3 Titel: Nora Bendzko, Eleanor Bardilac, Paula Hawkins

Der Reihe nach!

Die folgenden drei Bücher habe ich im Januar ausgelesen oder begonnen und die Titel werden so vorgestellt, wie ich sie beendet habe. Noras Geschichte war anders als erwartet, Eleanors Geschichte ließ mich den Alltag vergessen und Paulas Buch hatte einen stark bitteren Beigeschmack.

„Die Götter müssen sterben“
von Nora Bendzko

Die Zeit der Unterdrückung ist vorbei! Troja wird fallen, und die Amazonen werden sich endlich an den Helden rächen, die ihresgleichen töteten. So besagt es eine Prophezeiung von Artemis, der Göttin der Jagd, Herrin des Mondes und Hüterin der Frauen. Wenn die prunkvolle Stadt in Schutt und Asche liegt, sollen die Amazonen die Welt beherrschen.

Auszug bzgl. des Inhalts laut des Verlags

Zuallererst ein Danke an den Verlag, welcher mir das Buch
überraschenderweise zukommen ließ.

Ich gestehe, eigentlich wollte ich nichts zu dem Buch schreiben. Schlichtweg, weil ich es wirklich über Monate las und das Gesamte gar nicht mehr in Worte fassen kann. Meine private Situation hat mich so vereinnahmt, dass weder Zeit noch Lust vorhanden waren für das Lesen – zum Leidwesen dieser Geschichte. Ein Buch, welches ich nicht gelesen hätte, wäre es nicht zum einen von Nora und zum anderen von anderen Leser*innen so für die Diversität gefeiert. Nun, nicht ganz einfach bei dieser Voraussetzung, denn in der Geschichte geht es um Mythologie. Im Inhalt, bei den Namen und dem Verlauf der Geschichte. Ein Schwerpunkt, welcher mich buchig nie reizte und genau deshalb waren die Namen für mich auch nicht leicht, ein Glossar wäre wundervoll gewesen!
Was die Figuren im Fokus der Geschichte betraf, die wuchsen mir schnell ans Herz und ich war erfreut nicht von einer Schlacht in die nächste zuziehen. Dass Kampfszenen auftauchten, war mir bewusst und die Ereignisse und Hintergründe haben mich in ihren Bann gezogen. Die Diversität ist Teil der Geschichte, ohne dabei im Mittelpunkt zu stehen oder gewollt zu wirken. Was mir persönlich zusagt. Ich möchte nicht das Wort normal in diesem Zusammenhang nutzen, aber es verdeutlicht am ehesten, was ich meine: die Diversität ist Normalität, Teil der Geschichte in Sexualität, Herkunft und Identität.
Ich war gerne an der Seite der Charaktere, doch das Ende ließ mich mit Blick auf den vorherigen Verlauf doch etwas enttäuscht zurück.

*KLICK MICH, um den aufklappbaren Spoiler zu lesen* Der entscheiden Kampf kam und kaum begann dieser, war dieser auch schon wieder beendet und die Geschichte ausgelesen. So lange habe ich mit den Charakteren Siegesrufe geschrien, Enttäuschungen erlebt, Wunden geheilt, neue Banden geknüpft, alles für diesen alles entscheidenden Kampf, welcher zu schnell abgehandelt wurde. Dass dann auch eine Göttin ein falsches Spiel mit den Amazonen spielte, hatte einen bitteren Beigeschmack. Ja, da hätte ich mir lieber einen Gott mit dieser Intrige gewünscht, als eine Göttin. Aber ich gestehe auch, kaum etwas von der Mythologie zu kennen und weiß daher nicht, wie dicht die Autorin mit diesem Verlauf war oder ob sie sich künstlerische Freiheit nahm.

„Knochenblumen welken nicht“
von Eleanor Bardilac

In der prächtigen Stadt Vhindona ist man stolz auf geschickte Erfinder und reiche Händler – allem, was mit Magie zu tun hat, steht man dagegen misstrauisch gegenüber. Deshalb versucht Aurelia seit Jahren, ihre magische Begabung geheim zu halten. Doch als die junge Frau Zeugin eines Mordes wird, kommt dabei auch ihr Geheimnis ans Licht, und Aurelia wird dem mächtigen Nekromanten Marius Cinna als Schülerin zugeteilt.

Auszug bzgl. des Inhalts laut des Verlags

Welch zauberhaft magische Geschichte! Und es wird eine Fortsetzung geben, ich bin verzückt. Das Buch lässt sich wundervoll alleinstehend lesen, das Ende ist kein gänzlich offenes, aber eben auch kein absolut geschlossenes. Es hätte hier und dort etwas spannender sein dürfen, denn was sich hinter den Morden verbirgt wird zwar erst am Ende deutlich, diese Frage schwebt aber nicht unheilvoll von Beginn an über den Seiten. Dies war aber auch schon das einzige, was mir fehlte, etwas mehr Spannungsbogen.
Ich bin gänzlich eingetaucht in diese Stadt voller Magie und wie viele Leser*innen bereits betonten, ist auch in diesem Buch Diversität Teil der Geschichte. Wunderschön eingeflochten, aber nicht gänzlich so präsent, wie ich nach Meinungen anderer dachte. Es wäre mir persönlich auch kaum aufgefallen, da es einfach wundervoll in die Geschichte eingearbeitet wurde und nur für die Protagonistin Aurelia wirklich ein Thema wurde. Es war ihr bis dahin unbekannt, so wie ihr fast die gesamte Welt unbekannt ist. Jahrelang war sie gefangen in ihrem Zimmer unter dem Deckmantel der Angst ihrer Eltern. Doch ein Moment nur und ihr Leben ändert sich vollständig.

In diesem Moment begegnete ich ihr und somit Marius. Ich lernte Gale und Aywyn kennen. Erlebte diese wundervoll amüsanten Auseinandersetzungen zwischen Marius und seinem Nachbarn Meister Grünwald. Zusammen mit Aurelia lernte ich das magische Stadtviertel kennen, welches sie selbst bis dahin nur von Erzählungen kannte. Diese wunderschön schmerzvolle Beziehung, die, aufgrund von Marius, kaum körperliche Nähe zuließ, da diese unerträglich für ihn ist. Es ist Magie, die mir im Verlauf der Ereignisse näher gebracht wurde und mich deshalb gänzlich abtauchen ließ. Und neben den Charakteren zum Verlieben gab es auch zauberhafte Wesen wie Gustav! Die Autorin hat eine wunderschöne Welt erschaffen, die sich im System unserer ähnelt. In Vhindona bedeutet Magiebegabt zu sein ein Leben im Versteck, in einem separaten Viertel. Die Magielosen haben Angst vor der Macht. Und die Magiebegabten wollen bei weitem nicht alle dieses Leben führen, allen voran Gale. Neben ihr Aurelia, die beginnt vieles zu hinterfragen und Aywyn, die einen gezielten Blick hat. Eine Freundschaft, die zwischen den dreien entsteht und hoffentlich einen Weg in den zweiten Band findet. Ich würde am liebsten sofort an Aurelias und Marius Seite zurückkehren.

„Wer das Feuer entfacht“
von Paula Hawkins

Auf einem Hausboot in London wird die Leiche eines brutal ermordeten jungen Mannes gefunden. Besonders drei Frauen geraten danach ins Visier der Ermittlungen. Laura, die aufgewühlt wirkende junge Frau, die nach einem One-Night-Stand mit dem Opfer zuletzt am Tatort gesehen wurde. Carla, die Tante des Opfers, bereits in tiefer Trauer, weil sie nur Wochen zuvor eine Angehörige verlor. Und Miriam, die neugierige Nachbarin, die als Erste auf die blutige Leiche stieß und etwas vor der Polizei zu verbergen scheint.

Auszug bzgl. des Inhalts laut des Verlags
*KLICK MICH, um die Triggerwarnungen zu lesen* Alkoholmissbrauch, sexuelle Belästigung, Fehlgeburt, Kindstod, Gewalt, psychische und physische Folgen eines Unfalls, Tiermord

Ich weiß nicht, ob ich wirklich alle Trigger benannt habe. Ich war wirklich sprachlos, was mir alles in diesem Buch begegnete. Ich war begeistert von „Into The Water“ (Rezension), „Girl On The Train“ (Buch vs. Film) war bereits ein Drahtseilakt. Doch was mir in dieser Geschichte begegnete war Problemüberladen, ohne dabei aufgearbeitet worden zu sein. Es kommen so viele Themen auf, die keinen wirklichen Einfluss auf die Geschichte haben, sondern einzig dazu dienen, dass die Leser*innen an den einzelnen Charakteren zweifeln. Und das geht scheinbar nur, wenn diese mit physischen und psychischen Problemen zu kämpfen haben. Solch eine Vielzahl auf nicht mal 400 Seiten. Wirklich jede einzelne Person hat mit irgendetwas zu kämpfen und bei manchen scheint es gar Seiten füllen zu können. Das ist viel zu viel innerhalb einer Geschichte. Das ist ein falscher Ansatz, um Leser*innen zweifeln zu lassen. Und nicht eine Problematik wurde in irgendeiner Form aufgearbeitet. Diese haben schlichtweg keinen Raum erhalten, sondern mitunter nur einen Nebensatz. Einen Absatz höchstens. Die Problematiken standen im Raum, Punkt. Sie dienten auch nicht der Handlung, die Geschichte hätte auch wunderbar ohne die psychischen und physischen Probleme funktioniert. Wäre der Fokus einfach auf den Beziehungen untereinander gewesen, auf die Verstrickungen, hätte die Autorin einfach Beziehungen erschaffen, die miteinander im Konflikt stehen … dies hätte bei den Leser*innen ebenso Zweifel an Schuld und Unschuld gesät. Doch stattdessen soll nach und nach scheinbar enthüllt werden, welchen Schicksalen die Charaktere ausgesetzt waren und sind. Ich hatte wenig Mitgefühl, es war mir einfach zu viel, was mir begegnete. Und dann alles zusätzlich ohne darauf einzugehen, Themen aufzuarbeiten oder tiefer zu blicken.

Auch die Geschichte selbst konnte mich nicht abholen. Der Spannungsbogen war kaum gegeben und die Aufklärung kam wenig überraschend. Vielmehr war das Ende mit einem weiteren Mord (keine Angst, dies spoilert nicht) völlig überzogen. Was war das bitte? Ich hatte mich so sehr auf das neue Buch der Autorin gefreut, doch ich klappte es kopfschüttelnd zu. Ich fragte mich schnell nicht mehr, warum der Mann ermordet wurde oder wer es war, ich fragte mich dauerhaft, warum sich die Autorin für diese Umsetzung entschieden hat. So gelungen sie mich in ihrem Debüt einnahm und an den Charakteren zweifeln ließ, so sehr überflog ich in ihrem dritten Buch vermehrt die Seiten, anstatt einzutauchen.



BUCHDETAILS
Titel: Die Götter müssen sterben
Einzelband
Autorin: Nora Bendzko
Paperback: 512 Seiten
Verlag: Droemer Knaur

BUCHDETAILS
Titel: Knochenblumen welken nicht
Buchreihe: 1. Band
Autorin: Eleanor Bardilac
Paperback: 400 Seiten
Verlag: Droemer Knaur
Als Reihe geplant

BUCHDETAILS
Titel: Wer das Feuer entfacht
Einzelband
Autorin: Paula Hawkins
Hardcover: 416 Seiten
Aus dem Englischen übersetzt von: Christoph Göhler
Verlag: Blanvalet | Verlagsgruppe Random House
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2 Kommentare
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Sandra
7 Monate her

Hallo Janna,

die ersten Bücher sind nichts für mich, daher habe ich die Teile übersprungen. Dafür hat mich deine Meinung zum Buch von Paula Hawkins sehr interessiert. Ich habe nur „Girl on the Train“ gelesen und danach nichts mehr von der Autorin. Als ich nun deine Meinung zu „Wer das Feuer entfacht“ las, war es, als ob ich meine Meinung zu dem anderne Buch lesen würde. Ich hatte sehr ähnliche Kritikpunkte. Problemüberladen, diese werden jedoch nur oberflächlich behandelt, nichts gab mir das Gefühl ernstgenommen zu werden. Schade, dass dieses Buch wohl ähnlich zu sein scheint.

Ein schönes Wochenende,
Sandra