„3 Hörbücher – 3 Eindrücke“ | Michael Robotham – Ulrich Alexander Boschwitz – Stephen King

Spannung, Unterhaltung und Thrill


„Schweige still“ von Michael Robotham

Inhaltsangabe: Seine Kindheit birgt ein schweres Trauma, sein Leben hat er dem Kampf gegen das Verbrechen gewidmet: Der Psychologe Cyrus Haven berät die Polizei bei der Aufklärung von Gewaltverbrechen. Während er einen brutalen Mordfall untersucht, lernt Cyrus Evie Cormac kennen. Evie, die als Kind aus den Fängen eines Entführers gerettet wurde, ist zu einer hochintelligenten, aber unberechenbaren jungen Frau herangewachsen. Und verfügt über ein untrügliches Gespür dafür, wenn jemand lügt. Als Cyrus‘ Ermittlungen sich zuspitzen, bringt sie damit nicht nur sich selbst in tödliche Gefahr …

Bildquelle: Random House

Originaltitel: Good Girl, Bad Girl

Mein erster Eindruck: Oh, eine neue Reihe vom Meister der Suspense und der Reihen um Psychologe Joe O’Loughlin und Polizist Vincent Ruiz, das kann nur gut sein.
Zwar mag ich solche Titel, in denen kurz und bündig etwas „befohlen“ wird, nicht sonderlich, aber da ich den Autor für seine spannungsvollen Romane, die gerne auch als Krimi bezeichnet werden, schätze, ist es ein Versuch allemal wert.

Auf den zweiten Blick: Alles richtig gemacht! Was für ein Reihenstart.
2 komplett unterschiedliche Menschen treffen da eher unfreiwillig aufeinander und müssen sich erst einmal miteinander arangieren. Hier kommt dieses feine Gespür für die Darstellung der Charaktere und deren Handlungen richtig gut rüber.
Direkt von Anfang an schwebt diese Vergangenheit von Polizeipsychologe Cyrus Haven und der jungen Evie Cormac im Raum. Der Autor lässt es fast schon behutsam angehen und wirft einem immer nur kleinen Häppchen vor. Diese zusammen ergeben dann im Laufe der Geschichte ein richtig großes Bild.
Richtig gut umgesetzt ist da auch die Anzahl von zwei sprechenden Menschen. Anjorka Strechel für Evie, gibt dieser Frau sehr viel Authentizität und Norman Matt für Cyrus, bringt die Reife des beruflich erfahrenen Psychologen durch eine sonore angenehme Stimme rüber.

Die Bezeichnung Psychothriller stört mich (wieder einmal). Es ist spannend, ohne Frage, geht aber deutlich mehr auf die sozialen und emphatischen Fähigkeiten der 2 Charaktere ein. Zwar steht ein Mordfall im Vordergrund, doch dieser verschwindet zwischenzeitlich immer mal wieder, dafür sind Cyrus und Evies Phasen des Kennlernens, Vertrauensaufbau und stetig wiederkehrende traumatische Kindheitserlebnisse viel zu stark.
Der Autor setzt ein großes Augenmerk auf den Umgang der beiden miteinander, aber auch die langsam entstehende Zusammenarbeit, im Rahmen der Ermittlungen im Mordfall der Eiskunstläuferin, bauen hier ein tolles neues Team auf.

Last but not least: Eine etwas klischeebeladene Geschichte ist für mich allemal besser als der standardisierte Gemetzel-Serienkiller-Blutvergießen-Mainstream.
Bei „Schweige still“ habe ich zwei seht gut ausgearbeitete Charaktere mit spannendem Hintergrund bekommen. Die Darstellungen der polizeipsychologischen Erfahrungen und Arbeitsvorgänge kamen richtig gut zur Geltung und auch das Beschreiben von menschlichem Verhalten, insbesondere bei Lügen oder Unwahrheiten hat einen gewichtigen Pluspunkt in meiner Leseempfindung bekommen.
An dieser Reihe werde ich dran bleiben, alleine schon weil das Ende….ach Ihr wist schon…es ruft nicht nur nach einer Fortsetzung, es schreit danach!

Kurzmeinung verfasst von © Kerstin

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Titel: Schweige still
Buchreihe: 1. Band der Cyrus Haven-Reihe
Autor: Michael Robotham
Sprecherin und Sprecher: Anjorka Strechel & Norman Matt
Laufzeit:12 Stunden 13 Minuten
Verlag: Der Hörverlag [Random House]

Eine weitere Rezension dazu findet Ihr bei Stellette Reads


„Menschen neben dem Leben“ von Ulrich Alexander Boschwitz

Inhaltsangabe: Die Protagonisten im Debütroman von Ulrich Alexander Boschwitz sind allesamt Verlierer. Vom Krieg und der Weltwirtschaftskrise an den Rand der Gesellschaft gedrückt, kämpfen sie sich durch ihren Alltag – und hören doch nicht auf, sich und das Leben zu feiern: Am Abend treffen sie sich und vergessen über Bier und Pfefferminzschnaps ihre Sorgen, bis mit dem Morgengrauen die Realität in ihre Köpfe zurückkehrt. Nach der großen Wiederentdeckung seines Exilromans »Der Reisende«, der ebenfalls bei DAV als Hörbuch erhältlich ist, ist nun auch Boschwitz’ erster Roman erstmals in deutscher Sprache erschienen. »Menschen neben dem Leben« zeichnet ein eindrucksvolles und vor allem ehrliches Bild vom Berlin der 1920er-Jahre, das in der ungekürzten Lesung mit Hans Löw lebendig wird.

Bildquelle: DAV

Mein erster Eindruck: Ulrich Alexander Boschwitz hatte mich mit „Der Reisende“ (meine Rezension dazu im Link) bereits vor einiger Zeit zurück zu den Anfängen des Nationalsozialismus in den 1930er Jahren geführt und seine unmissverständliche Art die vorherrschende Angst zu skizzieren, war beeindruckend ob der Tatsache, dass dieser junge Autor fast schon die aufkommenden menschlichen Abgründe erahnt hatte. Der Autor verstarb bereits 1942 unter traurigen Umständen. Sein Roman „Menschen neben dem Leben“ ist sein Debüt, dass bereits 1935 erschien und nun im Klett Cotta Verlag als Printausgabe erhältlich ist.

Auf den zweiten Blick: Ich muss noch einmal auf „Der Reisende“ zurück kommen. In diesem Buch geht es um einen einzelnen Menschen, dessen komplett auf den Kopf gestellten Leben und das damit verbundene Schicksal. Ein Verfolgter unter unzähligen Menschen, dessen Angst durch jede der Seiten kriecht. Bei „Menschen neben dem Leben“ geht es um viele Einzelschicksale. Menschen, die eben neben dem Leben stehen. Abgewiesene, Ausgestoßene, abschätzig Beäugte. Es ist die Zeit nach dem ersten Weltkrieg, die Wirtschaftskrise drängt viele immer mehr an den Rand der Gesellschaft und so folgt man diesen Männern und Frauen durch das Berlin der 1920er Jahre, in all ihren bekümmerten Alltäglichkeiten.

Die einzelnen Charaktere werden gnadenlos gut dargestellt. Keine Versager, sondern solche, deren Schicksal es ist in Armut, Obdachlosigkeit oder Abhängigkeit zu leben. Man muss schon Obacht geben, gerade beim Hörbuch die Namen nicht durcheinander zu bringen. Im Laufe der Geschichte konnte ich aber alle gut zuordnen.
Keinerlei Gemeinsamkeiten haben sie, augenscheinlich aber nur, denn die Geschichte bringt sie zusammen und schafft es alle an ihren Platz zu bringen.
Es hat mich beeindruckt, wie dieser junge Autor die Worte fand, sie den Gepeinigten, Leidenden und Wütenden in den Mund legte oder durch deren Taten sprechen lies.

…verfolgt wurden die Taschendiebe, aber legalisiert die Kriegsveranstalter…

Zitat aus dem Hörbuch

Last but not least: Es ist keine leichte Lektüre und hört sich doch an einem Stück weg.
Der Sprecher lässt die Figuren aufleben, gibt ihnen Stimmen und zeigt den jeweiligen Werdegang auch mittels emotionaler Sprechweise wieder ohne dabei zu übertreiben. Es überwiegen die leisen Töne, die Verzweiflung bricht sich immer mehr ihren Bann und so führt es letztendlich zu Taten und dem Erkennen einzelner Personen, was damit alles (auch für sie) verbunden ist. Handlungen und ihre Konsequenzen bauen sich langsam auf und während der eine nur ans essen denken kann, ist es bei einem anderen der erlebte Krieg.
Vom Stil her leise und erklärend, mit der Zeit immer aufbrausender und wütender, schließen sich die Kreise. Obwohl alle so unterschiedlich sind entwickeln sich immer mehr Parallelen. So ein bisschen fühlte ich mich wie ein Voyeur, beim Beobachten all dieser Menschen, aber der Autor schildert so plastisch und mit einer ungeheuren Anziehungskraft.
Es stimmt mich ein stückweit traurig zu wissen, dass es keine weiteren Bücher des Autoren gibt. Sein letztes Manuskript ist vermutlich mit ihm auf der Rückreise von Australien nach England versunken.

Kurzmeinung verfasst von © Kerstin

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Titel: Menschen neben dem Leben
Buchreihe: Einzelband
Autor: Ulrich Alexander Boschwitz
Sprecher: Hans Löw
Laufzeit:7 Stunden 46 Minuten
Verlag: Deutscher Audio Verlag [als Print beim Klett Cotta Verlag]

Eine sehr schöne und aussagekräftige Rezension findet Ihr auch bei Monerls bunte Welt


„Finderlohn“ von Stephen King

Originaltitel: Finders Ceepers

Inhaltsangabe: John Rothstein hat in den Sechzigern drei berühmte Romane verö entlicht, seither aber nichts mehr. Morris Bellamy, ein psychopathischer Verehrer, ermordet den Autor aus Wut über dessen »Verrat«. Seine Beute besteht aus einer großen Menge Geld und einer wahren Fundgrube an Notizbüchern. Bellamy vergräbt vorerst alles – und wandert dummerweise für ein völlig anderes Verbrechen in den Knast. Jahre später stößt der Junge Peter Saubers auf den »Schatz« und unterstützt mit dem Geld bis auf den letzten Cent seine Not leidende Familie. Nach 35 Jahren Haft wird Bellamy entlassen. Er kommt Peter, der nun die Notizbücher zu Geld machen will, auf die Spur und macht Jagd auf ihn. Kann Bill Hodges, den wir als Detective a. D. aus Mr. Mercedes kennen, den Wahnsinnigen stoppen?

Bildquelle:Random House

Mein erster Eindruck: Erst vor ganz kurzer Zeit habe ich „Mr. Mercedes“ gelesen (aber nicht besprochen) und mich sofort in diese Reihe um den charismatischen ehemaligen Polizisten verliebt. So musste der zweite Band sofort einziehen und ich wette Band 3 ist nicht fern. Wer die Reihe kennt, kann dies vielleicht nachvollziehen. Allerdings würde ich allen raten, nicht „Der Outsider“ vorher zu lesen oder zu hören (wie ich es gemacht habe), denn dieses Buch spoilert unweigerlich zur Bill Hodges-Reihe, auch wenn die Geschichte darinnen vollkommen unabhängig davon ist.

Auf den zweiten Blick: Ohne selbst spoilern zu wollen, Bill Hodges hat seine Berufung nun doch zum Beruf gemacht. Mit seinen über 60 Jahren ist er voller Elan und Tatendrang, fühlt sich wohl und genießt seinen Nicht-Ruhestand. Der erste Fall um diesen Mr. Mercedes wird immer wieder eingeflochten (deswegen unbedingt Band 1 zuerst) und bringt immer wieder dieser grandiosen Erinnerungsmomente.
Stephen King kann einfach erzählen und der Sprecher David Nathan die perfekte Besetzung für seine Geschichten.
Es wird gewohnt spannend, manchmal driftet es ein bisschen ab, aber es ist einfach alles rund. Dieser Junge Peter und seine Familie sind der Mittelpunkt und genau darum schleicht dieser Bellamy und seine alte wie auch neue Geschichte. Bill mitsamt seiner Assistentin Holy sind als Team unschlagbar, auch wenn sie sich schon ein bisschen zusammenraufen müssen. Holys Darstellung hat mir irre gut gefallen und regelmäßig musste ich angesichts ihrer Art, genau das zu sagen was sie meint, grinsen. Ich mag den Humor des Autoren sehr, genau wie seine Fähigkeit sozialkritische Themen einzubauen.

Last but not least: Stephen Kings Bücher sind immer wieder ein Highlight für mich. Egal ob es bodenständige krimilastige Ermittlungen sind oder solche die eine Hauch Mystik verbreiten. Es sind die vielen kleinen Details, unvorhersehbaren Geschehnisse und liebevoll gestalteten Charaktere (selbst die Bösen), die mich immer wieder zu seinen Büchern greifen lässt. Auf Band 3 freue ich mich schon, obwohl ich es noch gar nicht habe, auch wenn ich wegen „Der Outsider“ etwas weiß, dass mich nicht erfreuen wird.

Kurzmeinung verfasst von © Kerstin

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Titel: Finderlohn
Buchreihe: 2. Band der Bill Hodges-Reihe
Autor: Stephen King
Sprecher: David Nathan
Verlag: Random House Audio | [als Print bei Heyne]

1 Geschichte – 2 Meinungen: hier geht es zu Jannas Kurzmeinung


Lust auf ein Hörbuch? Wäre da eines für Dich dabei?

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4 Comments
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LeseWelle
8 Monate her

Hallo Kerstin!
Ich war nicht so ganz überzeugt wie du von Schweige still. Ich hatte mich auch darauf gestürzt, weil ich seine Romen um Joe O’Laughlin liebe, aber irgendwie hat mir bei seiner neuen Reihe der letzte Schliff gefehlt. Vor allem fand ich die Hintergründe etwas zu viel. Mal sehen ob ich überhaupt zu Band 2 greife.
Übrigens, ich hatte mich auch selber mit Der Outsider gespoilert. Das ist ziemlich doof, wenn man erst danach Band 3 der Hogdes Reihe hört. :(
Liebe Grüße
Diana

Emma Zecka
8 Monate her

Hey ho,
es freut mich tierisch, dass ihr beide auch Hörbücher besprecht. Die Idee mehrere Titel in einem Beitrag zu rezensieren gefällt mir sehr gut.
Diesmal war leider kein Titel für mich dabei.
Aber ich denke, ichschaue sicher bald wieder vorbei.
viele Grüße und ein schönes Wochenende wünscht,
Emma