„Die Chroniken von Alice – Die Schwarze Königin“ | Christina Henry

Das Buch wurde mir vom Bloggerportal kostenlos zum Lesen und Rezensieren zur Verfügung gestellt. Meine Rezension basiert ausschließlich auf meinen persönlichen Leseeindrücken und wird durch eine Bereitstellung des Buches nicht beeinflusst.


Das Reich der Weißen Königin

Alice hat den Kampf gegen den Wahnsinn gewonnen – vorerst. Sie hat die Schandtaten des Kaninchens sowie den Blutdurst des Jabberwocks überlebt und will nun ein Versprechen einlösen: Jenny, die Tochter ihres Freundes Hatcher, zu finden. Doch Alice und Hatcher erwartet der nächste Albtraum. Sie müssen in das Reich der verrückten Weißen Königin vordringen, wo das wahre Spiel um das finstere Wunderland bereits begonnen hat. Jeder Zug führt Alice näher an ihre Bestimmung. Aber damit sie als Siegerin hervorgeht, muss sie nicht nur ihre neuen Kräfte zu beherrschen lernen, sondern herausfinden, was mit der rätselhaften Schwarzen Königin geschehen ist …

Inhalt laut Verlag

Mir gefiel der Reihenauftakt (Rezension & Rezept zum Buch) sehr, ich mag Geschichten, die düster sind, Ecken und Kante haben. Es ist gewaltvoll, das schon, wer solche Szenen nicht lesen mag, lässt einfach die Finger davon. Ich bin eine Leserin, die sich in solchen Geschichten … nun, wie formuliere ich das? Düstere Geschichten üben einen besonderen Reiz auf mich aus und da der erste Band sogar eine Triggerwarnung gebraucht hätte, habe ich mich auch im Folgeband auf eben solche Szenen eingestellt.

Es ist jedoch weitaus harmloser, nicht so brutal, wie sein Vorgänger. Es gibt einzelne Szenen, die deutlich die Ereignisse beschreiben, doch im Vergleich nicht wirklich eine Warnung vorweg bräuchten. Es wird nur am Rande erwähnt, was Alice zustieß, ich denke einfach um den Leser:innen eine Gedankenstütze zu bauen, weshalb es auch den Prolog gibt. Da die Bücher jedoch nicht komplex sind, hätte es dies für mich nicht gebraucht. Es handelt sich dabei aber auch nur um zwei Seiten, also hat dies keinen Einfluss auf mein Leseerlebnis.

Im Gegensatz zum ersten Band fehlte mir das Düstere, wobei meine Mitleserinnen dies anders empfanden. Es wurde mir zu viel drumherum geschrieben und besonders die kursiven Sätze, die Gedanken von Alice, störten mich diesmal. Sie ist jung, aber irgendwie war es im Gesamten nicht stimmig. Auch grundlegend baute sich keine einnehmende Atmosphäre auf, weil vieles umschrieben und einzelne Szenen einfach zu schnell abgehandelt wurden!

Wir haben das Buch in vier Abschnitte eingeteilt, wovon zwei mir wirklich gut gefielen und die anderen mich nicht für sich einnehmen konnten. Nach der Brandwüste gelangen Alice und Hatcher ins Reich der Weißen Königin, bei dem es sich an Regeln zu halten gilt, um nicht zu sterben. Dies steht auf keinem Brett und so ist es allein Alice zu verdanken, das sie die erste Nacht überleben. Eben diese Regeln sind nie ganz greifbar und wären ein gelungener Ausgangspunkt für eine umklammernde Angst gewesen. Alice ist jedoch so sehr damit beschäftigt nicht an das Wesen im Glas zu denken und sich die Welt ein wenig schönzureden, so das dies etwas in den Hintergrund gerät. Dafür gewährt die Perspektive, die später aus Hatchers Sicht kurz beschrieben wird, einen gelungenen Einblick in all die Verwirrung und das Leid tief in ihm. Ein Schmerz der ihn begleitet, seit Alice ihn kennt.

„Die Welt verschlingt uns, kaut uns durch und spuckt uns wieder aus“, sagte Hatcher, der auf seine verblüffende Art ihre Gedanken las. „Glückliche Ausgänge sind eher Zufall.“

Seite 37

Dieser Band ließ sich ebenso zügig lesen, wie sein Vorgänger, auch wenn mich die Geschichte nicht gänzlich für sich einnehmen konnte. Ich frage mich, warum die Autorin von einer brutal düsteren Adaption hier versuchte umzuschwenken. Wenn ich mir die Beschreibungen der noch kommenden Bände der „Die dunklen Chroniken“-Reihe anschaue, klingen die zukünftigen Märchenadaptionen nicht freundlicher als ihr erster Alice-Band. Somit kann es schwerlich daran liegen, das befürchtet würde, Leser:innen kehren dieser Reihe den Rücken.

Es geht mir dabei nicht um Gewaltverherrlichung, düstere Geschichten können auch ohne solche Szenen eine schaurige Atmosphäre schaffen, für mich war es jedoch sehr stimmig und ich kann es nicht anders formulieren, ich verfalle solchen Büchern. All dies kommt bei diesem Folgeband nur im Kleinen vor, denn kaum beginnt es, ist die Szene auch schon in die Nächste übergegangen oder die Problematik wurde erst gar nicht zu einer, weil es direkt gelöst wurde.

Es gab auch Abschnitte, die mir gefielen, sonst hätte ich das Buch beiseite gelegt. Und die Frage was sich hinter dem Titel verbirgt, trieb mich ebenso an. Der Aschekönig oder Graue König hätte mehr Raum einnehmen und Angst verbreiten dürfen, denn seine Versuche Alice für sich einzunehmen, hätten eine wirklich schaurige Atmosphäre erschaffen können! Die Geschichte hatte einige Szenen, die viel Potenzial hatten, warum hat die Autorin diese nicht ausgeschöpft? Hat sie sich in ihrer Umsetzung etwas verloren?

Das Grinser es geschafft hat, wieder Zugang zu Alice Gedanken zu erhalten, fand ich sehr gelungen. Im Original und in dieser Adaption ist seine Rolle undurchsichtig, seine Absichten lassen sich nicht greifen, weshalb ich ihn wohl so gerne lese. Immer wieder taucht er in ihrem Kopf auf, rügt und leitet sie, ohne ihr gänzlich eine Hilfe zu sein. Hatcher trat, trotz seiner Präsenz zu Beginn, in den Hintergrund, hat mich emotional aber wirklich getroffen! Zunächst verliert er durch einen Verlust fast den Boden unter den Füßen und die Trennung, die wenig später darauf folgt, musste sein, schmerzte jedoch beim Lesen.

Ich habe mich nach dem Ende gefragt, was wohl im dritten Band geschieht und dann aus Neugierde die Inhaltsbeschreibung gelesen. Dies ist kein Folgeband, sondern verschiedene Kurzgeschichten, die vor der Flucht aus der alten Stadt spielt´en. Nachdem mich dieser Band nicht mehr so fesseln konnte wie der erste Band, war ich schon am überlegen, doch da es sich um eine Alice-Anthologie der Henry-Adaptionen handelt, werde ich es definitiv lesen!

Rezension verfasst von © Janna

Auch zum 2. Band gibt es wieder ein passendes Rezept!

| Anzeige | Buchdetails & andere Rezensionen:

Titel: Die Chroniken von Alice – Die schwarze Königin
Buchreihe: 2. Band
Autorin: Christina Henry
Verlag: Penhaligon | Blanvalet – Verlagsgruppe Random House
Die Chroniken von Alice-Reihe
Band 1 ~ „Finsternis im Wunderland“
Band 2 ~ „Die Schwarze Königin“
Band 3 ~ „Dunkelheit im Spiegelland“ (erscheint voraussichtlich April 2021)

– #MadAlice Eindrücke –
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Nicole
2 Tage her

Hallo Janna,

ich wollte eigentlich warten bis ich das Buch selbst gelesen habe. Aber das wird wohl noch ein bisschen dauern und die Neugier hat gesiegt. :D

Insgesamt klingt es ja wenig begeistert. Gerade das Düstere hat mir im ersten Band so gut gefallen. Ich setze mal auf deine Mitleserinnen und hoffe sehr, dass ich mich eher ihnen anschließen kann.

Liebe Grüße & schönen Abend,

Tina
13 Tage her

Hallöchen Janna, jetzt hab ich mir den Beitrag aufgehoben bis ich mit dem Buch durch bin. Also, ich kann gut nachvollziehen, was du meinst bezüglich des Schwenks der Autorin. Mir persönlich hat das trotzdem sehr gut gefallen. Irgendwie war es Alice Selbstfindungstrip. Ich meine, wir reden immer noch von einer 26-Jährigen, die im letzten Band auf den Stand einer traumatisierten 16-Jährigen war, die zwar eine Entwicklung gemacht hat, aber nicht im Alleingang. Das wurde im 2. Band „nachgeholt“, berechtigt. Den Rest werde ich mal noch sacken lassen :-) Liebe Grüße Tina P.S. Oh ja, ich mochte Grinsers gedankliche Einsätze auch… Read more »

Tina
Reply to  Janna
13 Tage her

Verschiedene Meinungen eröffnen neue Perspektiven :)

Die Rezi braucht noch ein paar Tage. Plan ist nächste Woche, mal sehen.

Liebe Grüße
Tina

LeseWelle
21 Tage her

Hallo Janna!
Ja, mir fehlte auch das düstere aus Band 1. Aber im großen und ganzen bin ich dann doch unterhalten worden. Werde auf jeden Fall auch ihre anderen Bücher lesen. Vielleicht können wir ja dann wieder eine Leserunde starten. :D
Liebe Grüße
Diana

Buchperlenblog
22 Tage her

Meine Liebe! Ich hatte anfangs auch so meine Probleme mit dem zweiten Band, hab ihn angefangen, weggelegt und erst im Zuge unserer ersten Leserunde dann mitgenommen. Ich finde, man muss sich da auf jeden Fall auf ein ganz anderes Setting einlassen. Es ist viel märchenhafter, weniger brutal, hinterlässt ein ganz anderes Gefühl als noch die brachiale Gewalt aus dem ersten Teil. Die Kurzgeschichten aus Band 3 sind wirklich schön, sie schaffen eine gute Verbindung zur Hauptgeschichte, man lernt Alice‘ Welt besser kennen, man kann einen tieferen Einblick in Hatchers Vergangenheit werfen UND erfährt auch tatsächlich, wie es nach Band 2… Read more »

Buchperlenblog
Reply to  Janna
21 Tage her

Nun, dann würde ich dir empfehlen, zuerst die Meerjungfrau zu lesen, danach Rotkäppchen, dann den dritten Alice Band und dann Peter Pan, mit dem Buch hab ich bei ihr angefangen und der ist für mich ungeschlagen der beste. :D

Ohhh ob Ghost Tree übersetzt wird, weiß ich nicht. Das Buch ist erst jetzt im September erschienen, und da unser Buchmarkt ja Henry nun einmal entdeckt hat, möchte ich es doch annehmen. Aber wissen tu ichs ned =D (das hat im übrigen auch wieder ein total schönes Cover bekommen <3)