„Die Putzhilfe“ | Regina Nössler

Das Buch wurde mir vom Konkursbuch Verlag kostenlos zum Lesen und Rezensieren zur Verfügung gestellt. Meine Rezension basiert ausschließlich auf meinen persönlichen Leseeindrücken und wird durch eine Bereitstellung des Buches nicht beeinflusst.


„don’t judge this book by its cover“

Franziska Oswald verlässt ihr Zuhause, setzt sich in den Zug nach Berlin, es hätte auch eine andere Stadt sein können, lässt eine vielversprechende Karriere als junge Akademikerin zurück und ein Einfamilienhaus in einer hübschen Siedlung im Münsterland, das sie zusammen mit ihrem Partner Johannes bewohnt hat. In Berlin kriecht sie in einem dunklen, verwahrlosten Parterreloch im Hinterhof unter. Den Mietvertrag hat sie mit falschem Namen unterschrieben. Niemand weiß, wo sie ist, denn zu Hause ist etwas Furchtbares geschehen. Sie irrt ziellos durch die Stadt, begegnet Henny Mangold , die ihr an anbietet, bei ihr zu putzen. Eine Putzstelle ist das Letzte, was Franziska sich wünscht, aber sie sagt zu. Und erkennt bald, dass nicht nur sie etwas zu verbergen hat, sondern auch Henny Mangold. Und dann gibt es noch Sina, eine herumstreunende Jugendliche aus Neukölln, die aus Langeweile Franziska verfolgt …

Inhalt laut Verlag

Es ist noch nicht lange her, als der Verlag anfragte ob ich dieses Buch von Regina Nössler lesen möchte.

Meine Antwort lautete spontan „Ja, sehr gerne, denn von der Autorin wurde ich schon einmal positiv überrascht, aber das Cover ist schon hässlich“.
Sorry, aber so etwas muss ich sagen, gerade bei Büchern, die kein immenses Marketingwerk hinter sich stehen haben, kann ein „schlechtes“ Cover einen lesenden Mensch vom Kauf abhalten. Aber wisst Ihr was? Bei diesem Buch hätte auch nichts auf dem Cover sein können, der Namen dieser Autorin steht nämlich für richtig gute Literatur.
Bei „Die Putzhilfe“ handelt es sich um keinen Thriller im Sinne des allgemein beliebten „schlitzender-Serienkiller-ich suche und finde dich-bluttriefendes“ Buch. Es ist so weit weg von Mainstream und doch verdient es eine riesige Leserschaft.

Um was geht es überhaupt?
Franziska flüchtet Hals über Kopf aus dem trauten Heim, dem beruflichen Erfolg und der Vorstadtidylle. Nur mit ein paar Taschen bepackt, darinnen das Notwendigste und einer schmerzenden Hüfte, sowie einem Gesicht, das Verletzungen aufweist. Sie macht sich auf und davon, vom Münsterland in die anonyme Großstadt Berlin.
Dort nennt sie sich nur noch Marie, findet eine heruntergekommene Unterkunft, lebt inmitten der Millionenstadt in ihrer Einsamkeit und trägt irgendein Geheimnis – Auslöser der Flucht – mit sich herum.

Eher durch Zufall landet Henny direkt vor ihren Füßen. Eine ältere Damen, gut situiert, vermögend und gerade auf der Suche nach einer Putzhilfe. In langen Gedankengängen und Überlegungen werden diese zwei sich einige und schon kurz darauf beginnt diese neue Marie bei Henny zu arbeiten. Doch auch Henny hat Geheimnisse und möchte diese nicht offenbart sehen.

Als dritte im Bunde kommt Sina hinzu. Eine Teenagerin, aus sozial schwachen Verhältnissen, die so voller Wut ob der unfähigen Mutter und den ärmlichen Verhältnissen ist und doch liebevoll ihren Bruder Bobby umsorgt. Sina hat Marie im Auge, verfolgt ihre stundenlangen Spaziergänge, ohne zu ahnen dass ausgerechnet diese Frau auf die sie immer mehr einen unbändigen Hass entwickelt, eine Hilfe sein wird.

Wie das Schicksal doch manchmal so spielt, finden sie nicht?

Seite 49

Das Buch, diese Geschichte darinnen spiegelt drei Generationen und ihre Bedürfnisse, wobei die Sorgen deutlich überwiegen.

Es wird vieles direkt angesprochen und doch bleibt das Wichtigste verborgen. Erst im Laufe des Buches wird immer deutlicher wohin diese drei Frauen einen führen und es hat eine ganz unheilvolle Spannung.

„Nichts ist wie es scheint“, könnte auf dem Cover stehen.

Oder, „viele Wege führen zur Wahrheit“.
Regina Nössler führte durch diese drei Leben und diese eben auch zusammen.
Der Wag dahin ist gespickt mit Beobachtungen und Gedankengängen. Überlegungen zu Alltäglichkeiten, Dinge die manche enorme Überwindungen kosten und für andere selbstverständlich sind.
Stellenweise sehr beklemmend und auch gewalttätig.

Die Sprache, derer sich die Autorin bemächtig, ist zart, behutsam und doch bemerkt man sehr deutlich diese Gewalt, die dahinter steht. Es hat mich absolut fasziniert und zum Rätseln und Mitdenken gebracht. So manche der Situationen wurden groß umschrieben und führten damit automatisch zu einem Verstehen wollen der jeweiligen Zustände.
Was trieb Franziska/Marie von zu Hause fort? Wie kann Sina ihrer Wut Herr werden und was hat Henny Mangold eigentlich wirklich für Absichten?

Lauter scheue Gestalten wie sie selbst, die unbehelligt bleiben wollten.

Seite 363

„Die Puzhilfe“ besticht mit einer Wahrheit über die einzelnen Lebensumstände.
Es fordert und beschönigt nichts. Suspense auf eine ganz vorsichtige Art und Weise, dessen man sich gar nicht entziehen kann.
Die Dramaturgie baut sich von Anfang an auf, wird immer mehr auf und führt zu einem ganz besonderen Leseerlebnis.

Es hat mich verblüfft und erschrocken, aber nie gelangweilt!

Rezension verfasst von © Kerstin
★★★★


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Buchdetails
Titel: Die Putzfrau
Buchreihe: Einzelband, 402 Seiten
Autorin: Regina Rössler
Verlag: NAME | [Selfpublisher] Bei Hörbüchern: | Printausgabe: VERLAG
— Rezensionsexemplar —

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