3 Geschichten ~ 3 Eindrücke | Kia Kahawa – Jessica Bradley – Rahel Meister

Diesmal ist es ein fast gänzlicher #SPbuch-Beitrag, fast weil Rahel Meister via clue writing unabhängig veröffentlicht, aber auch im Großverlag zu finden ist! Alle Geschichten sind dafür durchgehend #WirLesenFrauen-Titel. Darunter das Debüt von Jessica Bradley und ein selbstproduziertes Hörbuch von Kia Kahawa – viel Spaß beim stöbern!

Weiblicher Genre-Mix


„Nachtfrost“ von
Jessica Bradley

Zukünftig:
Frost in der Nacht

Die dreizehnjährige Laura flieht vor ihrem gewalttätigen und alkoholkranken Vater. Ihr Ziel: ihre Oma in Italien. Doch so leicht, wie sie es sich vorstellt hat, ist das Unterfangen nicht. Sie schlittert von einer Katastrophe in die nächste. Bis sie auf eine Gruppe Obdachloser trifft, die ihr wohlgesonnen sind. Bis auf Juri. Als Laura dann noch auf sein Geheimnis stößt, überschlagen sich die Ereignisse.
Das sozialkritische Drama Nachtfrost ist eine Hommage an Hans Christian Andersens Märchen: Das Mädchen mit den Schwefelhölzern.

Klappentext

Die Geschichte an sich wird anders erzählt und lässt sich wundervoll auch bei den Jugendbüchern eingliedern. Der Titel, alter wie neuer, ist passend und das Cover gelungen darauf abgestimmt. Neugierig schlug ich die erste Seite auf.

Dort begegnete mir Laura. Allein mit ihrem Vater, der sich nicht mehr unter Kontrolle hat und unter Dauereinfluss von Alkohol steht. Die Mutter verstorben, die Großmutter unerreichbar – bis zu jenem Morgen, an dem Laura ihren ganzen Mut zusammen nimmt. Doch ihre Oma lebt in einem anderen Land, Laura ist minderjährig – so landet sie dort, wo viele dieser Jugendlichen landen, auf der Straße … bis zu jener frostigen Nacht.

Ich bin angetan und kritisch – nicht weil das Originalmärchen mitunter zu meinen Lieblingen gehört, sondern weil der Schmerz mehr hätte herausgearbeitet werden dürfen. Einige Szenen hätten in ihrer Beschreibung mehr Raum bekommen dürfen, um mich als Leserin näher an die Protagonist:innen heranzuführen. Sie blieben mir nicht fremd, aber die Novelle nahm mich dadurch nicht vollständig ein. Was Laura zu Hause erleiden musste, ihr Versuch sich einer Gruppe anzuschließen oder auch die Zeit bei jenen, die keine Obdach haben, ihr aber welche anbieten. Alles hätte etwas mehr Seiten kriegen können, um in der Gänze zu wirken.
Vielleicht lag es auch daran, das die Geschichte auch von 13-Jährigen wunderbar gelesen werden könnte und ich mich oft nicht gänzlich reinfinde in Zeilen die auch für jüngere Leser:innen verfasst werden? Ich kann es nicht genau benennen, möchte aber zukünftig ein weiteres Buch der Autorin lesen! Gerade bei einem Debüt sind Entwicklungsschritte in den Anfängen und ich somit gespannt, wie das nächste Buch auf mcih wirken wird.

Ich hätte mir mehr Inhalt zu den Triggern gewünscht und teilweise hatte ich die Befürchtung, dass sich alles ganz anders entwickeln würde. Nicht, weil die Geschichte schlecht sei, sondern sonst keine Adaption des Originals wäre. Dem Ende ist die Autorin jedoch in seinem Ausgang treu geblieben. Schmerzvoll und bittersüß!

Kurzmeinung verfasst von © Janna


„Nach Hause“ von
Rahel Meister

Zwei Brüder, die nach den Wirren des Infektionskrieges das Haus ihrer verstorbenen Eltern ein letztes Mal besuchen wollen, werden auf dem Weg dorthin von einem Einsiedler aufgegriffen…

Klappentext

Der Titel wartete schon länger auf mich und ich hatte den Klappentext gar nicht mehr im Hinterkopf, begann zu lesen und dachte „Oh nein, Virus.“. Doch dieser ist überhaupt nicht die Thematik der Geschichte, sondern nur eine Erklärung für die umher wandelnden Zombies. Aber auch diese stehen nicht im Fokus, denn der Mensch ist immer eine Spur brutaler …

Devin und sein Bruder Finn sind seit zwei Wochen in den Weiten des Nirgendwo unterwegs, denn das Leben ist in Zonen eingeteilt und außerhalb dieser Mauern sind kaum Menschen anzutreffen. Da kommt der Unfall mehr als ungelegen, denn die übersehende Tierfalle hat für die beiden Männer verheerende Folgen.

Der Mann der zu Hilfe eilt, bringt nicht die erhoffte Hilfe und die Brüder werden getrennt. Doch dies ist nicht das einzige was getrennt wird! Eine halloweenische Horror-Novelle, wobei Halloween nicht im Mittelpunkt steht und somit auch außerhalb des Oktobers gut gelesen werden kann. Nur die zartbesaiteten Leser:innen sollten mit Vorsicht an die Geschichte gehen, denn die Autorin fordert ihrem Protagonisten einiges ab. Mir hat die Geschichte unheimlich gut gefallen!

Wortkabinett

Formulierungen, die mir gefallen, aber nicht in den Kontext meiner Besprechung passen

Manchmal braucht es Schweigen, damit man miteinander reden kann.

(ebook) Seite 94

Warum kannte ich bislang noch nichts von der Autorin? Gerade dieses Genre ist Männer dominiert und ich möchte die Autorinnen bewusst und gezielt heraussuchen, somit eine Neuentdeckung für mich, bei der ich zu weiteren Geschichten greifen werde. Oder lauschen, denn auf die bei den Buchdetails verlinkte Homepage (clue writing), gibt es auch einiges für die Ohren. Mal schauen, welche Geschichte ich mir dort als nächste heraussuche!

Kurzmeinung verfasst von © Janna


„Hanover`s Blind“ von
Kia Kahawa

Der Studienabbrecher Adam ist auf der Suche danach, was andere haben: Einen gleichberechtigten Platz in der Gesellschaft. Er immigriert in seine Traumstadt Hannover, um endlich auf eigenen Beinen zu stehen. Doch die Möglichkeiten, sich als Behinderter ein eigenständiges Leben aufzubauen, sind beschränkt. Er verheimlicht seine Sehbehinderung, ohne zu erkennen, dass er sich damit selbst die größten Hürden baut. Sein Neuanfang lehrt Adam das Lieben, Tanzen und das Scheitern.

Klappentext

Adam kehrt nach Hannover zurück, in eine Stadt die nur als Erinnerung in seinem Kopf existiert. Von damals, als er noch klein war und mehr sehen konnte. Nun steht er am Hauptbahnhof und will sich kopfüber in das Abenteuer namens „Leben“ stürzen.

Die Geschichte erschien im September 2018 und ich habe die Hardcover-Ausgabe bereits im vergangenen Jahr rezensiert:

Dann startete die Autorin eine Crowfunding-Aktion, um ihre Geschichte auch Sehbehinderten und blinden Menschen zugänglich machen zu können. Ich habe versucht auf ihre Aktion aufmerksam zu machen und bekam als Dankeschön dafür, das Hörbuch. Ich war ganz sprachlos und freute mich wahnsinnig Adam nochmals durch Hannover begleiten zu dürfen.

An den Sprecher musste ich mich ehrlich gesagt etwas gewöhnen, leider war es mir persönlich zu nasal und manche Worte verschwanden ein wenig in seinem Mund. Dies ist jedoch reine Geschmackssache und als ich mich in die Geschichte fallen ließ, störte es mich mit der Zeit immer weniger und hauchte Adam immer mehr Leben ein.

Ansonsten bin ich von mir selbst überrascht, denn das, was mir beim Lesen fehlte, ist mir beim Hören nicht als Kritik begegnet. Ich habe einfach gelauscht und mich an den Begegnungen der für mich bekannten Protagonist:innen erfreut. Humorvoll und doch ernsthaft wird der Alltag mit einer Sehbehinderung skizziert. Eine (immer noch) wundervolle Geschichte!

Kurzmeinung verfasst von © Janna


| Anzeige – Buchdetails |

Print-Titel: „Nachtfrost
Buchreihe: Einzelband
Autorin: Jessica Bradley
Verlag: Books on Demand (BoD) | Selfpublishing
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ebook-Titel: „Nach Hause
Buchreihe: Kurzgeschichte aus dem erweiterten Universum (siehe Link bei Autorin)
Autorin: Rahel Meister
Verlag: Droemer Knaur
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(Hör)buch-Titel: „Hanover`s Blind“
Buchreihe: Einzelband
Autorin: Kia Kahawa
Sprecher: Micha Feuer
Verlag: selbst produziert, unterstützt von Niclas Thobaben

Welche Geschichte hat dein Interesse geweckt,
kennst du bereits eine oder mehrere?

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christin
2 Monate her

Nach Hause, hat mich angefixt, aber es ist ein ebook *schnief*
vllt schreibt sie ja noch mehr und bringt die dann als Print raus? :P

christin
Reply to  Janna
2 Monate her

Nein, ich kann mich auf ebooks nicht konzentrieren und verliere die Lust. Würde nur ungewollt dem Buch schaden ;)

Nenatie
2 Monate her

Hallo :)
wieder drei sehr interessant klingende Bücher! „Nach Hause“ werde ich mir aber auf jeden Fall zulegen!

LG