Leseprojekt #DiverserLesen [ehemals #WirLesenFrauen]

Das Leseprojekt von Eva-Maria Obermann würde mit diesem Beitrag eigentlich in die dritte Runde gehen. #WirlesenFrauen ist eine Aktion, die sich durchgesetzt hat und Autorinnen sichtbar(er) machte. Und doch etwas einschränkte im Hashtag, weshalb das Leseprojekt neu gestaltet wird und auch einen neuen Hashtag erhält: #DiverserLesen

Manchmal braucht es einen Schubs und Unterstützung, um nicht länger zu warten. Ich freue mich sehr auf diesen Schritt! Er bedeutet, dass ich nicht mehr alleine alles organisiere, sondern mit Nora Bendzko, Katherina Ushachov und skalabyrinth drei engagierte und großartige Autor:innen an meiner Seite habe. Wir machen das zusammen.

Es wird ab dem 08.03.2021 keine dritte Runde der #WirlesenFrauen-Challenge geben. Wir starten etwas Neues: #diverserlesen […] wir wollen mit euch gemeinsam diversere Literatur lesen, als die der „Norm-Autoren“. Gleichzeitig kann es als #DiversErlesen stehen, als das Erlesen von Neuem, von Diversity und neuen Perspektiven. Darunter wird es ab März eine neue Challenge geben und weitere Aktionen. Ich hoffe sehr, dass der # sich wieder verbreitet, dass er wirkt und sichtbar macht, Aufmerksamkeit für alle bringt, die in der patriarchalen weißen christlichen Gesellschaft unsichtbar bleiben. Das sind F(L)INTA, LSBATIQQP+ (lesbische, schwule, bisexuelle, aspec (asexuelle, agender und aromantische), trans, inter, queere, questioning, polyamouröse Menschen), BI_PoC (Black, Indigenous und People of Colour), chronisch oder psychisch kranke Personen sowie solche mit Behinderung und Menschen, die nicht christlich sozialisiert sind. Nutzt den # gerne auch außerhalb der Challenge, wenn ihr Bücher dieser Personengruppen lest. Macht sie sichtbar!

Eva-Maria Obermann

Nicht nur der Hashtag und die Bedeutung dahinter haben sich erweitert, auch das Beitragsbild wurde angepasst. Die Grafik wurde von Illi Anna Heger kreiert und auf Ihrer Homepage ist auch der Alt-Text für die Logo zu finden:

Das Logo zur Aktion #DiverserLesen zeigt eine Gruppe von Menschen, die auf vielfältige Art lesen. Das Logo wurde von Illi Anna Heger als Strichzeichnung in braunen und lila Tönen erstellt. Mittig über der Menschengruppe die Buchstaben »div«, das Symbol eines akustischen Signals und in Braille-Kurzschrift das Wort »lesen«, also »l % c«. Die Gruppe von links nach rechts: Zwei Personen of Color mit kurzen schwarzen Haaren. Die erwachsene Person im elektrischen Rollstuhl navigiert einen daran befestigten Bildschirm mit den Augen. Das Kind steht daneben und zeigt auf den Bildschirm. Davor liest eine Schwarze Person ein Buch im Schneidersitz und trägt auf den langen, gelockten Haaren einen Hut. Dahinter liest eine Person of Color auf einem elektrischen Braille-Notizgerät, das auf den Knien liegt. Die langen Haaren haben eine Ponyfrisur und auf dem Pullover ist ein Davidstern gestickt. Zwei Schwarze Personen lesen liegend ein gedrucktes Buch. Die erwachsene Person trägt kurze Curls und Brille und das Kind eine Afro-Frisur, die in zwei Puffs gefasst ist. Zwei Personen of Color halten sich an der Hand und lesen gemeinsam ein gedrucktes Buch, eine trägt Hijab und die andere die dunklen Haare mit Undercut. Eine weiße Person mit Rock und langen blonden Haaren liest ein großes gedrucktes Magazin. Sie lehnt an einem Tisch, an dem eine weißhaarige, Schwarze Person mit Bart sitzt und Braille auf Papier liest. Davor liegt ein weiße Person mit Glatze, Bart, einem genderqueeren Tattoo auf dem Oberarm, Kopfhörern und in der Hand ein Mobiltelefon. Davor steht ein dreijähriges Kind in Latzhose mit einem Bilderbuch in der Hand. Daneben eine Schwarze Person mit einem kurzen Afro in ihrem manuellen Rollstuhl. Ein Handy liegt auf dem Schoß und sie liest via Audioausgabe über Kopfhörer. Daneben lehnt eine weiße, kleinwüchsige Person mit schulterlangen Haaren und blondem Bart an einer Wand und liest ein Zine-Heft.

Unser Ziel ist es nicht, zwingend (Betonung liegt auf der Bedeutung des Wortes) alle Aufgaben zu erlesen oder zu erhören, aber sensibilisierter bei der Buchauswahl zu sein! Wir wollen mehr Diversität in der Buchwelt und ein Teil davon sein, diese Menschen und ihre Geschichten sichtbarer zu machen.
Wie auch bei der früheren Challenge haben wir unten ein Allerlei an Titeln, die nicht zu den einzelnen Aufgaben passten.

Das Lesen und Hören beginnt am 1. März 2021
und läuft ein Jahr
Jede Aufgabe muss mindestens einmal bewältigt werden, ehe eine doppelt gewertet werden kann. Außerdem kann es je Aufgabe einen Extrapunkt geben, wenn das Buch einer mehrfach marginalisierten Person gelesen (gehört) wird.

1. Vielfalt ist mehr

Lies ein Sachbuch, das eine marginalisierte Person geschrieben hat. Wir haben 2020 gesehen, wie sehr ohnehin schon privilegierte Männer in den Fokus rückten, sobald es um Wissenschaft geht. Das schmälert die Leistung von so vielen Menschen. Zeigen wir, wie viel Wissen bei dieser Perspektive verloren geht. Einen Punkt pro Buch.

KERSTINJANNA
„Ableismus“
von Tanja Kollodzieyski

2. Wie war dein Leben?

Lies eine (Auto)Biografie. Das Leben von FLINTA wird viel seltener als interessant anerkannt. Aber man muss nicht First Lady sein, um eine beeindruckende Biografie zu haben, die es lohnt, zu kennen. Tauch ein in historische Bezüge oder top-aktuelle Lebensrealitäten. Wer es sogar schafft, die Autobiografie einer betroffenen Person zu lesen, bekommt einen Extrapunkt. Alle anderen bekommen zwei je Buch.

KERSTINJANNA
„Ein Stück Himmel“
von Janina David
„Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten“
von Alice Hasters
Autobiografie: 3 Punkte
*Kurzmeinung*

3. Nur weiß ist langweilig

BI_PoC-Autor:innen haben noch immer mit entsetzlichen Anfeindungen zu kämpfen. 2020 hat uns BLM gezeigt, wie wenig sich tut, wie viele immer noch wegsehen – erst recht in Deutschland. Lesen wir dagegen an! Zwei Punkte für jedes Buch einer nichtweißen Person, das du liest.

KERSTINJANNA
„Heaven, my Home“
von Attica Locke
„Das Baby ist meins“
von Oyinkan Braithwaite
*Kurzmeinung*

4. Fremde Heimat Sprache

Im Grunde eine Doppelaufgabe – oder mehr Möglichkeiten für euch. Lies das Buch einer exilierten marginalisierten Person oder von jemandem, der:die nicht in der eigenen Erstsprache schreibt. Sprache ist ein wichtiger Teil für unsere Identität, unser Konstrukt von Heimat und essenziell für unsere Geschichten. Was, wenn wir in einem Land wohnen, dessen Sprache uns fremd ist, mit der wir nicht aufgewachsen sind und die wir nicht glauben, von Grund auf zu kennen? Und was, wenn wir in so einer Sprache schreiben? Finde es heraus und sichere dir zwei Punkte.

KERSTINJANNA

5. Reduziert?

Leider sind viele Geschichten, die nicht von der Norm entsprechenden Männern geschrieben werden, auf die Marginalisierung der Betroffenen reduziert. Frauen schreiben Frauenliteratur, BI_PoC über Rassismus, trans Menschen über das Transsein … Aber wir sind mehr als eine Eigenschaft, wir sind mehr als diese Reduzierung. Lies ein Buch einer marginalisierten Person, das sich nicht mit ihrer Marginalisierung beschäftigt. Zwei Punkte je Buch.

KERSTINJANNA
„Eine Seuche in der Stadt“
von Ljudmila Ulitzkaja

6. Es wird lyrisch

Ein Genre, das so dicht und gleichzeitig subjektiv ist. Es wird von Autoren beherrscht, wodurch anderen die Sprachkunst aberkannt wird. Das ist falsch! Auch andere schreiben beeindruckende Lyrik. Lies einen Lyrikband einer*m FLINTA und sammle zwei Punkte ein.

KERSTINJANNA
„So etwas wie Poesie“
von Jill Graf und Madeleine Hold
(#SPbuch)
*Kurzmeinung*

7. Da war doch was …

Wirf einen Blick in dein Bücherregal. Wer tummelt sich da? Welches Buch hat dir so sehr gefallen, dass du es schon immer noch einmal lesen wolltest, aber keine Zeit fandest? Lies ein Buch einer marginalisierten Person, das du schon kennst, ein weiteres Mal. Finde Feinheiten und Anspielungen, die dir beim ersten Mal entgangen sind. Einen Punkt gibt es dafür.

KERSTINJANNA

8. Be Indie (#SPbuch)

Nein, nicht mit Hut und Peitsche. Lies das Buch einer marginalisierten Person, die independent oder im Selfpublishing veröffentlicht, und nimm einen Punkt mit.

KERSTINJANNA
„Was Preema nicht weiß“
von Sameena Jehanzeb
* Rezension*
„Briefe aus dem Sturm“
von Nikas Erben
„Fairview Mental Asylum“
von Tanja Hanika
(exklusive Kurzgeschichte für Newsletter-Leser:innen)

9. Mehr als binär

So ist unsere Welt. Nur Computer kommen über 0en und 1en nicht hinaus. Lies das Buch einer genderqueeren Person und nimm 2 Punkte mit.

KERSTINJANNA

10. Joker

Lies ein Wunschbuch einer marginalisierten Person. Warum? Weil du weißt, was dir gefällt. Finde eine Person, die das schreibt, und nimm dir einen Punkt.

KERSTINJANNA
„Sadie“
von Courtney Summers
*Kurzmeinung*

11. Wir waren schon immer da!

FLINTA, BI_PoC, Menschen mit Behinderung und viele mehr sind keine Neuerfindung oder haben früher nicht geschrieben. Lies ein Buch von einer marginalisierten Person, das vor 1950 erschienen ist, und bekomme zwei Punkte.

KERSTINJANNA

12. Gemeinsam sind wir stark!

Lies darum das Buch einer marginalisierten Person gemeinsam mit anderen, in einer Leserunde, einem digitalen Austausch oder einem Buchclub. Einen Punkt dafür.

KERSTINJANNA
Die Ewigkeit in einem Glas
von Jess Kidd
Mit Franzi gelesen

Alles ohne Aufgabe

KERSTIN: … TitelJANNA
Das stumme Tal
von Sophie Reyer
„Die Eleganz des Igels“
von Muriel Barbery
Seht, was ich getan habe
von Sarah Schmidt
„Das Dorf der toten Seelen“
von Camilla Sten
Das Lied der Krähen
von Leigh Bardugo
„Survive“
von Alexandra Olive [abgebrochen]
Der Herrscher des Waldes
von Katharina V. Haderer
Das Gold der Krähen
von Leigh Bardugo
Dunkelsprung
von Leonie Swann
„Lange laut lachen“
von Jess Tartas
„Rat der Neun – Gezeichnet“
von Veronica Roth [abgebrochen]
„alias Grace“
von Margaret Atwood
„Bis ihr sie findet“
von Gytha Lodge
„Fremde Gäste“
von Sarah Waters
„Mord in Sunset Hall“
von Leonie Swann
„Neun Fremde“
von Liane Moriarty
„Wer auf dich wartet“
von Gytha Lodge
„Das Gerücht“
von Lesley Kara

Liest (hörst) du mit?

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9 Kommentare
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Gabi
6 Monate her

Hallo ihr zwei,
mit drei Challenges bin ich ausgelastet ;-) aber die Idee dieser Challenge finde ich prima und schließe mich eben im Geiste an. Ich achte schon ein bisschen darauf, diverser zu lesen und schon länger beschäftige ich mich z. B. mit dem Thema trans-sein. Dazu gibt es einiges an Literatur. Und bei einem meiner Lieblingsgenres Gay Romance ist nicht alles rosarote Liebe, sondern da wird schon auch Geschlechtsidentität, Selbstfindung und Akzeptanz thematisiert, es gibt asexuelle, bisexuelle und trans-Protagonisten.
Gut, dass es dazu jetzt einen Hashtag gibt, da kann ich mich wunderbar inspirieren lassen.
Liebe Grüße
Gabi

Janna
wortberauscht
Reply to  Gabi
5 Monate her

Huhu du eine ;)

Bei drei Challenges kann ich das absolut verstehen, aber der Hashtag darf ja auch ohne eigene Challenge-Seite genutzt werden – ganz klar erwünscht <3 Also nicht nur für die eigene Inspiration, sondern auch zu selbst gelesenen Titeln, bei denen du ja eine Vielzahl an passenden hast.

Muckelige Grüße!

Sandra
6 Monate her

Hallo ihr beiden, ich finde es immer genial, wie viel neuen Input und Inspirationen ich hier bei euch bekomme. Selbst mitelesen werde ich bei dieser Aktion nicht, bin aber gespannt, welche Bücher ihr lesen werdet und ob ich darunter etwas für mich finde. Mir ist beim aufmerksamen Lesen dieses tollen Beitrags aber etwas aufgefallen: In dem Zitat zu Beginn geht es um „FINTA“ (war mir neu und ich habe mich unter dem Link schlau gemacht), wenn ihr jedoch darüber schreibt, heißt es jedes Mal „FLINTA“. Ist wahrscheinlich nur ein Tippfehler, aber ich dachte, wenn ihr euch mit dieser Challenge und… Weiterlesen

Janna
wortberauscht
Reply to  Sandra
6 Monate her

Naaawww LIEBSTEN DANK, welch wunderschönen Worte (bin ganz verzückt)! Wenn du nicht gezielt mitliest, aber ein passendes Buch hast, darf der Hashtag gerne dennoch verwendet werden (=

Oh, danke dir fürs aufmerksam machen, werde ich gleich mal ändern und auch Eva Bescheid geben. Fiel mir ehrlich gesagt gar nicht auf – shame on me – und kenne den Begriff auch nur als FLINTA.

Hab ein muckeliges Wochenende!

Sandra
Reply to  Janna
6 Monate her

Huhu,

na klar, wenn ich dazu was lese, dann kommtd er # dazu. Wenn ich dran gedacht habe, habe ich es letztes Jahr auch bei Büchern von Autorinnen gemacht.

Ah, also ist es mit „L“ richtig? Oder gibt es beides? Sehe, dass ihr es in (L) hinzugefügt habt. Ich kannte den Begriff bis dahin nicht und dachte, dass das L nicht hineingehört, da die Website, auf die der Link führt, es ohne L schreibt. Wieder was gelernt.

Einen guten Start in die Woche euch beiden,
Sandra

Janna
wortberauscht
Reply to  Sandra
6 Monate her

Es gibt FINTA und FLINTA, habe mich nochmal bei Eva schlau gemacht. Somit habe auch ich was dazugelernt durch deinen Hinweis <3

Janna
wortberauscht
Reply to  Sandra
6 Monate her

PS: dir natürlich auch einen feinen Wochenstart!

RoXXie
6 Monate her

Hallo ihr zwei,

ich freu mich auf die Aktion und habe auch direkt mal geschaut, was meine Want to Read – Liste so bereithält. Ich könnte sogar einige Punkte schaffen.

Schön, dass ihr dabei seid. Meine Seite gibt es hier.

Cheerio
RoXXie

Janna
wortberauscht
Reply to  RoXXie
6 Monate her

Ich freu mich auch und besonders, das #WirLesenFrauen durch #DiverserLesen erweitert wird! Bin schon gespannt was für Literatur ich dadurch – neu – entdecken werde <3