„Daisy Jones & The Six“ | Taylor Jenkins Reid

Sex, Drugs and Rock’n’Roll

Dieses Buch hat die Atmosphäre des Rocks der 70er Jahre absolut gelungen eingefangen und besticht gerade durch die ungewöhnliche Erzählform. Definitiv ein Titel mit Jahres-Highlight-Potenzial!

Daisy Jones, jung, schön, von ihren Eltern vernachlässigt, hat eine klare Stimme und einen starken Willen: Sie möchte mit ihren eigenen Songs auf der Bühne stehen. Als sie zum ersten Mal gemeinsam mit THE SIX auftritt, ist das Publikum elektrisiert von ihr und Billy, dem Leadsänger der Band. Die beiden zusammen sind nicht nur auf der Bühne explosiv und führen die Band zu ihrem größten Erfolg, auch Backstage sprühen die Funken … 

Inhalt laut Verlag

Welch ein Buch! Zu schade, dass es die Band gar nicht gab und ich beim Lesen ihrem Sound nicht lauschen konnte. Dafür jedoch habe ich im Internet gelesen, das eine Mini-Serie dazu folgen soll, bin jetzt schon wahnsinnig gespannt darauf! Mich hat die Geschichte absolut einnehmen können, sehr atmosphärisch geschrieben!

Die Musik ist der Mittelpunkt dieser Geschichte, doch geht es dabei um so viel mehr. Es geht um die Tiefe der Texte, um das Miteinander, ungesagte Worte, Frauenpower und Feminismus und um die Schwächen des Menschen.

Ich denke, man muss an Menschen glauben, bevor sie es verdienen. Sonst wäre es ja auch gar kein Glauben, oder?

Camila, Seite 86

Die 70er waren in der Musikszene bestimmt von Alkohol und Drogen, dies findet auch in dieser Geschichte einen Platz und skizziert mehrere Menschen, die sich dieser Sucht hingeben, sich darin verlieren. Die Folgen solch einer Sucht werden ebenso thematisiert wie das Leben, nachdem eine Person clean wurde. Es geht um die Hürden, die sich besonders in dieser Branche einem in den Weg stellen und die Familie, die darauf vertraut, dass diese Hürden – gemeinsam – überwunden werden. Dabei geht es um keine rosa Zuckerwatte-Momente, denn besonders Billys Weg ist steinig und schwer, vor allem der Schritt zum Entzug.

Der Autorin ist es gut gelungen, um die Band herum verschiedene Lebensgeschichten zu skizzieren, die nicht abdriften, sondern punktgenau eingearbeitet sind. Die Herausforderungen innerhalb der Band, die Probleme der zwischenmenschlichen Beziehungen und besonders Daisy und ihrem Umgang mit den Erwartungen anderer.

Ich hab angezogen, was ich anziehen wollte. Ich hab gemacht, was ich wollte und mit wem ich wollte. Und wenn das jemandem nicht gefiel, dann Pech gehabt.

Daisy, Seite 105

Besonders bei dieser Protagonistin ist es ein Drahtseilakt zwischen Vorbild und eigenem verloren sein. Doch gerade dies gefiel mir unheimlich gut, denn eine Sucht ist eine Krankheit, keine Schwäche und sich, besonders zur damaligen Zeit, als Frau im Musikbusiness zu behaupten, eine Herausforderung. Nicht jedoch für Daisy Jones. Dies wird immer mal wieder in einzelnen Aussagen aufgegriffen und legt zum Ende hin (Seite 268 – 269) nochmal gezielt den Fokus darauf. Bis heute ist es leider eine Tatsache, das Frauen, die ihren Körper zeigen, schnell als Freizügig gelten, angeblich anderen gefallen wollen oder im schlimmsten Fall dazu gedrängt wurden. Dass eine Frau sich in ihrem Körper wohlfühlt und diesen präsentiert, ohne dabei auf sexueller Ebene etwas aussagen zu wollen, kommt manchen erst gar nicht in den Sinn. Die Autorin hat den Subtext solcher Fotos gelungen in Worte eingefangen und skizziert, was ihre Protagonistin damit, unbewusst oder bewusst, vermitteln will. Die Musikszene ist eine Männerdomäne, welcher sich Daisy nicht fügt und klar ihren eigenen Weg bestreitet.

Dabei kommt die Musik auf keiner Seite zu kurz, es ist ein gelungenes Gesamtbild der Band, des damaligen Lebens und der einzelnen Menschen. Die Leidenschaft, die sie verbindet und die Leidenschaft an der die Band zerbricht. Es geht um die Tiefe der Musik, wie sie uns berührt und was sie bewegen kann. Es ist vielleicht auch ein Blick in uns selbst, unsere Sehnsüchte und unser Schmerz.

Und genau das wollen wir von der Kunst, oder? Dass jemand etwas auf den Punkt bringt, von dem wir das Gefühl haben, es wohnt in uns. Reißt einem ein Stück vom eigenen Herzen heraus und zeigt es einem. Das ist, als würde man mit einem Teil seiner selbst vertraut gemacht.

Billy, Seite 213

Okay, vielleicht hat dieses Buch nicht nur Potenzial, sondern gehört zu den Jahreshighlights 2020, ich war von der ersten bis zur letzten Seite in einem regelrechten Sog! Und besonders der Interview-Stil ist absolut stimmig und gut umgesetzt, anders hätte die Geschichte von „Daisy Jones & The Six“ vielleicht auch gar nicht so intensiv auf mich gewirkt.

Rezension verfasst von © Janna

Wirst du dich in die 70er lesen?

| Anzeige | Buchdetails & andere Rezensionen:

Titel: Daisy Jones & The Six
Buchreihe: Einzelband
Autorin: Taylor Jenkins Reid
Verlag: Ullstein

– Weitere Eindrücke –
Im BuchwinkelLeselust
The Art Of Reading
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-Leselust Bücherblog-
14 Tage her

Liebe Janna,
Ach wie schön, dass dir das Buch auch so gut gefallen hat. Bei mir steht es definitiv auch auf der Liste mit den Kandidaten für die Jahreshighlights 2020. Und es hat uns beiden anscheinend aus den selben Gründen gut gefallen. :)
Und ja, ich hätte beim Lesen auch gern Musik von Daisy Jones & The Six gehört.^^
Das es eine Serie dazu geben soll, wusste ich noch gar nicht. Das ist ja cool!
Liebe Grüße
Julia

Nico aus dem Buchwinkel
1 Monat her

Hey Janna =) Yeah! Tolle Rezension! Du hast einige Dinge in Worte gefasst, die ich zwar auch bemerkt habe, aber nicht so Recht in Worte fassen konnte. Den Teil mit Daisys Umgang mit ihrem Körper und der öffentlichen Interpretation dieses Umgangs zum Beispiel. Schön, dass du das Buch genauso sehr mochtest, wie ich. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich das Buch ja zusätzlich im englischen Original, signiert und mit Sondercover besitze. Trotzdem konnte mich die Geschichte auf den ersten Blick nicht so wahnsinnig motivieren, so dass das Buch ewig auf meinem SuB vor sich hin schlummerte, bis ich… Read more »

RoXXie
1 Monat her

Hallo Janna,

erst einmal vielen Dank für die Verlinkung. Ich werde diese Besprechung hier bei mir ebenfalls verlinken, in den kommenden Tagen. ;)

Es freut mich, dass dich das Buch ebenfalls so begeistert hat. Ich habe zwischenzeitlich beim Lesen immer gedacht, daß klingt zu real um fiktiv zu sein. Und hätte mir nichts sehnlicher gewünscht, als nebenbei der Musik zu lauschen.

Das mach ich meistens, wenn ich Biographien von Musiker*innen lese. Das schafft eine tolle Atmosphäre.

Liebe Grüße,
RoXXie