„Heimweh nach einer anderen Welt“ | Ottessa Moshfegh

Das Buch wurde mir vom Verlag kostenlos zum Lesen und Rezensieren zur Verfügung gestellt. Meine Rezension basiert ausschließlich auf meinen persönlichen Leseeindrücken und wird durch eine Bereitstellung des Buches nicht beeinflusst.


Außer(gewöhnliche)Irdische

Storys wie Nadelstiche, die tief unter die Haut gehen. In ihren preisgekrönten Erzählungen schafft Ottessa Moshfegh ein groteskes Panorama menschlicher Bos- und Dummheit. Ein gewaltiges Vergnügen – bis man merkt, wie nah das alles an der Realität ist, und einem das Lachen im Hals stecken bleibt.

Laut Verlag

Bereits im Spätjahr 2018 hatte mich die Autorin Ottessa Moshfegh mit „Eileen“ komplett in ihren literarischen Bann gezogen. Wenn mich ein schreibender Mensch einmal so erwischt hat, dann lese ich mit aller größter Gewissheit auch weitere Bücher aus dessen Feder. So war „Heimweh nach einer anderen Welt“ vielmehr als nur ein Lesen wollen!

14 Storys auf 336 Seiten über Menschen und deren Leben, Gewohnheiten und überraschenden Ungewöhnlichkeiten. Letzteres kommt erst nach und nach zum Vorschein und offenbart dass eben dieses „Heimweh“ gänzlich etwas anderes ist, als zuerst vermutet.

Das Cover sagt schon ein bisschen was aus.
Nein, es geht nicht um fliegende Untertassen und es wird auch niemand von Aliens entführt und doch spiegelt es genau dies, jenes Anderssein der Charaktere im Buch.
Die Autorin pfeift auf die Norm und lässt ganz tief blicken, in Leben, Handlungen und Wunschdenken.

Dabei gibt es immer Gemeinsamkeiten, auch wenn alles keinen Sinn ergibt.

Seite 247

So schön das Buch auch von außen ausschaut, es ist schmutzig! Nicht im Sinne von vulgär oder gar beleidigend, sondern von Grund auf ehrlich, derb, rau und ungeschönt. Die Storys beinhalten all die tief verborgenen Ur-Wünsche der einzelnen Charaktere und kaum einer davon würden sie laut aussprechen.
Dabei woll(t)en sie gar nichts böses und tun es auch nicht. Sie lassen sich kurzzeitig gehen und erfahren darüber die Wucht der Erfahrung, dass es genau diesen Wunsch überhaupt gab.

Ottessa Moshfegh hat es einfach drauf. Sie erzählt so auf den Punkt, benötigt keinerlei ausschmückendes Werk und bringt selbst die Situationen hervor, von denen man gar nichts wissen will. Es riecht nicht nur, es stinkt.
Ungehemmt und vollkommen tabulos schildert sich manche der Shortstorys durch eine Person in der Ichform. Persönliches kommt zu Tage und unpersönliches versteckt sich zwischen den Zeilen. Das Buch ist voller unsympathischer Gestalten, teils verroht, heruntergekommen, einsam und egoistisch. Dabei suchen sie alle nach der einen bestimmten Erfüllung und die Wege, die dafür beschritten werden, sind so verquer wie es die Geschichten an sich sind.
Genau dies macht es aus, jenes absurd wirkende, das in allen der 14 Geschichten erst durch den letzten Satz die ganze Wahrheit rauslässt. Erkenntnisse, die scheinbar nicht von dieser Welt sind und doch überall lauern.

Kurzum, ich fühlte mich wunderbar und vergaß die unvertraute Welt da draußen.

Seite 91

Meine liebste unter den 14 Geschichten ist „Nichts für gute Menschen„, wegen der Sukkulenten und diesem einen letzten Satz. Aber auch „Ich mische mich unters gemeine Volk“ hat mich sehr fasziniert.
Ein Buch voller einsamer Menschen!

Dieses Buch lies mich die Welt herum vergessen. Stürmischen Wetterverhältnisse sorgten für ideale Lesebedingungen und ich bin sicher, dass ein strahlender Sonnenschein von mir gar nicht beachtet worden wäre. Dafür ist es einfach zu düster.
Da nützte auch dieses wunderbare Grün, welches sich unter dem Einband versteckte, nichts.
Das Buch und der Inhalt ist jenseits von Gut und Böse und ich ahne jetzt schon, dass sich daran die Geister scheiden werden.
Auf manches muss man sich als Leser_in einlassen und ganz oft lohnt es sich auch, so wie bei den Büchern von Ottessa Moshfegh.

Rezension verfasst von © Kerstin


– Weitere Eindrücke –
folgt •


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Buchdetails
Titel: Heimweh nach einer anderen Welt
Buchreihe: Einzelband -Storys , 336 Seiten
Autorin: Ottessa Moshfegh
Verlag: Liebeskind
— Rezensionsexemplar —

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