„Buchixus Lesedingens“ oder: Die Sache mit den Büchern – Part II

Im März letzten Jahres, als Janna in Leipzig auf der Messe weilte, hatte ich mich ein bisschen mit und an einem buchigen Beitrag ausgetobt.
Buchixus Lesedingens“ oder: Die Sache mit den Büchern“ entstand sehr spontan und war, mit einem schelmischen Lächeln in meinem Gesicht, recht schnell geschrieben.
Darum und um mehr ging es:
Die „Buchixus Lesedingens“, den lesenden Menschen auch als Buchblüher bekannt, ist nun in der Phase des ersten Blütenstandes.
Lange habe ich überlegt, wie und mit was ich da anschließen könnte und eine schlaflose Nacht führte dann zu einem Geistesblitz und schon war ich wieder in der Welt der Buchblüher und teile meine Erkenntnisse sehr gerne mit Euch *Augenzwinkermodus an*

buchige Steckbriefe

All diese wunderbaren Buchblüher entwickeln, wie in dem Vorgängerbeitrag zu erfahren war, eine enorme Vielfalt. Von der kleinen Buchbohne bis zur komplett entwickelten Frucht, auch Buch genannt, dauert es eine Weile. Aber dann, wenn sie fix und fertig sind, hübsch in ihren unterschiedlichsten Varianten auf neue Besitzer_innen warten, ja dann ist es an deren Geschmackssinnen gelegen zu welcher Ausgabe gegriffen wird. Im allgemeinen Sprachgebrauch der lesenden Menschen werden diese auch Genre genannt.

Hier eine kleine Auswahl und die Besonderheiten der Genres, die damit einhergehen.

Crimen delicti comisarius

Mit eines der gefährlicheren Genres.
Geerntet wird das ganze Jahr über, vorzugsweise mit Handschuhen, ab und an benötigt man mal eine Lupe und es kommt durchaus vor, dass viele Leute befragt werden müssen, um diesem Genre auf die Spur zu kommen. Die Suche lohnt sich in den meisten Fällen und bringt spannende Stunden.

Vom Aussehen her kommt diese Variante gerne mit schlagkräftigen Argumenten oder scharfen Gegenständen um die Ecke, es können allerdings auch giftige Stoffe vorhanden sein, deshalb ist immer mit allem zu rechnen.
Meist verbirgt sich im Inneren eine ganze Schar an Personen, die irre beschäftigt sind, es kann aber durchaus auch eine einzelne sein, die Fährten verfolgt und letztendlich einen bestimmten Tat- äh Fundort inspiziert.
Der „Crimen delicti comisarius“ sollte nach Möglichkeit ohne Coffein oder andere aufputschende Mittel zu sich genommen werden, da es von Natur aus schon sehr aufregend ist.


Romanticia Amorikus

Die Zartheit in Person oder das harmlosere Genre schlechthin. Wobei es durchaus zu kleinen Eifersüchteleien oder unerfüllten Wünschen kommen kann.
Eingefleischte Fans schwören auf die Stunden voller Wohlgefallen, die der Genuss dieses Genres mit sich bringen. Love is in the air und das in den unterschiedlichsten Kombinationen.

Meist entwickelt sich der Inhalt sehr langsam und zart, bringt dennoch bange Stunden mit sich und die Frage ob die betreffenden Menschen sich denn endlich finden werden.
Es kann zu amourösen Abenteuern kommen, wobei sich leidenschaftliche Konstellationen bilden können.
Die oftmals wunderschönen Genres kleiden sich in farbenfrohen Gewändern und spiegeln den Duft von Blütenwiesen, den Flair der Strandpromenaden und herzliche Städtereisen. Sie gelten mit ihrer majestätischen Eleganz zu den Königinnen unter den blühenden Büchern.
Da muss einem ja das Herz aufgehen.


Horriablus Incubus

Ist der Crimen schon nervenzerreißend, gehört diese Gattung zu der Sorte, deren Genuss extreme Folgereaktionen verursachen kann.
Ihr Stelldichein geben sich die Inhalte auf Friedhöfen, alten verlassenen Häusern oder Kellern.
Die richtige Zeit zum Ernten ist bei Nebel oder Vollmond, vorzugsweise in abgelegenen Gegenden.

Hierbei kann es unter die Haut gehen oder vermehrt zum Aufstellen der Härchen, besonders im Nackenbereich, führen.
Hartgesottene belächeln ängstliche Nutzer gerne und lieben es den Schauer zwischen den Seiten zu spüren. Als Folgereaktion kann es zu vermehrten Aufschreien, schrillem Kreischen oder den vorsichtigen Blick über die Schulter führen.
Die Saat für dieses Genre ist meist tiefschwarz, mit roten Sprengel versetzt und hat auch oft einen eher süßlich herben Geruch, manche meinen auch es wäre ein eher metallischer Geschmack.
Geerntet wird grundsätzlich im Dunkeln, meist von jungen Frauen, die immer erst rufen ob jemand da ist, bevor sie sich ans Werk machen.
Es soll sogar zu unheimlichen Kräften kommen und gelegentlich wird auch von einem plötzlich aufkommenden Heißhunger berichtet.
Also immer den Rücken freihalten!


Spacilubulum Universumrum

Die gefühlte Schwerelosigkeit macht es zu einem besonderem Genre, dessen Inhalte nicht nur herumschwirren, ganze Welten auf den Kopf stellen oder haarige Wesen, bei Kampf gegen in Blech gekleidete Unholde, entstehen lassen.

Wie Sauerstoff zum Atmen brauchen die realen Fans, dieses Abtauchen in spacige Fremdartigkeiten und neu erschaffener Gegenstände, auch in Sachen Fortbewegung. Beam me up!

Ein Ernte unter dem Sternenhimmel, insbesondere bei vermehrtem Sternschnuppenaufkommen, kann zu unvergesslichen Abenteuern führen.
Die Anziehungskraft setzt dabei so manche existente Regel außer Kraft und wer nicht aufpasst, findet sich auf einmal ganz woanders wieder vor.
Beugt man sich ganz tief in dieses Genre hinein und lauscht hoch konzentriert, lassen sich leise Plings, Wuuuschs und Zoings hören.
Es ist durchaus berechtigt zu sagen, diese aus metallicfarbenen Buchbohnen entstandenen Früchte, sind nicht von dieser Welt.
Nach Hause telefonieren?


Fabularis Fantasicum

Diese Früchte kommen nicht ohne Glitzer und Feenstaub aus. Es gibt allerdings auch die Sorten, in denen wilde Wesen umherirren und Steine sprechen können.
Es wurde sogar schon über Sichtungen von Einhörnern berichtet. Es ist mit der Wahrnehmung von Elfen, sowie seltsamen Geschehnissen, insbesondere an Bahnhöfen, zu rechnen.

Auffindbar sind diese Genres sehr oft in Wäldern, alten englischen Landsitzen und Schlössern. Gut verborgen unter Moos und Farnen versteckt, lassen sie ihrem Zauber freien Lauf, wenn die richtigen Worte gesagt werden. Kein Hokuspokus und Simsalabim kann die Kraft der märchenhaften und legendären Inhalte stoppen.
Es kann einem die Sinne rauben und in Welten entführen, deren gestalterische Vielfalt eine Explosion an Farben, Geräuschen und Erlebnissen offenbaren.
Von rosarot bis zu einem düsteren schwarz ist alles möglich.
Nichts ist sonderbar, alles möglich und wer richtig tief gräbt, bekommt die besten Stücke.
Knusper, knusper Knäuschen?


Das war es vorerst. Dieses Jahr ist noch jung und wer weiß, was sich da noch alles so auftut. Es spriesst schon so manche Knospe und wartet nur darauf sich voll entfalten zu können. Manche brauchen etwas länger, andere dagegen stehen schon in den Startlöchern.

Diesen Beitrag habe ich mit Vorfreude auf die Leipziger Buchmesse geschrieben, denn dieses Jahr bleibe ich nicht zu Hause, sondern werde in den heiligen Hallen wandeln, all die buchigen Exemplare beschnuppern, sie bestaunen in ihrer Pracht und Vielfalt, sowie bestimmt auch das ein oder andere anfassen müssen.
Und das beste daran? Wir sind zusammen unterwegs, Janna und ich.
Habt eine tolle Zeit, Eure Kerstin :-*

~ Fortsetzung folgt ~

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Anett
8 Monate her

Hallo Kerstin,
was für ein toller Beitrag! Ich hatte schon den letztes Jahr geliebt, der hier lockt mir ein Lachen ins Gesicht!
Vielen Dank dafür :)

Liebe Grüße Anett

LeseWelle
8 Monate her

Hallo Kerstin!
Ich hatte schon mit einem Lächeln im Gesicht deinen ersten Beitrag gelesen und muss sagen, auch dein zweiter Beitrag ist wieder sehr gelungen. :)
Ich bin froh das du ein Fortsetzung folgt darunter geschrieben hast und ich mich auf einen weiteren tollen Beitrag von dir zu den Buchblühern lesen kann.
Viel Spaß euch beiden auf der Leipziger Buchmesse. :-*
Liebe Grüße
Diana

RoXXie SiXX
8 Monate her

Hahahaha,

oh wie schön. Ich musste den ganzen Beitrag über ganz breit grinsen.
Das hast du sooooo schön geschrieben. Danke dafür *Made My Day*.

Buchige & lesende Grüße
RoXXie

RoXXie SiXX
Reply to  Kerstin
8 Monate her

Huhu Kerstin,
ich habe diesen Beitrag heute in meiner „Stöberrunde“ geteilt. In der Hoffnung noch mehr Leuten ein Grinsen aufs Gesicht zu zaubern.

Meine Stöberrunde

Liebste Grüße und ein schönes Wochenden,
RoXXie