Ben Jones-Reihe | James Anderson


„Desert Moon“

In diese 2 Büchern gilt es einzusteigen, in den Truck von Ben Jones, mitzufahren, dabei nach Möglichkeit die Klappe zu halten und nicht versuchen die Bewohner der Wüste, oder gar Ben, in irgendeiner From als seltsam zu bezeichnen.
Ben Jones, der 30-jährige LKW-Fahrer beliefert seine Kunden auf einer abgelegenen, hundert Meilen langen Strecke in der Wüste Utahs.

In dieser abgeschiedenen Welt taucht die mysteriöse Claire auf, die sich in einem verlassenen Haus versteckt. Mysteriöse Fremde beschatten Ben von da an. Menschen sterben gewaltsam und plötzlich sieht sich Ben eines Mordes angeklagt.

Auszug aus dem Klappentext zu Desert Moon

Es war auf Anhieb die Sprache, schon in den ersten Zeilen, in die ich mich komplett verliebt habe.
Da der Autor diesen Ben selbst erzählen lässt, war ich direkt in der Geschichte gelandet und ehe ich mich versah, lauschte ich dieser Stimme in meinem Kopf.

Ben, gerade mal 30 Jahre alt, lebt und arbeitet in der Wüste Utahs. Der Ort Rockmuse ist sein zu Hause und als Vollwaise schon seit Kindesbeinen an, ist er ein ganz klarer und selbstgewählter Einzelgänger.
Seinen Lebensunterhalt verdient er sich mittels eines geleasten Trucks und das Geld kommt eher schlecht als recht rein. Sorgen prägen seine Gedanken und doch gibt es immer wieder Lichtblicke in seinem Leben, auch wenn sie in Gestalt einer jungen, schwangeren Frau daher kommt.
Tagtäglich setzt er sich ans Steuer, um all die bestellten Waren auszuliefern und das auf einer Strecke, die erstens ewig lang und zweitens furchtbar einsam ist. So kommt es mir gar nicht seltsam vor, dass Ben etwas verwunderlich ist. Mürrisch, grüblerisch und sehr eigensinnig auf den ersten Blick, beim genaueren Hinsehen aber entdeckte ich doch diese weiche Seele und das riesengroße Herz.

Der Highway vor mir rekelte sich in der Sonne. Er gehörte mir, ein schönes Gefühl.

Seite 15

Jede seiner Touren ist von Begegnungen geprägt, seine Kundschaft zieht es vor eher im Verborgenen zu bleiben und doch gibt Ben so manches Geheimnis preis. Nicht jeder Mensch, der dort lebt, wollte dorthin und andere wiederum sind am genau am richtigen Ort gelandet.
Die Art wie Ben mit seinen Mitmenschen umgeht, hat trotz seiner Mürrischkeit etwas Liebevolles. Wer würde sich schon zu einem, ein Kreuz schleppenden, Prediger an den staubigen Straßenrand setzen und eine imaginäre Zigarette rauchen. Ben tut es, ohne Wenn und Aber, ohne Kompromisse und ohne Hintergedanken.
Seine Schlagfertigkeit ist in den Dialogen nicht zu überhören und hat mir des öfteren ein breites Grinsen beschert. Die Lockerheit in dem Buch ist immer passend zu den Situationen, denn es gibt auch viele sehr tiefgreifende Begebenheiten, die in keiner Form ins Lächerliche gezogen werden.

Eine Geschichte voller Charaktere, manche ganz karg und einfach, andere wiederum erhaben, wie eben diese Wüste. Manchen dürstet es einfach nur nach den Grundbedürfnissen und andere bekommen den Hals nicht voll.
Der Kriminalfall in der Geschichte entwickelt sich langsam, schleichend, mit Kleinigkeiten und belanglosen Erzählungen, die sich nach und nach ergänzen, immer mehr werden und schließlich zu einem Showdown hochfahren.
Alles beginnt mit einem unsichtbaren Cello, einer besonderen Frau und einer sehr lange zurückliegenden Tragödie. Bens Gespür für Gut und Böse hilft ihm und doch gerät er selbst in große Gefahr. Es gibt Gewaltszenen in der Geschichte, manche davon liegen weit in Bens Vergangenheit und manche geschehen genau dort, in dem Moment und haben mich mindestens genauso umgehauen wie Ben.

Ein sehr irdenes Buch, voller Wüstenstaub, den man einfach nicht mehr los wird.

In der Wüste ist das Licht zu Hause.

Seite 341

„Lullaby Road“

Auf der Route 117 versucht er, einen weiteren Winter mit tückischen Straßen und sichtraubendem Schneefall unfallfrei zu überstehen. An einem Truck Stop trifft er auf einen stummen lateinamerikanischem Jungen, der von einer Mischung aus Husky und Deutschem Schäferhund beschützt wird. Sein Name ist Juan. Auf einem Zettel wird Jones um Hilfe gebeten: „Bitte Ben. Passen Sie auf meinen Sohn auf.“ Ohne jeden Hinweis, auf was er sich da einlässt, nimmt er die beiden mit. Neben einer ausgefeilten Crime Story wie in „Desert Moon“ begegnen wir auch in „Lullaby Road“ skurillen Charakteren, die in der Wüste Utahs Zuflucht gefunden haben. Schießwütigen, wie mürrischen oder verträumten Aussenseitern. Anderson beschreibt die Sonnenauf- und -untergänge, den Glanz der Sterne in der Nacht, die Gerüche, die erstaunliche Stille und die tödlichen Gefahren, die dort auf sie lauern.

Klappentext

Nach dem Beenden des ersten Bandes war mir klar, dass ich nicht so einfach diesen Ben und seine Geschichte ad acta legen konnte, es gab viel zu viele Veränderungen und da waren ja auch noch die Wüstenbewohner, von denen ich so einige in mein Herz geschlossen hatte. Also, musste der 2. Band bei mir einziehen. Was habe ich mich auf dieses Wiegenlied gefreut und wurde kein Stück enttäuscht, auch wenn die Geschichte dahinter wieder unter die Haut geht.

Die Träume eines anderen Menschen, vor allem die eines Kindes, sind ein Land, um das man besser einen Bogen macht.

Seite 72

Eine sehr gute Entscheidung, denn es ging fast nahtlos über. Wer den ersten Band nicht kennt, kommt aber dennoch ohne Probleme in den zweiten hinein. Es gibt kleine Rückblicke und Erklärungen, die Bens Geschichte nicht neu erzählen, aber so einiges kurz aufrollen. Warum da zum Beispiel eine junge Mutter um ihn herum ist und warum die großen Geldsorgen nicht mehr da sind.

In „Lullaby Road“ geht es, wie schon im ersten Band, gemächlich los. Ein paar Begebenheiten, viele Gedanken von Ben, die ein oder andere Tour. Nur, dieses Mal hat der Winter in der Wüste Einzug gehalten und irgendein Typ macht die eh schon schlecht befahrbare Straßen noch unsicherer.

Auch hier gibt es bekannte Gesichter, John (Preach) trägt immer noch sein Kreuz, aber es kommen auch neue hinzu, obwohl auch diese schon lange in der Wüste leben. Es ist immer wieder Bens Gespür für die Menschen, welches ihn in einer Art Vorwarnsystem zu Handlungen antreiben lässt.
So auch dieses ihm unbekannte Kind, dessen er sich plötzlich annehmen muss. Er weiß sofort das da etwas nicht stimmt und wird doch aus diesen Überlegungen gerissen, als ein schrecklicher Unfall den Ort Rockmuse in eine Art Schockstarre wirft.
Somit hat er gleich 2 „Fälle“ am Hals, dabei will er doch eigentlich nur seine Ruhe haben.
Mit dieser ist nun vorbei und es entpuppt sich schnell ein Kriminalfall, dessen Wirkung ganz große Kreise zieht.
Der einsame Wolf zieht wieder seine Runden, im Truck, auf der Road 117 und spürt dabei die schwarzen Schafe auf.
Auch in diesem Band hat mich wieder die Sprachgewalt beeindruckt, die manchmal leise wirkt und oft genug richtig laut wird.

Die Wüste war das vertraute Unbekannte, ich behandelte sie mit angemessenen Respekt.

Seite 52

Gerne würde ich nochmals in die Fahrerkabine steigen, still dasitzen und zuhören was Ben zu erzählen hat, miterleben was er erlebt und hier und da in Vergangenem schwelgen. Am liebsten aber würde ich diese Touren durch die Wüste mitmachen, um diese Menschen zu treffen, ihre Schicksale zu erfahren und um den gnadenlos schönen Übergang vom Tag in die Nacht zu erleben.

Rezension verfasst von © Kerstin

Mögt ihr solche Geschichten von einsamen Wölfen auf der Jagd nach den schwarzen Schafen?

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Titel: Desert Moone
Buchreihe: 1. Band 
Autor: James Anderson
Aus dem Amerikanischen von Harriet Fricke
Verlag: Polar
330 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag
Titel: Lullaby Road
Buchreihe: 2. Band 
Autor: James Anderson
Aus dem Amerikanischen von Harriet Fricke
Verlag: Polar
374 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag

– Weitere Eindrücke –
Literaturblog Sabine Ibing

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Gabi
19 Tage her

Liebe Kerstin, ob ich solche Geschichten von einsamen Wölfen auf der Jagd nach den schwarzen Schafen mag? Ich LIEBE sie! Deine Rezension hat mich angefixt und neugierig gemacht und die Bücher sind gleich mal auf meine Liste gewandert. Oft haben Krimis und Thriller ja eine sehr einfach gestrickte Sprache und konzentrieren sich auf actionreiche Handlung. Die lese ich schon sehr gerne. Aber ab und zu brauche ich mal ein Buch (oder zwei), das mit tollen Figuren punktet und bei denen die Sprache mich zusätzlich berührt. Und wenn das mit Krimi oder Thriller kombiniert ist, umso besser. Die beiden Bücher von… Read more »