„Ich bin der Sturm“ | Michaela Kastel [1 Buch – 2 Meinungen]

— Rezensionsexemplar —
Die Bücher wurden uns vom Emons Verlag kostenlos zum Lesen und Rezensieren zur Verfügung gestellt. Unsere Rezension basiert ausschließlich auf unseren persönlichen Leseeindrücken und wird durch die Bereitstellung eines Buches nicht beeinflusst.


Auch wenn der Klappentext bereits schlimmes erahnen lässt, so fehlt uns zu Beginn der Geschichte eine Triggerwarnung, welche auf den Inhalt des Buches hinweist!

*KLICK MICH, um die Triggerhinweise zu lesen* sexueller Missbrauch, Zwangsprostitution, körperliche Misshandlung, detailliert beschriebene Gewalt und Folter, Gefangenschaft, Entführung

Madonna ist eine Namenlose, ein Geist. Ihre Zelle trägt die Nummer 13. Ohne jede Hoffnung muss sie Nacht für Nacht Unvorstellbares über sich ergehen lassen. Doch Madonna ist zäh. Und geduldig. Als ihr endlich die Flucht gelingt, begibt sie sich auf eine gnadenlose Odyssee, mit nur einem Ziel vor Augen: Rache. Überall jedoch lauert Gefahr, denn ihre Peiniger sind ihr bereits auf den Fersen. Irgendwann gibt es für sie nur noch eine Frage: Soll sie weiter fliehen oder sich ihren Dämonen stellen?

Inhalt laut Verlag

Wenn wir beide gemeinsam ein Buch zusammen lesen und uns beim Austausch schon fast überschlagen, dann hat es uns erreicht, die Geschichte, der Stil.
„Ich bin der Sturm“ ist für uns das dritte Buch der Autorin Michaela Kastel (*hier* kommst du zu unseren Rezensionen ihrer anderen Bücher) und in den folgenden Zeilen kannst du spoilerfrei unseren Leseeindrücken dazu folgen.

Da wir zu weit entfernt sind, um uns für einen Austausch persönlich zu treffen, stell dir einfach vor wir würden uns in einem Café treffen, weit hinten, an einem Tisch mit einem Sofa und zwei Sesseln. Gemütlich setzen wir uns hin, eine Hand an der warmen Tasse, auf dem Tisch das Buch, gerade mit der Unterhaltung beginnend:

Ich bin namenlos, ein Schatten, eine Vorstellung in den Köpfen anderer.

Seite 10

Janna: Wow! Ich habe die ersten 34 Seiten gelesen und bin absolut gefangen. Ehrlich, wenn die Geschichte weiterhin diesen Sog auf mich ausübt, wird es ein Buch sein, das mich seit langem nicht mehr so gefesselt hat. Ich bin den Worten der Autorin verfallen, hoffe sehr das es sich auch auf den kommenden Seiten nicht ändert, dann wird „Ich bin der Sturm“ das für mich beste Buch aus ihrer Feder. Die Metaphern sind grandios, ließen mich jedoch kurz zweifeln, ob auch das Genre Fantasy hier einfließt. Ich weiß es noch nicht, aber mir würde die Geschichte als Metapher so viel mehr zu sagen! Es sind ja noch einige Seiten, die ersten Schritte von ihr gerade erst auf den Boden gesetzt. Ich liebe es, wenn ich als Leserin direkt im Geschehen bin, der Beginn ist gut gewählt und was auf den ersten Seiten erfolgt so tief gehend.

Kerstin: Himmel, was haben mich diese ersten Seiten beeindruckt. Es ist eine Kunst etwas auf diese Art zu beschreiben, dass es einem sofort klar ist, um was es geht und dabei eine subtile Substanz zu schaffen, auf der all die Grausamkeiten lagern. Sätze und Worte, manchmal fast zärtlich schon, die aber gekonnt umschreiben und zwischen den Zeilen ganz laut am Schreien und toben sind. Mehr, ich will mehr davon! Auch wenn ich mich ein stückweit davor fürchte. Diese bildhaften Darstellungen erzeugen ganz viel Kopfkino bei mir, es fehlte nur noch die Musik im Hintergrund.

Janna: Absolut, Kopfkino ist sofort an und ich bin auch gefangen in der Art, wie Michaela diese Geschichte erzählt. Fast zärtlich mit intensiver Brutalität, Metaphern die gelungen die Gewalt skizzieren! Auch die Handlungen von ihr – Madonna, die Reine, namenlos ohne Erinnerung – sind so nachvollziehbar, auch wenn sie schmerzen. Ihr Blick auf sich selbst, der Weg den sie beschreitet. So viel Dunkelheit die ihr begegnet und dann dieser Lichtschimmer. Wobei ich den Akt auf Seite 74 nicht ganz greifen kann, glaube aber auch nicht, das dies einen weiteren Weg gehen wird. Ich weiß die Szene für mich zu greifen, aber dennoch nicht ganz einzuordnen. Ebenso der Abschnitt auf den Seiten 43 und 44, ich dachte, ich wüsste was mir der Einblick gewährt, aber ich kann es nicht greifen. Eine Erinnerung?

Kerstin: Die Abschnitte bis Seite 101 sind sehr stark von Erinnerungen geprägt, hat das kursiv Geschriebene auch damit zu tun? Empfinde dies als sehr spannend, denn da ist dieses scheinbar rundherum positive und doch kratzt da etwas an den sehr kurzen Abschnitten. Dagegen sind Madonnas (was für ein genial gewählter Name) Erzählungen nach wie vor sehr interessant, wie auch furchtbar grausam. Das sie kaum mehr Vertrauen in irgendeinen Menschen und diese Alpträume hat, ist fast eine Randerscheinung aber immer sehr präsent. Ich liebe die kurzen Kapitel, diese knappe Sprache, das Nichtansprechen und doch Aussagen von vergangenen Situationen. Ganz viel frage ich mich wohin ihre Reise führt und was sie dafür bereit ist zu tun. Einen Teil erfährt man ja schon und seltsamerweise verurteile ich sie dafür nicht. Eine Antagonistin mit Flügeln, definitiv aber kein Engel, da passt das Cover sowas von zu. Diese Frau wurde zu dem gemacht, was sie ist und ich denke das ihre Rache noch viel grausamer werden wird. Irgendwie freue ich mich darauf, dieses Buch ist wie ein Rauschmittel und ich bin dem komplett verfallen.

Janna: Ist sie das, eine Antagonistin? Natürlich ist der Sturm, der nun hereinbricht nicht jemandem liebevollem zuzuschreiben, aber sie tut es nicht aus eigenem Antrieb, nicht wirklich. Sie ist gebrochen, wurde gebrochen und handelt dementsprechend. Kann dir bezüglich des Covers aber nur zustimmen! Es verbildlicht sie und ihren Weg sehr gut.
Es wird immer deutlicher was sich hinter den kursiven Abschnitten verbirgt und mir graut es vor dem Moment der Erkennung. Die Autorin hat wirklich ein Rauschmittel in Buchform geschaffen, wobei ich gestehen muss, dass mir die jetzigen Abschnitte zwar gefallen, die Metaphern jedoch leider in den Hintergrund rücken, die für mich einen Teil der Intensität ausmachen. Gezielt benannt, aber umschrieben in einer einnehmenden Bildgewalt! Auf Seite 177 habe ich mir wörtlich „Holy Nein!“ notiert und frage mich nun nach Seite 183 wie es weitergehen wird, denn da kommen noch einige Kapitel.
Und dahingehenden, der Kürze der Kapitel, kann ich dir nur zustimmen, dadurch ist es noch schwerer, das Buch mal beiseite zulegen.

[…] das verlockende Dunkel, das dich anzieht, obwohl du um jeden Preis davor flüchten willst.

Seite 209 – 210

Kerstin: Dein „Holy Nein!“ kann ich so nachvollziehen und nein, sie ist nicht wirklich eine Antagonistin, eher ein Racheengel.
Es sind so viele Sätze in diesem Buch, die als Zitat solo nur einen Bruchteil dessen aussagen, was gemeint ist. Aber in eben dem Wissen (als Leser:in) um was es geht, empfinde ich es weiterhin als sehr wortgewaltig. Hier und da wird es deutlicher, meist in den Dialogen, was mich jedoch nicht stört. Durch die Ich-Form erlesen sich ja überwiegend nur Madonnas Gedankenwelten und ihre Emotionen, da ist mir mal ein anderer „Ton“ willkommen, wobei es die Gestalten natürlich nicht sind. Hast du auch diese Bilder im Kopf? Die Hörner? Ich kann das kaum ablegen und denke, dass dieses Buch ganz lange in meinen Gedanken verweilen wird. Die Thematik ist heftig, die Umsetzung empfinde ich bisher aber so einzigartig wie genial. Frage mich, ob die Autorin dahin recherchiert hat und wie? Harter Tobak weiterhin!

Janna: Ich liebe die Metaphern, habe auch mitunter Bilder im Kopf, aber ich glaube nicht mit solch einer Intensität wie du, da ich mich auch mehr mit solchen Geschichten befasse in Buch- und Filmform. Aber genau diese einzigartige Beschreibung ist es eben, die mich gefangen nimmt und im Verlauf leider nachlässt, nur noch am Rande erscheint.
Mir sagt es dafür sehr zu, was ab Seite 150 geschieht. Wie oft geschehen in Büchern plötzlich Ereignisse die nicht nachvollziehbar und gerade in diesem Genre auch oft unrealistisch sind. Die Autorin hat es geschafft dem zu entgehen und mich als Leserin damit absolut abgeholt.
Was mich jedoch mehr berührt, als ich es angenommen hatte, ist diese Beziehung zwischen ihr und ihm, die Art wie sie miteinander umgehen! Ich denke dies verrät nicht zu viel, da ihr Weg sich aus der Dunkelheit ja recht früh abzeichnet. Ich musste es einfach erwähnen, weil das zwischen ihnen so tief geht.

Nur die Gefühle sind noch da.

Seite 184

Kerstin: Mit ihm hat die Autorin etwas von dieser Einsamkeit aus der Geschichte geholt und ja, auch mich hat dieses Miteinander sehr berührt. Das Aufbauen des Vertrauens, auch gegenseitig, hat etwas von der Schärfe im Buch genommen, ist aber keine romantisierte Liebesgeschichte, sondern wirkt grundehrlich.
Es bleibt weiterhin spannend, allerdings ist der Stil etwas anders geworden. Vielleicht liegt es daran, das Madonna nun eben nicht mehr alleine unterwegs ist.
Auch wird es detaillierter in den Erinnerungen, wobei ich diese kursiv geschriebenen Elemente immer noch im Hinterkopf habe.
Mich unterhält dieses Buch auf eine ganz besondere Art und Weise und weiterhin fühle ich mich an und in dieses Buch gezogen.

Janna: Das war etwas, das ich kurz befürchtet hatte, eine romantische Liebesbeziehung. Es hätte absolut nicht in die Geschichte hineingepasst. Was die Autorin daraus gemacht hat, ist wundervoll und mich dahingehend einzunehmen ist nicht leicht. Es zeugt nicht von Überraschungen, aber geht tief und das ist es, womit sie mich hatte! Dies war jedoch ein Grund, warum ich mich am liebsten etwas vor dem Ende gedrückt hätte und dann geschieht was geschieht! Eine Liebe die nie eine war und ein Schmerz, der zerreißt.

Ich erzähle meine Geschichte. Sie beginnt mit Liebe und endet mit Blut.

Seite 151

Kerstin: DAS habe ich nicht erwartet, kein Stück und doch war es gleichzeitig keine Überraschung. Dafür hat es zu sehr auf genau dieses Ende hingearbeitet.
Perfekt inszeniert, Beschreibungen zwischen den Zeilen, Worte und Sätze die beim Lesen schmerzen und doch immer dieser eine Funke Hoffnung, dass es irgendwann oder irgendwo so etwas wie Normalität geben könnte.
Für mich ein besonderes und außergewöhnliches Buch, solch eines das sticht und pieckst, einen wild durcheinander rüttelt und komplett auf den Kopf stellt.
Kein Buch für alle Leser_innen, da bin ich mir ganz sicher. Hier habe ich ein Buch beendet, bei dem ich hinterher noch einige Zeit sitzen bleiben musste. Das Buch vor mir liegend habe ich regelrecht darauf starren müssen und dieser eine Satz ist mir ständig im Kopf herumgegeistert. Mich hat es schwer beeindruckt und ist in der Riege, aller drei bisherigen Bücher der Autorin, für mich das gnadenloseste und beste!

Janna: Da kann ich dir nur zustimmen, für mich auch das bislang beste Buch der Autorin! Ich hatte befürchtet einem nicht zufriedenstellendem Ende zu begegnen, denn gänzlich vorhersehbar war dies nicht für mich, meist nimmt es die genau entgegengesetzte Richtung ein und ich bin froh, das Michaela Kastel dies nicht getan hat. So ist die Geschichte rundum stimmig für mich! Die Brutalität hat sie in Worte gekleidet, die mich besonders im ewigen Winter direkt packte, schade das sich diese Metaphern später etwas verlieren, zeigt aber auch gelungen die Veränderung im Leben der Protagonistin. Ich denke, wir sind uns einig, dass der Sturm uns in sich hineingesogen hat!

Rezension verfasst von © Kerstin & Janna (KeJa)

Wirst du dich in den Sturm wagen?

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Titel: Ich bin der Sturm
Buchreihe: Einzelband
Autorin: Michaela Kastel
Verlag: Emons

– Weitere Eindrücke –
Schattenwege
Tii & Ana’s kleine Bücherwelt
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LeseWelle
29 Tage her

Ihr macht einen ja schon sehr neugierig auf die Geschichte mit eurem Gespräch. :D
Gerade die Erwähnungen der Seitenzahlen, da schreie ich innerlich: „was passiert da denn?“
Ach, da bleibt mir wohl nichts anderes übrig als das Buch zu lesen. ;)
Liebe Grüße

Janna
Reply to  LeseWelle
28 Tage her

Ooohhh das freut uns leider ungemein, hehe. Es ist wirklich eine fesselnde und einnehmende Geschichte, das Lesen lohnt sich und bin dann schon mal gespannt auf deine Eindrücke dazu!

Mukkelige Grüße (=

Anja aka Ana
Anja aka Ana
1 Monat her

Meine Lieben,

was für eine großartige Rezension!
Und Ihr wisst ja schon, dass ich genauso begeistert bin von dem Buch. Ich finde es unglaublich, was uns Michaela Kastel hier bietet.

Ich habe mir übrigens gerade noch C‘est la fucking vie von ihr gekauft. Das Buch ist an mir vorbei gezogen..

GLG
Anja

Janna
Reply to  Anja aka Ana
1 Monat her

Hab liebsten Dank für dein Lob *-*

Wir sind da sehr ähnlicher Meinung, hihi

Die Veröffentlichung von „C‘est la fucking vie“ habe ich mitbekommen, aber die Geschichte reizt mich nicht, zumal es ein Jugendbuch ist, da greife ich selten bis nie zu. Hoffe, es kann dich begeistern (=

Mukkelige Grüße!