(Hör)Buch trifft Film | Yrsa Sigurdardóttir – Jack Ketchum – Stephen King

Eine Geschichte – zwei Formate

Ich bin meist nicht angetan von der filmischen Umsetzung verschiedener (Hör)Bücher und doch kann ich nicht widerstehen, diese zu schauen. Ich bin einfach zu neugierig, wie der Inhalt gekürzt und umgesetzt wurde!


„Geisterfjord“ von Yrsa Sigurdardóttir

Verfilmung: „I remember you“ (deutsch)

Drei junge Leute aus Reykjavík planen, ein heruntergekommenes Haus in einem verlassenen Dorf in den Westfjorden Islands wieder aufzubauen; sie ahnen nicht, welche gewaltigen Ereignisse sie damit in Gang setzen. In einer Kleinstadt am anderen Ende des Fjords ermittelt zur selben Zeit Polizistin Dagný gemeinsam mit dem Psychologen Freyr in einer Reihe von unnatürlichen Todesfällen. Welche Geheimnisse bergen die staubigen Polizeiakten aus dem vorigen Jahrhundert? Und warum hat Freyr auf einmal das Gefühl, dass sein verschollener Sohn noch am Leben sein könnte? Erst als die Verbindung zwischen diesen rätselhaften Geschehnissen sichtbar wird, enthüllt sich die grausige Wahrheit.

Klappentext

Zwei Erzählperspektiven, eine einnehmende Atmosphäre und ein fesselnder Schreibstil haben mich in diese Geschichte hineingezogen! Von der Autorin kenne ich bislang nur die Children`s House – Reihe, die ebenfalls im Thriller Genre zu finden und doch nicht mit diesem (Hör)Buch zu vergleichen ist. Während die Reihe sich mit Morden und dessen Aufklärung befasst, geht es in „Geisterfjord“ eher mystisch zu. Es wird ebenfalls ermittelt, jedoch entsteht dabei eine ganz andere Atmosphäre, denn die Toten scheinen selbst für Gerechtigkeit sorgen zu wollen.

Gardar, seine Frau Katrín und ihre gemeinsame Freundin Líf wollen ein Haus auf einer zu dieser Jahreszeit verlassenen Insel renovieren. Es dauert nicht lange und es geschehen unheimliche Dinge um sie herum, doch eine Flucht ist nicht möglich – weder von der Insel, noch voneinander.
Zeitgleich beginnt Psychologe Dr. Freyr mit Ermittlungen, die einen alten Fall zutage fördern, welcher in Zusammenhang mit seinem vor drei Jahren verstorbenen Sohn zu stehen scheint.

Ich mochte die Szenen auf der Insel weitaus lieber, denn die dort immer dichter werdende Atmosphäre nahm mich völlig für sich ein. Das Setting ist natürlich dafür geschaffen, um unheimliche Ereignisse zu skizzieren, doch auch die Konstellation selbst hat seinen Reiz. Freyrs Ermittlungen haben mich erst viel später einnehmen können und gerade die Überscheidungen der Perspektiven fand ich gelungen, denn dies geschah direkt auf zwei Ebenen. Natürlich ist zu Beginn klar, dass die zunächst voneinander unabhängigen Geschichten irgendwann miteinander verwoben werden, doch die Autorin lässt sich Zeit damit und erschafft somit einen gelungenen Spannungsbogen. Das die Geschichte zum Teil auf Tatsachen basiert, trägt nochmals zu einem einnehmenden Sog bei!

Der Film beginnt mit sehr atmosphärischen Bildern und einer all umgreifenden Panik. Die Atmosphäre wird durch die Szenen auf der Insel gehalten und auch Freyrs Perspektive skizziert gut seinen Schmerz. Natürlich ist der Film bei weitem nicht so gut wie das (Hör)Buch und es fällt mir schwer zu sagen, wie ich die Geschichte ohne die Vorlage finden würde. Die Atmosphäre bleibt im Verlauf des Films leider etwas auf der strecke und bestimmte Ereignisse sind verändert oder gar nicht vorhanden, was schade ist, da es eben jene sind, die mich so fesselten beim Hörbuch. Alleinstehend eine gute Wahl für einen Filmabend, im Vergleich leider etwas enttäuschend.

Das Ende hat mich nicht ganz überzeugt, aber die Geschichte selbst nahm mich für sich ein! Es sollten beide Formate nicht zu dicht nacheinander verschlungen werden, ich zu mindestens verfiel dem „dies war anders“, „jenes fehlt“. Ich denke, demnächst wird ein weiteres Buch von Yrsa Sigurdardóttir bei mir einziehen! Ich mag es wie sie ihren Protagonist:innen Raum zur Entwicklung gibt, ihren Stil Geschichten zu erzählen, Spannung in kleinen Schritten aufzubauen.

#WirLesenFrauen-Kurzmeinung verfasst von © Janna


„Evil“ von Jack Ketchum

Verfilmungen: „An American Crime“ & „Evil“ (beide deutsch)

Jack Ketchums beunruhigender, grenzüberschreitender Horrorthriller gilt unter Experten als eines der großen Meisterwerke des Genres. Die Geschichte eines Jungen, der inmitten einer amerikanischen Vorstadtidylle mit unvorstellbaren Grausamkeiten konfrontiert wird, steigt tief hinab in die Abgründe der menschlichen Psyche.

Klappentext

| Triggerwarnung |
Missbrauch und Misshandlung: Die Geschichte beschreibt explizit physische und psychische Gewalt!

Dieses Buch wartete schon länger in einem meiner Regale auf mich und bislang konnte ich es umgehen, mehr zum Inhalt zu erfahren, als die Verlagsseite und die wenige Information auf dem Buchrücken preisgeben. Dann griff ich endlich zu diesem Titel und habe nach ungefähr 100 Seiten festgestellt, dass ich eine der zwei Verfilmungen bereits kenne. Eigentlich stört mich so etwas und ich greife nie zu einem Buch, dessen Verfilmung ich bereits kenne, weil mich das Print dann einfach nicht mehr reizt. Ich kenne die Geschichte, ich kenne den Ausgang. Doch bei „Evil“ war es anders, denn allein schon Ketchmus Art die Geschichte zu erzählen, zog mich absolut in seinen Bann!

Sie weiß, dass Schmerz mehr ist als die alarmierende Reaktion des Körpers auf eine Verletzung.

Seite 21

Der Schmerz dieser Geschichte ist allumfassend, physisch und psychisch. Es ist nicht der Phantasie des Autors entsprungen, sondern basiert auf wahren Ereignissen. Gerade dieses Wissen lässt eine Intensität beim Lesen entstehen, die nicht jede:r Leser:in ertragen kann. Unabhängig vom Inhalt hat mich Jack Ketchums Erzählstil gefangen genommen. Im ersten Kapitel lässt sich erahnen, das die kommenden Seiten nicht leicht zu ertragen sein werden, ohne eine Ahnung zu haben, was dort lauert.

Ein heißer Sommer in den 50er Jahren. Die Kinder am Bach verteilt, auf Krebsfang. Ein Junge und ein Mädchen lernen sich kennen. Es hätte die erste zarte Liebe sein können, doch es wurde der dunkelste Sommer ihres Lebens. Bereits beim Kennenlernen von David und Meg ist nach einer kurzen Unterhaltung klar, das die kommenden Ereignisse keine sommerlich fröhliche Geschichte erzählen werden.

David ist heute ein erwachsener Mann, er erzählt die Geschichte von Meg und Susan, von Ruth und ihren Söhnen und von sich selbst. Er geht zurück zu dem Sommer, der sein Leben für immer veränderte. Aus der Ich-Perspektive heraus erzählt er als zehnjähriger was er miterlebte, beobachtete, dachte. Es ist erschreckend wie beiläufig die Atmosphäre sich veränderte! War er in einem Moment einzig damit beschäftigt, was er zu dem neuen Mädchen in der Nachbarschaft sagen kann, war er im nächsten Moment in Ruths Wohnzimmer, dann im Keller. Er war ein Zuschauer. Und doch war er mehr, erfreute sich an diesem Gefühl, das in ihm entstand. Und ich ertrug es kaum zu lesen, was sich in ihm veränderte, wie er über Meg dachte. Zeitgleich ich war überwältigt von Meg, ihrer Stärke, die zu schmerzvoller Resignation wurde.

Der Autor schildert detailliert was dort in Ruths Haus geschieht, wie schreckliche Phantasien zur grausamen Realität werden. Wie niemand etwas wahrnimmt oder eingreift. Wie das Innerste eines Menschen nach Außen gekehrt wird.
Diese Geschichte ist brutal, schmerzvoll, erschütternd. Es lassen sich kaum Worte für das finden, was darin beschrieben wird.

Evil
(ab 18 J.)

„An American Crime“ habe ich vor Jahren geschaut und dieser Film hat mich berührt, gefesselt, eingenommen – eine schreckliche Geschichte die in Amerika so wahrhaftig geschah! Die Schauspieler:innen haben mehr als gute Arbeit geleistet und machen das Schauen mit dem Hintergrundwissen fast unerträglich. Es macht etwas mit mir, wenn ich Bücher lese und Filme schaue, die auf Tatsachen basieren.
So ist es auch mit der gleichnamigen Verfilmung „Evil“, wobei mir bei diesem jedoch weitaus mehr fehlt, von dem was transportiert und erzählt werden will! Ich meckere gerne, dass Verfilmungen sich gerne stark von den Büchern unterscheiden. Bei diesem Film stehen beide Ausgaben eng beieinander, wodurch im Film vieles verloren geht. Gefühlt wird alles zu schnell erzählt. Die Synchron-Stimmen empfand ich unpassend, die Emotionen der Schauspieler:innen nicht gänzlich überzeugend. Der Film hat sich gezwungen angefühlt, als ob das Schrecklichste aus Ketchums Buch unbedingt hinein muss … der Film ist leider einfach schlecht!
Wenn du solche Filme öfter schaust und überlegst diesen zu schauen, dann entscheide dich für „An American Crime“. Dort erhält die Geschichte mehr Raum um zu wirken und die Grausamkeiten werden intensiv und sehr emotional gespielt!

Zu welchem Format auch gegriffen wird, es sollte klar sein das es sich hier zum einen um keine fiktive Geschichte handelt und zum anderen alle drei Umsetzungen triggern könnten und klar die Geschehnisse skizzieren. Eine Geschichte die nachhallt und besonders durch Ketchums Art diese zu erzählen, absolut einnehmend ist!

(#bookopolys) Kurzmeinung verfasst von © Janna


„Brennen muss Salem“ von Stephen King

Verfilmungen: „Salem’s Lot – Brennen muss Salem“ & „Brennen muss Salem“

Ben Mears, ein mittelmäßiger Schriftsteller, kehrt nach Jahren in seine Heimatstadt Salem’s Lot zurück. Er interessiert sich auffällig für das Marsten-Haus, das als Spukhaus gilt und seit dem rätselhaften Tod seiner Bewohner im Jahr 1939 leer steht. Von diesem Haus geht eine unheimliche Kraft aus, und bald zeigt sich, wer in Salem’s Lot sein Unwesen treibt: ein Vampir. Ben Mears wagt es mit einigen Helfern, darunter ein alter Mann, eine junge Frau und ein Kind, den Kampf gegen die Macht des Bösen aufzunehmen. Doch dieses Wagnis kostet furchtbare Opfer …

Klappentext

Stephen King für die Ohren, aber ohne David Nathan! Ja huch, denn eigentlich ist es doch Nathan, der bekannt ist für Kings Bücher im Hörformat. Bei „Brennen muss Salem“ handelt es sich jedoch um ein älteres Buch des Autors und da gab es wohl noch einen anderen Sprecher – Jürgen Kluckert, ebenfalls ein Hörgenuss für mich!

In Salem`s Lot steht ein Haus. Dunkel, alt, unbewohnt. Sobald jedoch jemand dort lebt verschwinden Kinder – vor Jahren geschehen und nun beginnt es wieder. Ein Ort in dem kaum Menschen sterben und wenn, dann eines natürlichen Todes, vermerkt eine steigende Anzahl an Toten. Doch dies bleibt nicht für lange, denn die Toten kehren zurück und sie sind hungrig!

Zombies wandeln immer umher, Vampire schlafen zu mindestens tagsüber. Doch innerhalb dieser Geschichte ist es für Ben und die anderen Menschen in der Stadt kein leichtes an den Vampir heranzukommen, der all die Ereignisse in Gang gesetzt hat. Zumal es dauert, bis allen klar ist, wer dort in ihre Stadt gekommen ist …

In gewohnter King-Manier gibt es verschiedene Perspektiven und zunächst ein Kennenlernen mit den Protagonist:innen, bevor die schrecklichen Ereignisse beginnen, doch das ist es was ich bei Kings Geschichten liebe und der Grund warum ich bei ihm zu Hörbüchern statt Prints greife.

Salem`s Lot
Brennen muss Salem

Da ich kein großer Fan von älteren Filmen bin, habe ich mich für die Neuverfilmung entschieden. Zu Beginn ein Wechsel verschiedener Szenen, einem kleinen Kennenlernen der Protagonist:innen und der Erzählung von Ben Mears. Und im Hintergrund läuft „Stand By Me“ von Ben E. King – völlig uninteressant, aber ich liebe den Song!
King-Filme gibt es einige – grandiose wie „Shining“ (mit Jack Nicholson und nur der!), aber auch unsagbar schlechte wie „Thinner – Der Fluch“.
Der Film weicht vom (Hör)Buch stark ab, was ich schade finde und selbst das Ende ist ein gänzlich anderes. Aber das ist ja allgemein bekannt, die Vergleiche sollten gelassen werden – ich kann sie mir jedoch nicht verkneifen. Ein paar bekannte Gesichter, doch dies alleine hilft nicht, damit mir ein Film gefällt. Die Musikauswahl ist fein, doch ansonsten überzeugte mich das alles eher weniger. Besonders schade, da die Filmlänge einiges hätte einfangen können.

Hier sollte ganz klar zum Buch oder Hörbuch gegriffen werden! Gerade Stephen King schreibt keine kurzen Romane, da geht innerhalb eines Films einfach zu viel verloren!

Kurzmeinung verfasst von © Janna


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Film – & (Hör)Buchdetails

Titel: „Geisterfjord
Buchreihe: Einzelband
Autorin: Yrsa Sigurdardóttir | Sprecher: Daniel Drewes
Verlag: Argon | Print: Fischer
Film: „I remember you“
Hauptrollen: Jóhannes Haukur Jóhannesson, Thor Kristjansson, Ágústa Eva Erlendsdóttir, Anna Gunndís Guðmundsdóttir
Weitere Informationen zum Inhalt und Cast findest du *hier* (Moviepilot)
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Titel: „Evil
Buchreihe: Einzelband
Autor: Jack Ketchum
Verlag: Heyne Hardcore
Film: „Evil“
Hauptrollen u.a.: Blythe Auffarth, Daniel Manche, Blanche Baker
Weitere Informationen zum Inhalt und Cast findest du *hier* (Moviepilot)
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Titel: „Brennen muss Salem
Buchreihe: Einzelband
Autor: Stephen King | Sprecher: Jürgen Kluckert
Verlag: Lübbe Audio | Print: Heyne
Film: „Salem`s Lot – Brennen muss Salem“
Hauptrollen u.a.: Rob Lowe, Andre Braugher, Donald Sutherland, Samantha Mathis
Weitere Informationen zum Inhalt und Cast findest du *hier* (Moviepilot)

Wie stehst du zu Buchverfilmungen?

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LeseWelle
9 Monate her

Hallo Janna! Ich bin auch immer sehr kritisch wenn es um Buchverfilmungen geht und ich vergleich auch sehr viel. Aber ich denke, dass muss sich ein Film gefallen lassen, der nach einem Buch gedreht wurde. ;) Bei Brennen muss Salem bin ich etwas neidisch, dass du die Neuverfilmung gefunden hast, als ich danach gesucht hatte, konnte ich nur den Originalfilm finden. Aber der war auch nicht wirklich gut. Also nichts verpasst. :D Evil habe ich weder das Buch noch den Film gesehen, das gleiche gilt für Geisterfjord. Allerdings steht das Buch auf meiner WuLi, weil ich Yrsa Sigurdardóttir sehr gerne… Read more »

Buchperlenblog
9 Monate her

Huhu liebe Janna! ♥ Immer wieder ein heikles Thema, die Buchverfilmungen :D Ich bin da auch so, dass ich dann zusehends genervt bin, wenn zu vieles vom (geliebten) Original abweicht – warum? Man hat doch alles da, jede Szene, jedes Gefühl, braucht man doch bloß noch verfilmen. (Ein leidiges Thema ist da zB auch Kings Dunkler Turm, was ist so schwer daran, die 8 Bücher zu verfilmen, he?) Generell finde ich King-Verfilmungen immer ein wenig schwierig. Shining fand ich auch toll, bis ich dann letztes Jahr das Original endlich gelesen hab und OH MEIN GOTT es ist ganz anders und… Read more »

Buchperlenblog
Reply to  Janna
9 Monate her

Hallöchen nochmal :D
Ohja, Shining MUSSt du lesen, es ist wirkloich unglaublich gut gewesen. Die Verfilmung von Raum möchte ich auch noch sehen, die war mal bei Amazon drin, dann wollt ich erst das Buch lesen und als ich es tat, war der Film raus. :D

PS: Das tät mich wirklich freuen! Da ich an allen 4 Tagen da bin, finden wir ganz bestimmt ein paar Minuten zusammen ♥