„3 Geschichten – 3 Eindrücke“ | Jeanine Cummins – Emma Viskic – Jillian Hoffman

Hörbuch-Edition in Sachen #WirlesenFrauen

Heute habe ich wieder drei Geschichten von und größtenteils über Frauen.
Drei Geschichten, in denen es allerdings nicht zimperlich zugeht.
Von daher gibt es zu jedem eine Triggerwarnung, die aber mit einem gezieltem Klick geöffnet werden muss.


„American Dirt“ von Jeanine Cummins

Acapulco, Mexiko. Nur Lydia und ihr kleiner Sohn Luca überleben das Blutbad, bei dem ihre gesamte Verwandtschaft von einem Drogenkartell ermordet wurde, und können fliehen. Um unerkannt bis zur US-mexikanischen Grenze zu gelangen, fasst Lydia einen gefährlichen Entschluss: Sie und ihr Sohn wagen sich auf den berüchtigten Güterzug „La Bestia“, der wie eine Bestie viele der Migranten verschlingt, die mit ihm Richtung Norden fahren. Auch für Lydia und Luca wird die Fahrt bald zum nackten Kampf ums Überleben. Doch ihnen bleibt keine Wahl, denn das Kartell ist ihnen bereits dicht auf den Fersen …

Mein erster Eindruck:
Der Klappentext hat mich sehr neugierig gemacht auf „La Bestia“ und die Geschichte um eine Mutter auf der Flucht. Erinnerte mich ein bisschen an die Don Winslow Geschichten um die mexikanischen Drogenkartelle. Mit Vera Teltz als Sprecherin musste ich dann gar nicht lange überlegen und habe direkt zugegriffen.

Auf den zweiten Blick:
Mein lieber Schwan, es geht direkt zur Sache und das sehr gnadenlos. Eine komplette Großfamilie wird ausgelöscht und nur Lydia und der kleine Luca überleben und sind ab dem Moment auf der Flucht.
Es ist wahnsinnig spannend und die Sprecherin gibt da sehr viel an Emotionen hinein. Das Gefühl des Ausgeliefert seins spiegelt sich in allen Handlungen der Frau wider.

Zwischendurch gibt es immer wieder kurze Rückblicke auf dieses einstige Leben der Familie, Erklärungen wie es soweit kommen konnte und zeigt den Weg auf, den Lydia und ihr Mann gegangen sind, bis zu jenem furchtbar schicksalhaftem Tag. Episoden voller Liebe und Zuneigung, alltägliche Dinge und besondere Kleinigkeiten, immer im Angesicht das Lebens in dieser Stadt und den Hintergrund um Drogenkartelle und deren immensen Einfluss auf die Menschen.

Der wichtigste Teil von allem ist aber diese Flucht. Der Weg aus der Hölle in das gewünschte gelobte Land, den USA. Einen anderen gibt es nicht, will Lydia ihren Sohn schützen.
Vorbei an Häschern der Kartelle, an meterhohen Zäunen entlang, durch unwegsames Gelände und immer mit der Angst im Nacken, dass sie doch noch aufgespürt werden.

Last but not least:
Es sind die Nebencharaktere die diese Geschichte ausmachen. Die Menschen, denen Lydia und Luca treffen, mit denen sie gemeinsam weiterziehen und solche denen sie zu entkommen versuchen.

Grausam ist gar kein Ausdruck, was einzelene Menschen andere antun und die Autorin hat da kein Stück mit Details gegeizt, auch wenn sie nicht immer alles bis ins letzte schilderte. Es ist so vieles zu erahnen und man weiß genau was geschieht, damit wurde diese Reise sehr intensiv und hat mehr als einmal Hoffnung aufgebaut und dann wieder zerstört. ein ganz gewaltiges Werk.

*Bitte klicken, um Triggerwarnung zu lesen*Vergewaltigung, sexuelle Übergriffe, Mord, Tod,

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Titel: American Dirt
Buchreihe: Einzelband
Autorin: Jeanine Cummins Sprecherin: Vera Teltz
Laufzeit: ungekürzt 15 Stunden und 2 Minuten
Verlag: Der Audio Verlag (als Download bei Audible)


„No Sound – die Stille des Todes“ von Emma Viskic

Er hört dich nicht, aber er wird dein Gesicht nie vergessen! Der Auftakt zur australischen Erfolgsserie um den gehörlosen Ermittler Caleb Zelic. Als Calebs bester Freund ermordet wird, schwört er, den Täter aufzuspüren. Dabei hat der Privatermittler allerdings einen vermeintlichen Nachteil: Er ist gehörlos. Caleb macht dies zu seiner Stärke, denn er kann Menschen auf den ersten Blick einschätzen, gespielte Emotionen von echten unterscheiden und Lippen lesen. Und er vergisst nie ein Gesicht. Alle Spuren in diesem Fall führen überraschend in Calebs Heimatstadt. Er muss erkennen, dass sein bester Freund dunkle Geheimnisse hatte. Und nicht nur er. Je mehr Caleb herausfindet, desto tiefer werden die Abgründe…

Mein erster Eindruck:
Auch in diesem Hörbuch lernt man sofort den Hauptcharakter kennen. So ganz nebenbei und mit einer Selbstverständlichkeit ergibt sich daraus die Gewissheit, dass Calebs Gehörlosigkeit zu ihm gehört. Er war mir sofort sympathisch und hat mich mit seiner ruhigen Art in seinen Bann gezogen.

Auf den zweiten Blick:
Ein Kriminalroman der wirklich die Sinne schärft. Calebs Ermittlungen in diesem Mordfall werden durch seine Assistentin Frankie unterstützt. Diese Frau wirkt so selbstbewusst und offenbart doch immer mehr eine Schwäche, die nicht nur sie in Gefahr bringt.

Die Autorin hat diese Gehörlosigkeit eingebunden und damit auch die Gebärdensprache.
Gesten und Mimik, kurze Erläuterungen durch die jeweils handelnden Personen, was mir sehr imponiert hat. Es kann so einfach sein.

In Sachen Spannung hält das Buch auch mit nichts zurück. Es gibt Verwicklungen und Verwirrungen, manchmal war es ein klein wenig zu viel des Guten, da sich da Verbindungen auftun, die unweigerlich eine Art Abneigung gegenüber diversen Charakteren bilden.

Last but ot least:
Toll geschrieben großartig gesprochen und ich freu mich jetzt schon auf den 2. Band, der dieses Jahr noch erscheint.

*Bitte klicken, um Triggerwarnung zu lesen*Mord, Alkoholmissbrauch, Alkoholismus

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Titel: No Sound – Die Stille des Todes
Buchreihe: Band 1 der Caleb Zelic-Reihe
Autorin: Emma Viskic Sprecher: Wolfgang Wagner
Laufzeit: ungekürzt 7 Stunden und 46 Minuten
Verlag: Hörbuch Hambug (als Download bei Audible)


„Nemesis“ von Jilliane Hoffman

Ein Club. Ein grausames Spiel. Eine Frau, die zurückschlägt: Auf einer Müllkippe in Florida wird die Leiche einer jungen Frau aufgefunden: enthauptet, der Körper brutal zugerichtet und gebrandmarkt wie ein Stück Vieh. C. J. Townsend, vor Kurzem als Staatsanwältin nach Miami zurückgekehrt, ist alarmiert, als sie das Brandmal auf der Schulter der Toten sieht: ein Blitz in einem Kreis, eindeutig die Handschrift eines Clubs, der bereits vor einigen Jahren ganz Florida in Angst und Schrecken versetzte.
C. J. weiß alles über die perversen Inszenierungen des Clubs, die von den Teilnehmern „das Spiel“ genannt werden. Und sie kennt die Namen der Mitglieder, allesamt zu reich und einflussreich, um jemals von der Justiz belangt zu werden. Wenn sie weitere Morde verhindern will, muss sie das Gesetz in die eigenen Hände nehmen.

Mein erster Eindruck:
Eigentlich mag ich die typischen amerikanischen Thriller nicht. Da ich aber Argus, den Vorgängerband schon gehört habe, musste ich ja doch wissen wie es mit C.J. weitergeht.
Mit Andrea Sawatzki als Sprecherin bin ich mir aber immer Gewiss, dass es stimmlich immer sehr passend ist und nicht in unnötigen jammernden Tönen endet.

Auf den zweiten Blick:
Das war wieder eine Mischung! Justizdrama, durch den Beruf von C.J. und vielen der anderen Charakteren. Krimi, durch die polizeilichen Ermittlungen und richtig heftiger Thrill, bedingt durch die stellenweise sehr grausamen Verbrechen und insbesondere deren Schilderungen.

Den ersten Band um diesen Serienkiller Cupido habe ich nie gelesen oder gehört, was nun, nachdem ich „Nemesis“ kennenlernten durfte, auch nicht mehr machen werde.
Nemesis, die Rachegöttin, ist als Titel perfekt gewählt. Denn es geht neben dem Auffinden dieses Clubs, um Rache. Rache an Verbrechern, die nie dingfest gemacht werden, da einfach zu wohlhabend. Hier gibt die Autorin sehr viele Einblicke in das Justizwesen der USA, den Vorgängen vor Gericht und natürlich, den im Buch fiktiven Möglichkeiten all dies zu umgehen.

Last but not least:
Mit einer der Gründe warum ich diese amerikanischen Thriller nicht so mag, sind diese durchgestylten Charaktere. Schöne, beruflich erfolgreiche Frauen, denen nahezu alles gelingt. Im Gegensatz dazu die schwachen, gerne drogenabhängigen Frauen. Meist das krasse Gegenteil und sehr oft als blond, blöd und immerzu auf der Suche nach Mr. Prefekt. Dafür wird auch auch in Kauf genommen, mittels Drogen im Drink, gefügig gemacht zu werden. Klar wer da das Opfer wird, immer mit einem Hauch von „selbst dran Schuld“, auch wenn es gerne mal auf die emotionale Schiene in Sachen Mitleid geht. Trauma, die zur Gewalttätigkeit werden und Selbstgespräche darüber, deren Sinn oder Unsinn eher zu (kriminellen) Taten anspornen.
Die Männer sind entweder, oder. Stark, gutaussehend, vermögend und super verständnisvoll. Oder eben auch hier das krasse Gegenteil. Abartige, sexgierige Wesen, die sich alles nehmen, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Gerne nit Gewalt und diese wird expliziet dargestellt und ist immer das Topping auf den eh schon geschehenen Grausamkeiten.

C.J. und ihre Rolle als Nemesis empfand ich schon als grenzwertig. Dieses Verhalten in Sachen Selbstjustiz wirkt polarisierend und wird durch all die drumherum gepackten Schilderungen wieder ein stückweit verharmlost. Frau muss tun, was Frau tut? Kein anderer Weg führt zum Ziel?
Die Gewaltdarstellungen gehörten zur Geschichte, hätten aber anders eingebunden werden können. Manchmal ist weniger eben mehr!

*Bitte klicken, um Triggerwarnung zu lesen*Vergewaltigung, sexuelle Übergriffe, Mord, Tod, Folter, Selbstjustiz

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Titel: Nemesis
Buchreihe: Band 4 der C.-J.-Townsend-Reihe
Autorin: Jilliane Hoffman Sprecherin: Andrea Sawatzki
Laufzeit: ungekürzt 13 Stunden und 54 Minuten
Verlag: Argon Hörbuch

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Kurzmeinungen verfasst von © Kerstin

Darf es bei dir eine Reihe sein, oder doch lieber abgeschlossene Einzelbände?

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Jenny
Gast

Nemesis klingt nach etwas was mir gefallen könnte, da ich die amerikanischen Thriller sehr mag!
Meinst du, man sollte Cupido dann vorher kennen?

Liebste Grüße
Jenny

Emma Zecka
Gast

Hi Kerstin, wow „American Dirt“ hört sich wirklich nach keiner leichten Geschichte an. Spannend, dass es auch Rückblenden gibt und die Geschichte somit von hinten aufgerollt wird. Es hätte ja z.B. ach sen können, dass es mehr um die Zukunft von Lydia und Luca geht. Bisher habe ich mir nicht viele Gedanken über Enzelbände oder Reihen gemacht. In letzter Zeit greife ich aber immer häufiger zu Reihen. (Ich organisiere über Facebook einen Buchclub und hier war das Thema unserer letzten Leserunde auch Buchreihen. Da habe ich jetzt zwei neue Reihen für mich entdeckt). DAs Tolle bei Reihen finde ich, dass… Read more »

Sandra
Gast

Hallo Kerstin, „American Dirt“ möchte ich so unbedingt lesen! Ich habe die Leseprobe gelesen und bin hin und weg! Es steht ziemlich weit oben auf meiner Wunschliste! Schade, dass dich „Nemesis“ nicht begeistern konnte. Ich freue mich schon sehr darauf, dass es dieses Jahr als Taschenbuch erscheint, was aber einfach damit zusammenhängt, dass mir das letzte Buch der Autorin, das ewig auf meinem SuB lag, so gut gefallen hat! Ich muss demnächst mal auf die „durchgestylten Charaktere“ achten. Ich habe den Eindruck, ich lese gekonnt über sowas hinweg, da mir das bisher so richtig bewusst nicht aufgefallen ist. Ich werde… Read more »