„Der Ether-Song“ | Samara Summer

Zwischen England und Ether

Koffein- und nikotinhaltig. Mystery (59%), Thriller (21%), surreale Fantasy (10%), Selbstfindungstripp (10%). Enthält Spuren von Punkrock und abgedrehtem Kram.
Die punkige Straßenmusikerin Lauren hat die Schnauze voll von London. Um zu sich selbst zu finden, kappt sie alle Kontakte und nimmt einen Job in einem abgelegenen walisischen Schloss an. Zuerst wundert sie sich nur über die exzentrische Schlossherrin Mrs. Devinport. Dann ergreifen surreale Träume auf beängstigende Weise Besitz von Laurens Denken und wirken sich sogar auf ihren Körper aus. Nahezu als handle es sich um eine zweite Realität, in der sie einer düsteren Bestimmung folgen muss.
Während Lauren ihrem Tagebuch, dem Tage-Dude, Bericht erstattet, leisten Exfreund Adam und Schwester Abi – eher dilettantische – Detektivarbeit.

Klappentext

„Brodem“ wartet schon seit einiger Zeit in meinem Tablet und dennoch, obwohl ich keines ihrer Bücher bislang kannte, fragte die Autorin, ob ich Lust auf ihr Debüt hätte. Schwerlich konnte ich verneinen und so betrat ich den Ether!

Eben dieser Ether ist nicht ungefährlich für uns Menschen, somit bekam ich ein Buch mit einigem Zubehör, um gestärkt hineinzugehen und wieder hinauszufinden.

Doch bevor der Ether mich verschlang, begleitete ich die Schwestern Lauren und Abigail, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Abigail arbeitet in einer Firma mit ihrem Vater, Lauren spielt mit ihrem Freund Musikstücke auf der Straße. Immer wieder geraten die zwei aneinander, doch das Schwesterband ist fest und eine kleine Zeitungsannonce wird ihrer beider Leben von Grund auf ändern!

Ein Anwesen irgendwo in England, fernab der Zivilisation und eine Frau die dieses Schloss bewohnt, ist auf der Suche nach einer Haushaltshilfe. Lauren braucht eine Abwechslung in ihrem Leben, einen klaren Schnitt und dank Abigails Hinweis auf die Annonce findet sie eine Möglichkeit. Sobald sie London verlässt, wechselt die Erzählart und ihre Abschnitte werden zu Tagebucheinträgen. Währenddessen begleitete ich Abigail in London, die sich immer mehr Sorgen um ihre Schwester macht, da diese nicht mehr aufzufinden ist.

Den Klappentext mit den Genreeinteilungen in Prozenten finde ich einfach grandios! Ich würde dem Thriller jedoch 10% zuschreiben und dem surrealen Fantasy dafür die 21%. Doch das ist es gar nicht, was mir nicht ganz zusagte. Vielmehr konnte mich der Stil der Autorin nicht gänzlich einnehmen. Mir waren die Beschreibungen in bestimmten Szenen zu ausführlich (Abigail) und die Einträge nicht intensiv genug (Lauren). Vielleicht brauchte es zu Beginn deswegen etwas, bis mich der Ether vereinnahmte.

Der Wechsel der Perspektiven und die Unterschiede diese zu erzählen, gefiel mir gut! Zwischen Abigail und Lauren, zwischen Realität und Fiktion, zwischen England und dem Ether. Erst nach und nach gleitet Lauren ab, in eine Traumwelt wie ihr scheint und immer mehr distanziert sie sich von ihrer bisherigen Realität. Ein klarer Schnitt der Protagonistinnen und ebenfalls ein Bruch der Realitäten. Doch sind die Träume von Lauren wirklich nur Fiktion oder Wirklichkeit?

Beide Schwestern machen im Verlauf eine Entwicklung durch und verändern sich aufgrund der verschiedenen Ereignisse. Bei Abigail war ich angetan von dem realistischen Verlauf, ihrem Versuch Lauren zu finden, ohne polizeiliche Hilfe an ihrer Seite zu haben. Die Recherchen, der Versuch alles über die Zeitungsannonce in Erfahrung zu bringen und der Spur, der sie am Ende folgt. Einzig gewisse detaillierten Ausführungen hätten nicht eingearbeitet werden müssen, denn ihre Abschnitte vermitteln die Sorge um die Schwester und Distanzierung zu ihrem bisherigen Leben.

Bei Lauren hätte ich mir mehr Angst gewünscht, denn das was da in dem Schloss vor sich geht, was sie erlebt, ist bedrohlich. Zunächst glaubt sie intensiven Träumen ausgeliefert zu sein, doch immer deutlicher wird, dass es in dem Anwesen nicht mit rechten Dingen zugeht. Die Besitzerin Mrs. Devinport scheint wenig hilfreich zu sein, da sie ihr Zimmer nie verlässt und Fragen stellt, deren Bedeutung Lauren nicht greifen kann. Von diesem beklemmenden Gefühl hätte ich mir mehr gewünscht, die Furcht die sich entwickelt sickert mir nicht intensiv genug durch die Seiten. Ich denke dies lässt sich auf die ebenfalls detaillierten Umschreibungen zurückführen. Gerade bei Lauren sind diese wichtig, um das zu skizzieren, was sie sieht und erlebt, jedoch müssen die Emotionen etwas darunter einbüßen. Dabei erschafft die Autorin eine interessante Welt, in der ich mich gern noch tiefer hineinbewegt hätte. Die Surrealität dessen, was sie dort erlebt, die Schnittpunkte zwischen Realität und Fiktion, eine alternativen Realität, sagte mir absolut zu!

Ein Debüt mit Potenzial, eine Geschichte mit gewisser Kritik und eine Autorin die ich innerhalb ihrer Zeilen nochmals treffen möchte. Das nächste Mal werde ich ihren Worten in ihrer neuen Welt begegnen!

Rezension verfasst von © Janna


– Weitere Eindrücke –
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Das Buch wurde mir von der Autorin kostenlos zum Lesen und Rezensieren zur Verfügung gestellt. Meine Rezension basiert ausschließlich auf meinen persönlichen Leseeindrücken und wird durch eine Bereitstellung des Buches nicht beeinflusst.— Rezensionsexemplar —

Titel: Der Ether-Song
Buchreihe: Einzelband
Autorin: Samara Summer
Verlag: BoD | selfpublishing

Traust du dich in den Ether oder warst du bereits dort?

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4 Comments
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Nenatie
3 Monate her

Hallo Janna,
danke für deine Rezension! Das Buch hatte ich bis jetzt gar nicht auf dem Schirm, aber es klingt sehr nach einem Buch für mich. Seltsames Haus, surreale Situationen. Ich werde mir erstmal eine Leseprobe holen und das Buch auf die Wunschliste setzten. Vielleicht ist irgendwann mal der richtige Zeitpunkt für mich es zu lesen :)

LG

Buchperlenblog
3 Monate her

Liebste Janna! ♥
Mmmmh ich bin selbst ganz hin und hergerissen bei deiner Meinung! Einerseits klingt das Buch wirklich ganz klasse, das Setting, bei dem Realität und Traumlandschaft verschwimmen, das Schloss, in dem irgendetwas umgeht (irgendwie muss ich hierbei direkt an Shirley Jacksons Spuk denken) usw. Aber wenn dann das beklemmende Gefühl ein wenig untergeht, dann ist das sehr schade. Aber danke für die schöne Vorstellung!

Hab einen feinen Tag! ♥
Gabriela