nicht in ihrer Gänze zu enthüllen.

Nie hätten Ulrika und Adam einen Gedanken daran verschwendet, zu hinterfragen was Stella macht, wenn sie nicht zu Hause ist. Sie haben ihr immer vertraut, es gab nie einen Grund daran zu zweifeln. War dies ein Fehler? Oder war es der Freiraum, den ein Kind benötigt, um sich entfalten zu können?

Diese Fragen stellten sich nicht mehr, nachdem die Stille in ihr Zuhause gezogen war. Stella war fort. Sie kamen zu Zweit, sie kamen mit Handschellen, sie kamen mit einem Haftbefehl. Über Stellas Lippen glitt kein Wort, nur stummes Nicken. Ulrika glaubte die Angst in den Augen ihrer Tochter zu erkennen. Adam glaubte die errichtete Schutzmauer seiner Tochter regelrecht spüren zu können. Was wirklich in Stella vorging, konnten sie nicht einmal erahnen.

Sie wollten mitfahren, Stella begleiten. Sie wollten an ihrer Seiten sein. Doch sie bleiben im Türrahmen stehen, nicht fähig sich aus ihrer Starre zu lösen. Stella wollte sie nicht dabei haben, sie wollte ihre Eltern nicht in ihrer Nähe wissen. Sie blickte sich nicht noch einmal um, als sie zum Auto begleitet wurde.

Sie zweifelten nicht an der Unschuld ihrer Tochter, doch das Vertrauen begann bereits zu wanken. Warum wollte Stella sie nicht an ihrer Seite wissen? Weil sie schuldig war, weil es keine Möglichkeit gab sie zu schützen? Oder wollte sie stark sein für ihre Eltern, wollte sie alleine sein, da sie nichts zu befürchten hatte? Die Fragen blieben unbeantwortet im Raum. Stella kam an diesem Tag nicht zurück.

Die Nacht brach herein, doch der Schlaf kam nicht an ihre Haustür. Die Fragen erdrückten Ulrika und Adam, eine Unwissenheit auf mehreren Ebenen. Sie wussten nicht, ob es Stella gut ging. Sie wussten nicht, woher Stella den Mann hätte kennen sollen. Sie wussten nicht, wo ihre Tochter an dem Abend war, als der Mord geschah.

Das Familienbild begann unter ihren Tränen zu verlaufen. Je mehr Ulrika und Adam versuchten den Tag des Mordes Revue passieren zu lassen, je mehr Fragen entstanden. Als die letzte Träne trocknete, war vor ihnen das Nichts.  Stella war ein Abbild ihrer Vorstellungen. Sich dies einzugestehen, hinterließ in ihnen ein Schmerz, der nie wieder abklingen wird. Sie kannten ihre eigene Tochter nicht. Sie wussten nicht wie Stella ihre Tage füllte, mit wem sie ihre Zeit verbrachte. Am Morgen saßen sie noch mit ihr am Tisch, sprachen über so viele Dinge. Aber wann sprachen sie zuletzt mit Stella über ihre Zukunft, ihren Alltag? Wann fragten sie Stella das letzte Mal wie es ihr geht? Nicht wie es im Unterricht läuft, wie es mit den Bewerbungen vorangeht, sondern wie es in ihr aussieht?

Dann begann der Zweifel zu keimen. Doch unabhängig Stellas Unschuld oder Schuld, sie sind ihre Eltern. Ist es nicht ihre Aufgabe, ihr Kind zu schützen, zu unterstützen, da zu sein, so düster die Tage und Nächte auch sein mögen? Doch die unbeantworteten Fragen türmten sich, wurden zu einer Mauer zwischen Eltern und Kind. Ulrika und Adam mussten diese Mauer Stein für Stein abbauen, bevor sie unüberwindbar wurde. Grenzen überschreiten, egal was sie dahinter erwarten würde. Sie mussten gerüstet sein, um als Schutz agieren zu können.

Die Tür von Stellas Zimmer ist geschlossen, abgeschlossen. Sie schleichen umher, gehen den Flur auf und ab. Ein Knacken, dann Stille. Und plötzlich stehen sie im Raum, dem Mikrokosmos ihrer Tochter, der Ort, an dem sie die meiste Zeit verbringt, wenn sie Zuhause ist. Es war dunkel, auf dem Bett blinkte etwas. Stellas Handy. Während Adam versuchte in die Welt seiner Tochter zu blicken, wagte Ulrika sich kaum zu bewegen. Nie waren sie ungebeten hier.

Nun waren sie in die Gedanken ihrer Tochter geschlüpft. Geschriebene Worte auf Papier. Zeichnungen an der Wand. Sprachnachrichten im Handy. Gegenstände die für sie ohne Bedeutung waren. Berührt unter dem Kopfkissen. Für Stella bedeuteten sie alles.  

Eine Entscheidung wurde getroffen, leise, fast wortlos.

Ende

Natürlich habe ich den Titel auch gehört und eine Kurzmeinung dazu verfasst.

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LeseWelle
2 Tage her

Hallo Janna!
Ich wollte dir eigentlich nur sagen, wie toll ich deine Geschichte finde. Ich mag den Stil den du benutzt hast. Ich konnte es richtig mitfühlen, wie es für die Eltern sein muss, wenn man herausfindet, dass das Kind erwachsen wird und sich von einem entfernt. :)
Echt klasse! :D
:-*