„Das stumme Tal“ | Sophie Reyer

Ein atmosphärischer Roman, welcher durch Authentizität überzeugt und mich immer wieder zurück ins Tal lockte. Düster und fesselnd.

Tirol, 1889: Die dreijährige Amelia ist die einzige Überlebende eines verheerenden Brandes, der den Bergbauernhof in Stumm beinahe ganz zerstört. Bald stellt sich jedoch heraus, dass ihre Familie nicht den Flammen, sondern einem grauenhaften Raubüberfall zum Opfer fiel. Sind die Täter tatsächlich die zwei jungen Männer, die vagabundierend durch das Tal zogen? Oder verbirgt sich hinter dem Verbrechen ein viel dunkleres Geheimnis?

Klappentext

Düsteres Tal.

Ich habe kriminelle Schlagworte genutzt und es mag nach einem Krimi klingen, denn eine Gerichtsverhandlung ist Teil der Geschichte und ein Untersuchungsrichter, im Tal, auf der Suche nach der Wahrheit. Dennoch ist es kein klassischer Krimi, kein Regionalkrimi, kein Kriminalroman. Mord und Ermittlung. Im Fokus stehen jedoch die verschiedenen Rückblicke und die Gegenwart. Amelia, die einzige die den Brand 1889 überlebte, kehrt 1920 zurück ins Dorf zu ihrem Ziehvater.

Die Ereignisse beginnen mit der Nacht in dem das Baumgartnerhaus niederbrannte. Vier Tote, eine Überlebende. Und kurz darauf die Gerichtsverhandlung, ein Urteilsspruch. Die Geschichte könnte enden, v´bevor sie überhaupt begann. Doch waren es wirklich die zwei Löter, die auf so brutale Weise gemordet haben?

Das Töten, einmal begonnen, entwickelt ein Eigenleben.

Seite 202

Niemand kann sich erklären, warum die Familie, darunter ein Baby, ermordet wurde. Und warum Amelia fliehen konnte. Doch nachdem schnell zwei Täter gefunden waren, wurde das Tal wieder stumm. Es wurde nichts angesprochen. Es wurde hinter vorgehaltener Hand getuschelt. Außer wenn es um Sepp ging, der einzige Mensch im Dorf, der nicht schweigt.

Meine einzige Kritik an der Geschichte sind die lauten Stimmen gegenüber Sepp, wo sonst ein ganzes Dorf schweigt und stumm verurteilt. Dahingehend ist mir die Epoche schlicht egal, die Authentizität erreicht der Roman auch ohne den widerwärtigen Umgang mit Sepp.

Die Atmosphäre der Geschichte ist alles, was ich brauchte, um mich im Tal niederzulassen. Düster sind die Ereignisse zu Beginn und dieses Gefühl schwebte über die Zeilen, während ich immer tiefer ins Dorf ging, in die Gedanken von Amelia und Erl, ihrem Ziehvater. Von Beginn an wird deutlich, dass die Nacht nicht so verlief, wie die knapp vierjährige Amelia vor Gericht schildert. Zu einstudiert wirken ihre Antworten. Und knapp dreißig Jahre später ist ihr von dem Abend nichts mehr vor Augen, nur bruchstückhaft erscheinen Fetzen der Vergangenheit.

Kaum begann Amelia ihren Rückweg ins Tal, flammte immer wieder die Hitze vor ihr auf und durch einzelne Rückblicke die nach der verhängnisvollen Nacht spielen, wurde ich auf diese Reise zurück nach Hause, in die Vergangenheit, mitgenommen. Immer wieder fragte ich mich, was wirklich geschah. Ich begann zu erahnen und wurde zum Ende hin nicht überrascht, als sich aufklärte was geschah. Und doch war es nicht gänzlich so, wie ich es mir gedacht hatte.

Die Geschichte beruht auf wahren Ereignissen und ist fiktiv erzählt, was nochmals zur Atmosphäre beiträgt und durch den Akzent der Menschen unterstrichen wird. Mir ging es ähnlich wie Alexandra, dessen kurze Eindrücke ich unten verlinkt habe, ich musste ebenfalls direkt an „Tannöd“ von Andrea Maria Schenkel denken. Beide Bücher sind sich in der Atmosphäre und düsteren Ereignisse sehr ähnlich. Die Geschichte überzeugt durch seinen Verlauf, ohne dabei zu schnell voranzuschreiten. Ein einnehmender Roman, welchen ich äußerst gerne gelesen habe.

Rezension verfasst von © Janna

Wirst du dich ins Tal begeben oder warst du bereits dort?

BUCHDETAILS

Titel: Das stumme Tal
Einzelband
Autorin: Sophie Reyer
Verlag: emons
– Weitere Eindrücke –

>>Erinnert mich ganz stark an „Tannöd“ und besitzt eine ähnlich dunkle Faszination.<<
(The Read Pack)
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Pink Anemone
1 Monat her

Also nach Deiner Rezi hab ich auch gleich das Buch geamazont und mir die Leseprobe gegönnt. Deine Rezi klingt sooo vielversprechend, aber der Schreibstil will einfach nicht so passen. Klingt zu gewollt und erzwungen lyrisch und ein 4-jähriges Kind denkt sicher nicht so.
Schade drum, denn der Fall selbst klingt wirklich interessant.

Liebe Grüße, usw *g*

Anja aka Ana
2 Monate her

Hallo,

tatsächlich werde ich mich nicht ins Tal begeben. Die Leseprobe hat mich nicht angesprochen. Es gibt ja Dinge, da reibt man sich dran und so ist es mir schon bei der Leseprobe und dem Stil gegangen.
Ich kann nicht genau sagen woran es lag, aber es passte halt nicht.

So wie die Geschichten von Heitz und ich keine Freunde mehr werden, da sein Stil auch nicht meins ist. Was soll man da machen?
Außer vielleicht der Tatsache, dass einem nicht alles gefallen kann.

Viele kalte Grüße aus dem Ruhrgebiet.

Anja

Anja aka Ana
Reply to  Janna
2 Monate her

Na prima, jetzt gehe ich Tannöd googeln… Da denkt man, diesmal hat sich mich nicht bekommen und dann so eine Antwort.. *lach*

GLG