„Briefe aus dem Sturm“ | Nikas Erben

Die zweite Anthologie nach „Sehnsuchtsfluchten“ (Rezension) konnte mich ebenfalls verzaubern und so kam auch „Herzgezeiten“ nun auf meine Wunschliste!

Es gibt kein Medium, in dem Worte so sorgfältig ausgewählt werden wie handschriftlich auf einem Blatt Papier. Mit Briefen wurden Kriege erklärt sowie Morde gebeichtet. Sie wurden schon zerrissen und geküsst oder dafür genutzt, den geliebten Menschen in Übersee etwas lauter zu vermissen. Meine Seele kann ich nur Papier anvertrauen, heißt es in einer der sechzehn Geschichten von verschiedenen Autoren in diesem Buch. Nimm dir Zeit, denn dieser Brief ist für dich. Öffne ihn.

Klappentext

Das geschriebene Wort

Dreizehn Autor:innen, eine Vielzahl an Illustrationen und 16 Kurzgeschichten, eine Anthologie, fast eine Hommage an das geschriebene Wort, dem Briefe schreiben. Wann hast du zuletzt einen handschriftlichen Brief verfasst? Keine Mail, keine Karte zu einem Anlass, sondern tiefe Einblicke in deine Gedanken und Gefühle, Seitenweise Wort an Wort. Ich muss gestehen, das es bei mir schon einige Zeit her ist und mich dieses Buch wieder dazu verführt hat!

Eine Anthologie innerhalb einer Rezension wiederzugeben fällt mir nie leicht, da zu schnell zu viel von einzelnen Geschichten verraten werden kann. Ein paar Zeilen habe ich dem Buch entnommen, um dir das Spektrum aller Worte zu skizzieren. An Intensität fehlte es mir nicht, jedoch an einer Triggerwarnung, denn neben unterhaltsamen Geschichten gibt es auch schmerzvolle.

*KLICK MICH, um den Triggerhinweis zu lesen* Viele Geschichten setzen sich mit dem Tod, der Trauer und dem Abschied auseinander. Ebenfalls sind einige der Geschichten von einer gewissen Melancholie getragen, da es auch um Verluste von Menschen geht, deren Wege einen anderen Verlauf genommen haben

Wie auch die Texte im Buch hülle ich den Inhalt der einzelnen Geschichten in wenige Worte, die alles sagen. Gelungen ist jede einzelne, wenn auch nicht alle mich gleichermaßen einnehmen konnten. Dies gibt das Lesen einer Anthologie im Gesamten gut wieder, denn wie die Menschen im echten Leben, können auch nicht alle Geschichten in der Fiktion verzaubern.

Meine letzte Kraft ist verbraucht, ich bin nur noch ein schwacher Nebel, bald wird mein Bewusstsein erloschen sein.

Aus „Das Haus der verlorenen Zeit“ von Nicole Neubauer

Die Gegenwart trifft auf die Vergangenheit, verlorene Möglichkeiten, dessen Schmerz herauszulesen ist.

Die Angst, die Trauer und Verzweiflung der letzten Jahre fließen aus mir heraus. Nicht gezähmt durch Tinte und Papier, sondern roh und urgewaltig, wie eine Sturmflut im Sternenmeer.

Aus „Kälteschlaf“ von Esther Wagner (Illustratorin)

Eine wunderschöne Geschichte über den Wert von Nähe und Erinnerung.

Irgendwo dazwischen ist jetzt zu nah.

Aus „Von Möbeln und Marotten“ von Wiebke Tillenburg (Herausgeberin)

Aufgrund meiner Nähe zur Protagonistin berührte mich diese Geschichte besonders.

Ich schreibe Briefe an einen Menschen ohne Adresse, an einen Namen voller Erinnerungen.

Aus „Meine Wahrheit“ von Kia Kahawa

Eine Geschichte aus Fiktion und Auszügen originaler (echter) Briefe, in dem das Schreiben zur Trauerbewältigung beiträgt.

„Das ist gar kein Brief. Sie hat nur zwei Worte geschrieben.“
„Das ist viel mehr. Das ist eine Gesprächseröffnung, eine Einladung zum Dialog!“

Aus „Moleküle der Wolken“ von Magret Kindermann (Herausgeberin)

Ein Mensch, der sein Sein spürt, seine Umwelt, um dann im scheinbaren Nichts zu verschwinden.

Mit den Händen auf den Oberschenkeln sitzend ließ er sich von den Geräuschen der Nacht unterhalten.

Aus „Von Türmen und Nächten“ von Wolfgang Lamar

Ein in sich tief vergrabener Schmerz, und sich nähern auf Distanz, hier werden sich vielleicht einige wiederfinden, auf welcher Seite auch immer.

Mein Schwung liebkost das feine Muster deiner Adern, benetzt dein Herz mit dunklem Gift.

Aus „/paperporn“ von M. D. Grand

Welch Text! Gedanken gehüllt in Worte, gebannt auf Papier und das daraus entstehende Gefühl.

Seit er ihn auf ihr Bett gelegt hatte, roch es aufdringlich nach Lavendel. Wie früher.

Aus „Der Ohrring“ von June Is

Eine Kette der Ereignisse, die am Ende zusammenläuft und sich nicht mehr vereint.

Dieser seltsamer Ort, den sie aus all den Gerüchten nicht wiedererkennt, hat ihre Wirklichkeit gestohlen und sie heillos verwirrt.

Aus „Abgesang“ von Vanessa Glau

Musikalische Verführung, die zur Zweisamkeit in der Einsamkeit führt.

Es ist still. Kein Rauschen mehr, das in seine Ohren dringt

Aus „Das Kandldirndl“ von Alexander Greiner

Eine alte Liebe, die aufgrund einer verspäteten Briefsendung wieder entfacht. Romantik die ich liebe.

Ich hoffe Sie schneiden sich am Papier und verbluten!

Aus „Ein Katzenmittwoch“ von Denny Sachs

Welch gelungene Interaktion von Protagonistin und Leser:in … ich habe trotz aller Warnungen weitergelesen, hat die Protagonistin zunächst nicht erfreut – wundervoll!

Sie findet sich und verliert mich.

Aus „Regenwelten“ von Wiebke Tillenburg

Abschied einer Freundschaft, ungelesene Worte und viel Gefühl zwischen den Zeilen.

[…] wer keine Zukunft mehr hat, besteht nur aus Erinnerung.

Aus „Das Sonnenzimmer“ von Magret Kindermann

Eine sehr persönliche und einnehmende Geschichte, da ich auf die Autorin traf und Zeilen aus echten Briefen las.

Ich habe Welten in deinen Augen gesehen und die sind jetzt in meinem Kopf.

Aus „Am Ende“ von Jessica Iser

Welch wunderschöne Geschichte von einem schreibenden Menschen und der geschriebenen Figur, ihre Beziehung zueinander.

Ich nähe der Wahrheit ein Totenkleid.

Aus „Alle Farben Grau“ von M. D. Grand

Eine schmerzvolle Geschichte eines Verlustes und der aufrechterhaltenden Hoffnung.

Ein Wort eilt hinfort durch den Raum, ein Wort eilt hinfort durch die Zeit.

Aus „Einen alten Baum“ von Julia von Rein-Hrubesch [Herausgeberin der Sehnsuchtsfluchten]

Die Geschichte eines älteren Paares, welche von Liebe und Wünschen handelt.


Jede dieser Geschichten hat eine eigene Illustration und jede Geschichte hat eine handschriftliche Überschrift. Ebenso sind drei von originalen Briefen oder Auszügen daraus nicht nur beeinflusst worden, sondern auch in ihnen zu finden.

Wie ich zu Beginn schon schrieb, ich bin verzückt von diesem Buch und auch die dritte Anthologie steht nun weit oben auf meiner Wunschliste!

Rezension verfasst von © Janna

Schreibst du (noch) Briefe?



BUCHDETAILS
Titel: Briefe aus dem Sturm
Einzelband
Herausgeberinnen und Autorinnen:
Wiebke Tillenburg und Magret Kindermann
Illustratorin und Autorin: Esther Wagner
Autor*innen: Julia von Rein-Hrubesch, Nicole Neubauer, Marlen Dido Grand, Jessica Yasmin Iser, June Is, Denny Sachs, Vanessa Glau, Alexander Greiner, Wolfgang Lamar, Kia Kahawa,
Verlag: BoD | [Selfpublishing]
Anthologien von Nikas Erben:
1. „Sehnsuchtsfluchten“ (Rezension)
2. „Briefe aus dem Sturm“
3. „Herzgezeiten“
4. in Arbeit
– Weitere Eindrücke –

„Spannende, schöne, tiefsinnige, leichte Geschichten aus der Feder von wundervollen Menschen vereinen sich zu diesem Werk. […] Briefe, dass wohl intimste Nachrichtenmedium […]“
Michelle Janßen (A.-Rezension)

„Ganz viel Brief-Liebe!“
Lily Magdalen (Twitter Eindruck)
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4 Kommentare
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Tina
1 Monat her

Liebe Janna,

wie wunderschön ist dieses Buch und ohne dich hätte ich nie einen Blick darauf werfen können. Dankeschön.
Die Idee mit den einzelnen Sätzen/Passagen finde ich auch ganz toll. Ich gebe Gabi recht :-)
Danke dir.

Liebe Grüße
Tina

P.S. Ich wünsche dir einen muckeligen, gemütlichen Herbst in den neuen 4 Wänden.

Gabi
2 Monate her

Liebe Janna,
was für eine schöne Idee, zu jeder Geschichte einen Satz herauszugreifen, um die einzelnen Beiträge zu beschreiben. Bei Kurzgeschichten verrät man tatsächlich schnell zu viel oder es bleibt andererseits zu vage.
Du hast es geschafft, mir einen Eindruck zu verschaffen und mich auch neugierig auf diese Anthologie zu machen. Lange genug steht sie schon auf meiner Leseliste.
Liebe Grüße
Gabi