4 Geschichten – 1 Autorin | Schmökerstunden mit Andrea Maria Schenkel

Hier und heute werden mal keine Novitäten besprochen, sondern auf die Backlist zurückgegriffen.
Es geht um eine Autorin und vier ihrer Bücher, von denen drei schon viel zu lange auf meinem Stapel der ungelesenen Bücher lagen.
Diese habe ich nun nach und nach gelesen und möchte sie Euch vorstellen.
Passend auch zur #WirLesenFrauen – Challenge und für in Sachen „kriminell begeisterte“ allesamt zu empfehlen.

Alle vier Bücher haben gemein, dass es reale Hintergründe zu einstigen Kriminalfälle gibt. Durch die Fiktionalität lassen sich auf den ersten Blick keine Zusammenhänge erkennen. Namen und Orte sind abgewandelt, Zeiten vor oder zurückgedreht und doch, bei näherem Beleuchten und Hinterfragen kommt es zum Erkennen der einstigen Fälle.

Mir gefiel bei jedem der Bücher der einfache aber doch ungewöhnliche Stil.
Eine der jeweiligen Zeit angepasst Sprache, teils im Dialekt, mit den verschiedensten Sichtweisen. Da „sprechen“ Täter wie Opfer, Familienmitglieder, Nachbarn, Polizisten und Ermittler ebenso wie die Protokolle von Zeugenaussagen, Vernehmungen und Gerichtsurteile.

Die Bücher sind allesamt recht kurz und doch ist alles gesagt. Wer auf Informationen zu den authentischen Hintergründen hofft, wartet umsonst. Diese müssen selbst recherchiert werden, was für mich als zeithistorische Interessierte, insbesondere in Sachen True Crime, immer eine spannende und informative Herausforderung ist.

Die Autorin gibt viel mehr Einblicke in die Leben der einzelnen Personen, deren Schicksale, Beweggründe und zeichnet so den anonymen Gesichtern ihre Konturen, Ecken und Kanten.


Mit „Tannöd“ habe ich ein re-read hingelegt. Schon vor vielen Jahren habe ich der fiktiven Geschichte um dieses Mordschauplatz, der einen realen Hintergrund hat, spannenden Lesestunden gewidmet. Das Debüt der Autorin führt einen in die 1950er Jahre auf einen Einödhof. Ein grausames Verbrechen erschüttert die Nachbarschaft, das Umfeld und sorgt für Gesprächsthemen inklusiver mancher Verdächtigung.

In der tiefsten bayerischen Einöde: Eine ganze Familie wird in einer Nacht ausgelöscht, mit der Spitzhacke erschlagen. Jetzt heißt er nur noch Mordhof, der einsam gelegene Hof der Danners in Tannöd, und vom Mörder fehlt jedoch jede Spur.

Inhalt laut Klappentext

„Tannöd“ erschein in den ersten Auflagen im Edition Nautilus-Verlag, mittlerweile aber bei btb (Random House). Ausgezeichnet unter anderem mit dem „Deutschen Krimi Preis für den 1. Platz“ ist dieser Kriminalroman äußerst düster und bringt die Schwere des alltäglichen Leben auf dem Einödhof, nebst dem grausamen Bauern hervor. Die reale Geschichte liegt der im Buch geschilderten um einige Jahrzehnte zurück.
Es ist keine leichte Lektüre, da auch Themen wie Missbrauch eingeflochten sind.


„Kalteis“ mit seinen 153 Seiten bespricht einen Kriminalfall der in den 1930er Jahre in Bayern angesiedelt ist.
Schon der Einstieg lies mich erahnen, dass ich diesen Fall kenne, zumindest den Hintergrund der historisch belegten kriminellen Taten.

München, Ende der 1930er Jahre: Süß und sehnsüchtig ist der Traum vom Glück in der großen Stadt – auch Kathie träumt ihn und entflieht der Enge des dörflichen Lebens. Manch eine ist hier schon unter die Räder gekommen, aber sie wird es schon schaffen. Oder? Dunkelhaarig, kräftig und hübsch ist sie, wie die Frauen, die seit einiger Zeit in München und Umgebung spurlos verschwinden …

Inhalt laut Klappentext

In dem Buch geht es gar nicht so sehr um die Schilderungen all der unvorstellbaren Menge an Gewalttaten die der im Buch genannte Täter Kalteis begangen hat. Sondern mehr um die Zufälle die zu seiner Ergreifung und damit zu den Vernehmungsprotokollen geführt hat, die dieses Buch in großer Menge beherbergen.
Wer “ Die Bestie von Aubing“ recherchiert, wird den Zusammenhang zwischen fiktionaler Erzählung in „Kalteis“ und den realen Hintergründen erkennen.


„Finsterau“ hat mich vom Cover her schon gefangen. Da ich ja um die Vorliebe der Autorin wusste, historische Kriminalfälle in ihren Geschichten ein- oder zu verarbeiten, musste ich dieses natürlich auch lesen.

Ein Dorf im Bayerischen Wald, 1944: Schwanger kehrt Afra in die ärmliche Enge ihres Elternhauses zurück, das sie Jahre zuvor verlassen hat. Für ihren streng katholischen Vater ist das ein ständiger Stein des Anstoßes und die Auseinandersetzungen nehmen noch zu, nachdem das »Kind der Sünde« geboren ist. Eines Tages liegt Afra erschlagen in der Stube neben ihrem blutüberströmten Sohn …

Inhalt laut Verlag

Diese Geschichte entwickelt sich langsam und gibt den Täter nicht direkt preis. Es hat mich ganz tief in diese familiäre Situation von Armut und Einsamkeit gezogen. Auch hier gibt es wieder verschiedene Sichtweisen, die sich gegenseitig ergänzen und somit zu einem vollständigen Abschluss führen. „Finsterau“ war mir deutlich zu kurz. All diese Lebensumstände wurden nur kurz und knapp beschrieben.
Sehr authentisch empfand ich die Worte und Beschreibungen der Räumlichkeiten. Man könnte es altbacken nennen, aber es passt einfach perfekt zu der ganzen Szenerie.


„Täuscher“ ist mit seinen 236 Seiten, dass umfangreichste in der Riege dieser vier Bücher.
Hier geht es nach der obligatorischen Tat an die polizeilichen Ermittlungen und da der Täter (für viele) schnell feststeht, folgt man so dem gerichtlichen Verfahren.

Landshut 1922: Die Musiklehrerin Clara Ganslmeier und ihre Mutter wurden in ihrer Wohnung ermordet, ihr Schmuck ist gestohlen. Die polizeilichen Ermittlungen und Aussagen diverser Zeugen führen rasch auf die Spur von Hubert Täuscher, dem Verlobten von Clara Ganslmeier. Die Indizien scheinen erdrückend und er wird trotz seiner Unschuldsbeteuerungen schuldig gesprochen, das Todesurteil vollstreckt. Aber hat er tatsächlich den Mord begangen?

Inhalt laut Verlag

Auch hier habe ich wieder recherchieren müssen, weil es mich so sehr interesierte, was sich damals abgespielt hat und ob es wirklich so ausging wie in dem Buch.
Die Vor-Verurteilung, auch durch die Gerichtsbarkeit, hat die Autorin sehr stilsicher rübergebracht. Ein durch und durch interessanter Fall, mit all den kleinen Nebensächlichkeiten, wie in etwas die Gehässigkeiten diverser Nachbarschaften und den Einblicken in manchen Tagesablauf, haben diesen Kriminalroman richtig spannend gemacht.


Wer eines oder gar all diese Bücher lesen möchte, sollte auf keinen Fall vorher nachlesen, um welche Fälle es da geht, sonst könnte einem der Überraschungsmoment genommen werden.

Beitrag verfasst von © Kerstin

Kennt Ihr eines oder gar mehrere der Bücher oder habt ihr ähnliche buchige Tipps, die True Crime beinhalten?

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Pink Anemone
5 Monate her

OMG!!!! Dir ist sicherlich klar, dass ich alle Bücher dieser Autorin nun haben MUSS. Wie ist es nur möglich, dass ich von ihr und diesen Büchern noch nie gehört habe?? *hektisch alle Bücher auf die WL setze*

Erst paar Minuten hier und schon sind 5 Bücher auf meiner WL. Es kann nur noch schön-schlimmer werden XD

Janna
6 Monate her

„Tannenöd“ gefiel mir unheimlich gut, auch die Verfilmung hatte ich gern geschaut! Und da du ebenso angetan bist und die anderen Bücher von ihr auch empfiehlst, wächst dann wohl meine Wunschliste (=

Knuddel dich :-*

Janna
Reply to  Kerstin
6 Monate her

Ich wollt gerad sagen, „eine der wenigen Verfilmungen“, so viele kennst du ja gar nicht :D besser für dein Seelenheil, ich bin fast immer enttäuscht – muss aber auch immer gucken. Ein Dilemma *lach