„Die letzte Geliebte“ | Christof Weigold

— Rezensionsexemplar —
Das Buch wurde mir vom Kiepenheuer & Witsch (KiWi) Verlag kostenlos zum Lesen und Rezensieren zur Verfügung gestellt. Meine Rezension basiert ausschließlich auf meinen persönlichen Leseeindrücken und wird durch eine Bereitstellung des Buches nicht beeinflusst.


Ein Abbruch

Das Jahr 1923 ist angebrochen. Das Land wird regiert von einem Präsidenten, der es nicht so genau nimmt mit Anstand und Moral. Skandale erschüttern die politische Elite – aber an der Westküste hat man andere Probleme. Vor allem Privatermittler Hardy Engel, dessen neuester Auftrag ihn mitten hineinführt in den Sumpf von Hollywoods Geheimnissen. Und diesmal stinkt die Sache wirklich zum Himmel. »Finden Sie heraus, was Will Hays für Dreck am Stecken hat. Ich will diesen Heuchler zu Fall bringen!« – Mit diesem Satz beginnt für Hardy Engel sein bislang schwierigster Fall. […]

Klappentext-Auszug

Ich hatte mich auf den dritten Band um Hardy Engel gefreut, denn bislang war er mir ein äußerst sympathischer Protagonist. Über bestimmte Klischees habe ich hinweggesehen, da mich die Romane im Gesamten abholten. Ich habe es nie als große Kritik in meine Rezensionen eingeflochten, weil ich beim Lesen nicht arg darüber stolperte. Wer sich in den 20ern bewegt, rechnet mit gewissen Darstellungen. Beim dritten Band jedoch begegneten mir Szenen, die mich zu einem Abbruch brachten. Das Rassismus in dem Buch thematisiert wird, war mir schon anhand des Klappentextes bewusst. Ebenso ist mir klar, dass Mitglieder des Ku-Klux-Klans sich nicht politisch korrekt ausdrücken und dort der Rassismus gelebt wird.

Du musst den Autoren nicht kennen, um bereits zu erahnen, dass er Weiß (weiß) ist. Die Darstellung von Hardy Engel zeigt dies von ganz allein, denn dieser lebt die Vorurteile, wobei er eigentlich das Gegenteil verkörpern soll. Es wird im weiteren Verlauf deutlich, das Hardy den Klan als „rassistische Arschlöcher“ betitelt und dabei hilft, zwei Schwarze Männer aus deren Fängen zu retten und doch wird eben mit Vorurteilen gearbeitet, die an den Stellen nicht hätten sein müssen und dürfen.

Mich störte nicht so sehr, dass er ein Schwarzer war. […] Ich fremdelte mit ihnen, das schon, aber dass Polly einen schwarzen Lover hatte, brachte mich vor allem darüber ins Grübeln, wie gut ich Polly eigentlich wirklich kannte, oder eben doch nicht.

Seite 64-65

Mich störte nicht so sehr …„, aber dann schon irgendwie? Allein die Einleitung von Hardys Gedanken hätte schon gänzlich anders beginnen müssen. Und was soll mir das sagen, das Hardy sich fragt wie gut er Polly eigentlich kennt? Weil sie Sex mit einem Schwarzen hat? Da war für mich schon der erste Gedanke direkt präsent das Buch beiseite zu legen. Wenige Seiten später begegnete mir dann diese Passage, die sehr missverständlich formuliert ist:

Ich musste daran denken, wie Griffith die Schwarzen *darin diffamiert hatte, gespielt von teils mit Schuhcreme schwarz geschminkten Weißen: wie wilde Tiere mit rollenden Augen, die als Abgeordnete im Kongress die nackten Füße auf die Bänke legten und betrunken herumgrölten. […]
Der Mann hier neben mir, ein scheinbar kluger, zutiefst aufgewühlter Mensch, war das komplette Gegenteil dieser Karikaturen.

Seite 80

Ach nee, echt?! Das Zitat sind Hardys Gedanken, sein Vergleich, zwischen einem *zutiefst rassistischen Film und dem Schwarzen Mann, den er gerade kennenlernte. Dabei wirkt Hardy auf mich jedoch vielmehr verwundert, dass eben dieses Bild nicht der Realität entspricht. Auch diese Situation hätte definitiv anders beschrieben werden können und müssen! Sollte es mir als Leserin verdeutlichen, dass Hardy seine eigenen Vorurteile infrage stellt? Tut es nicht und suggeriert mir persönlich ein Bild, das er trotz seiner Ermittlung gegen den Klan selbst voller Vorurteile ist, die unreflektiert hier eingearbeitet sind. Stichwort „Sensitivity Reading“, ein unverzichtbares Muss. Wenn ich als Weiße (weiße) bereits bei diesen Formulierungen abbrechen muss, mag ich mir kaum vorstellen, was dies bei Schwarzen Leser:innen auslöst.

Wie oben bereits erwähnt, war mir die Thematik des Buches zuvor bewusst, jedoch möchte ich keine Bücher mehr lesen, in denen die angeblich anti-rassistischen Protagonist:innen selbst rassistische Vorurteile produzieren. Dahingehend ist mir die Zeit, in der diese Geschichte spielt, schlicht egal. Zumal es auch in den 20er Jahren Menschen gab, die Weltoffen waren und nicht nur wussten das das, was da geschieht, falsch ist, sondern sich klar gegen Rassismus positionierten. Warum hat der Autor seinen Protagonisten Hardy Engel dahingehend nicht zu einem sogenannten Vorreiter gemacht? – Da reicht es nicht, das er gegen den Klan ermittelt und sich scheinbar mit einem der Schwarzen Männer später gut versteht. Es dürfen erst gar keine Rassismen bei angeblich anti-rassistischen Protagonist:innen zu lesen sein!

Es mag sein das Hardy im späteren Verlauf seine eigene Denkweise hinterfragt und eigene Vorurteile gezielt aus dem Weg räumt, wie gesagt, habe ich nicht mal 200 von 643 Seiten gelesen. Mich störten jedoch die oben genannten Gedanken des Protagonisten so sehr, dass ich es nicht mehr erfahren werde. Historisch korrekt kann auch ohne solche Reproduktionen geschrieben werden!

Rezension verfasst von © Janna

| Anzeige | Buchdetails & andere Rezensionen:

Titel: Die letzte Geliebte
Buchreihe: 3. Band
Autor: Christof Weigold
Verlag: KiWi
      Hardy Engel – Reihe
Band 1 ~ „Der Mann, der nicht mitspielt“
Band 2 ~ „Der blutrote Teppich“
Band 3 ~ „Die letzte Geliebte“

– Weitere Eindrücke –
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2 Comments
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Ascari
9 Tage her

Hallöchen, liebste Janna, eigentlich wollte ich ja schon ein bissl früher kommentieren, aber wenigstens hab ich mir am Tablet im Reader markiert, dass ich nochmal vorbeischauen wollte :). Ich hab aus dieser Reihe ja nur das erste Buch mit Ach und Krach beendet, vielleicht wäre da aber auch das Buch die bessere Wahl gewesen, beim Hörbuch war ich ehrlich gestanden aus Langeweile kurz vorm Abbruch … Das, was du hier zum dritten Teil schreibst, kann ich durchaus nachvollziehen. Und frage mich dann aber schon auch, warum hier net wenigstens das Lektorat Fingerspitzengefühl beweist und dem Autor das Manuskript zurückwirft mit… Read more »