3 Geschichten – 3 Eindrücke | Odile Kennel – Julia Engelmann – Karin Leroch

#WirLesenFrauen


„Hors Texte“ von Odile Kennel

Wertung: ★★★★★

Optisch ist das Buch bereits ein Augenschmaus! Von der Darstellung der Seitenzahlen bis hin zu den Illustrationen von Martina Liebig.

Das prägnante Thema ist Liebe, aber klischeefrei. Ganz individuell hat die Autorin den (eigenen?) Schmerz eingefangen und verarbeitet.

Das die Autorin mehrere Sprachen spricht, ist ihren Texten zu entnehmen. Dieses lässt sie mit einfließen, ohne dass ich beim Lesen darüber stolperte. Vielmehr spielt Odile Kennel damit und erzeugt dadurch einen wundervollen Klang.

Nicht so anspruchsvoll in den Formulierungen wie zum Beispiel „Die Reduktion der Pfirsichsaucen im köstlichen Ereignishorizont“ (anderer Autor, gleicher Verlag), aber nicht minder einnehmend und wundervoll verfasst! Ich habe so viel unterstrichen, mit verliebten Symbolen verziert, sodass ich mindestens das halbe Buch hätte zitieren können.

Texte enden mitten im Satz, beschreiben den Schmerz von etwas verlorenem oder nie gehabten und berührten mich damit. Einzig was mir auch bei diesem Buch des Verlags fehlt, aber keinen Einfluss auf meine Eindrücke nimmt, sind eben diese Worte zum Hören.


„Keine Ahnung, ob das Liebe ist“
von Julia Engelmann

Wertung: ★★★☆☆

Poetry Slam ist schon lange nicht mehr nur im Untergrund zu finden, sondern seit einigen Jahren Salonfähig.

Julia Engelmann ist da kein unbekannter Name und all ihre Hörbücher habe ich gehört. Diesmal jedoch konnte sie mich nicht gänzlich für sich einnehmen. Ob ich ihren Texten entwachsen bin, es für mich nicht mehr die richtigen Worte sind oder die Autorin gar nachlässt, vermag ich nicht zu sagen.

Mainstream waren ihre Texte schon immer, Liebe ein wiederkehrendes Thema, doch der Funke wollte diesmal nur bei einzelnen Titel überspringen. Sie spricht und schreibt über Themen und nutzt Worte, in denen sich viele wiederfinden, gelungene Texte für poetische Einsteiger*innen, doch mir fehlte der Pfiff. Einiges nahm mich ein, anderes war mir zu fad und leider auch wiederholt im Vergleich zu ihren vorherigen Erscheinungen.


„Die Saat“
von Karin Leroch

Wertung: ★★★☆☆

Ein Ehepaar, zwei Kinder. Eine Esoterikerin, ein Skeptiker.

Rita und ihr Mann Chris sind vor wenigen Monaten mit ihren Kindern in ihr neues Haus gezogen, doch Rita fühlt sich nicht angekommen.

Dann bekommt Rita den Tipp, Eier bei Vollmond in jedes Zimmer zu stellen und am nächsten Tag zu vergraben. Gesagt, getan. Doch anstatt der versprochenen Kraft erhalten sie und ihre Familie einen Eierbaum. Ein Baum mit Auswirkungen auf die gesamte Familie.

Eine Novelle, bei der das Wort kurios wirklich zutreffend ist, denn eben dies ist in der unteren rechten Ecke des Buchcovers zu finden. Es lässt sich am ehesten mit Fantasy umschreiben und holt Problematiken ans Tageslicht, die zuvor nur unter der Oberfläche brodelten.

Ich weiß nicht recht, wie mir diese Geschichte gefiel … auf der einen Seite lässt sie sich aufgrund der geringen Seitenzahl und des flüssigen Schreibstils recht schnell lesen. Zum anderen hätte die Geschichte mehr Tiefgang vertragen können, vor allem bei der zum Ende hin eingearbeiteten Perspektive des Baumes.


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Titel: Keine Ahnung, ob das Liebe ist
– Einzelband –
Autorin & Sprecherin: Julia Engelmann
Verlag: Der Hörverlag | Print-Verlag: Goldmann (Random House Verlagsgruppe)
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Titel: Hors Texte
– Einzelband –
Autorin: Odile Kennel
Illustratorin: Martina Liebig
Verlag: Verlagshaus Berlin
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Titel: Die Saat
– Einzelband –
Autorin: Karin Leroch
Verlag: Ohne Ohren


Welche Geschichte hat Dein Interesse geweckt,
kennst Du bereits eine oder mehrere?

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2 Comments
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Gabi
6 Monate her

Liebe Janna,
auch wenn das Buch bei Dir ein durchwachsenes Urteil bekommen hat, fand ich die Grundidee von „Die Saat“ mit Abstand am interessantesten. Kuriose Bücher machen mich neugierig, wie schade, dass das Buch ein bisschen zu sehr an der Oberfläche bleibt.
LG Gabi