3 Geschichten – 3 Eindrücke | Delia Owens – Niklas Natt och Dag -Anette Stromeyer

GEZEITENWECHSEL


„Der Gesang der Flusskrebse“ von Delia Owens

Inhalt: Chase Andrews stirbt, und die Bewohner der ruhigen Küstenstadt Barkley Cove sind sich einig: Schuld ist das Marschmädchen. Kya Clark lebt isoliert im Marschland mit seinen Salzwiesen und Sandbänken. Sie kennt jeden Stein und Seevogel, jede Muschel und Pflanze. Als zwei junge Männer auf die wilde Schöne aufmerksam werden, öffnet Kya sich einem neuen Leben – mit dramatischen Folgen. Delia Owens erzählt intensiv und atmosphärisch davon, dass wir für immer die Kinder bleiben, die wir einmal waren. Und den Geheimnissen und der Gewalt der Natur nichts entgegensetzen können.

Mein erster Eindruck:
Das Cover und der Titel hatten es mir sofort angetan, aber auch der Klappentext machte sehr neugierig auf diese Geschichten. Bei den Rezensionen gab es unterschiedliche Stimmen, aber so richtig überzeugt hatte mich Alexandra vom Read Pack-Blog und so habe ich mich einfach in dieses Hörbuch fallen lassen.
Die Sprecherin Luise Helm hatte mich sofort mit ihrer leisen, bedachten Stimme.

Auf den zweiten Blick:
North Carolina, an der Atlantikküste gelegen und ein teil davon Marschland.
Voller Wasserkanäle, Sumpfgebieten und einer einzigartigen Flora und Fauna ist es die Heimat der kleinen Kya.
Es beginnt dramatisch und zeigt auf, in welche Richtung dieses Melodrama geht.
Eine schmerzliche, aber auch wunderschöne Stimmung herrscht da.
Das kleine Mädchen inmitten der wunderschönen Natur, in einem schäbigen Haus lebend und nach Schicksalsschlägen komplett auf sich gestellt. Der Weg ihres erwachsen werden, ihre Begegnungen mit besonderen Menschen und vor allem ihr Blick für all die kleinen, besonderen Dinge in diesem Marschland beeindruckten mich richtig.

Es sind aber auch diese Dinge im Buch, die erschreckten, traurig machten und die stetig steigende Spannung ob Kyas Geschichte. Das sich solch ein Drama anbahnt hätte ich im Vorfeld nicht erwartet, es überraschte nicht nur, sondern zog mich immer tiefer hinein. Was habe ich um dieses einstige Mädchen, diese herangewachsene junge Frau gebangt.

Alles beginnt in den 1950er Jahren und führt bis in die Gegenwart. Die damalige Zeit wird durch die noch vorherrschende Trennung der schwarzen und weißen Siedlungen gespiegelt. Kya, als Marchmädchen gehört zur Unterklasse, die Stadtbewohner prägen die Entwicklung des kleinen Kindes, durch ihre Verhaltensweisen bewusst oder unbewusst mit. Nur ein paar wenige kümmern sich und genau diese prägen ebenfalls, das Kind und die Geschichte.

Durch diesen Todesfall entwickelt sich eine Art Kriminalroman, der wiederum in einem Justizthriller endet. Es finden sich so viele Elemente und kein einziges hätte fehlen dürfen.
Die Entwicklungsgeschichte springt viel in den entsprechenden Zeiten hin und her, dies bedarf hoher Konzentration, bringt aber letztendlich die Belohnung der Erkenntnis mit sich.

Last but not least:
Lesen (oder besser noch hören) und bitte Taschentücher bereit legen!

Kurzmeinung verfasst von © Kerstin


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Titel: „Der Gesang der Flusskrebse
Buchreihe: Einzelband
Autorin: Delia Owens Sprecherin: Luise Helm
Gesamtspieldauer: 13 Stunden 4 Minuten (ungekürzt)
Verlag: Hörbuch Hamburg | [als Print bei HANSER]


„1794“ von Niklas Natt och Dag

Inhalt: Nach den Ereignissen des letzten Jahres fällt Jean Michael Cardell in ein tiefes Loch. Die Ermittlungen im Fall der verstümmelten Leiche gaben seinem Leben einen Sinn. Nun ist er wieder da, wo er vorher war. Bis zu dem Tag, als ihn eine Frau kontaktiert: Ihre Tochter wurde in der Hochzeitsnacht auf grausamste Weise zugerichtet und getötet. Als Täter wird deren frisch angetrauter adeliger Ehemann identifiziert und in die Irrenanstalt eingewiesen. Die Mutter der Getöteten glaubt diese Version jedoch nicht und sucht Hilfe bei Cardell. Seine Nachforschungen führen diesen erneut in die Abgründe Stockholms, und er muss feststellen, dass die Stadt verruchter und gefährlicher ist als je zuvor.

Mein erster Eindruck:
Ein bisschen Furcht vor der Geschichte, da der erste Band „1793“ eine Episode enthielt, die mich sehr schockierte. Aber ich mochte Cardell ungemein gerne und es ist die Rede davon, das sein Freund Winge wieder eine Rolle spielt.
Auch hat der Autor die Fähigkeit, diese Zeit, die Stadt, die Lebensumstände der Menschen und so manche Ungerechtigkeit dermaßen authentisch zu schildern, dass es einem vorkommt, als wäre man inmitten dieses Gestanks und der Geräusche.

Auf den zweiten Blick:
Es ist so unendlich grausam, aber es ist eben auch ungeschönt ehrlich.
Der Einstieg mit diesem jungen Mann, der einer Liebe wegen in ein abgelegenes, scheinbares Paradies geschickt wird und dort doch nur eine Hölle vorfindet. Mein lieber Schwan, was sich da zuträgt und geschildert wird, schmerzte mich fast schon körperlich.
Diese Geschichte ist nicht einfach nur ein Abenteuer, sondern eine Tortur. Was für Grausamkeiten sich die Weißen anmaßten, welch Ungeheuerlichkeiten und alles wurde als selbstverständlich angesehen. Der „Besuch“ auf dem Sklavenschiff war schockierend und durch des Autoren Stils brannte sich Bilder ein,die ich so niemals sehen wollte..

Der Einstieg mit der ersten Episode dauert recht lange, ist aber zwingend notwendig um die Geschichte zu einem Ganzen zu bringen. Erst nach langer Hördauer taucht Cardell auf und er ist wie im ersten Band, der knorrige Kriegsversehrte, dessen Ansichten aber um ein weites fortschrittlicher sind, als die seiner Mitmenschen. Auch Anna Stina, die junge Frau aus dem ersten Band erscheint wieder und ihr Schicksal ist weiterhin ungewiss und viele bedrohliche Situationen tun sich auf.

Wer den ersten Band kennt, weiß um Cecil Winge. Da ich nicht spoilern möchte, ja es gibt einen „neuen“ Winge im zweiten Band, aber wer er ist und woher er kommt, muss sich jeder selbst erlesen oder erhören. Nur soviel, dessen geistiger und körperlicher Zustand ist stellenweise schwer greifbar.

Mich faszinierte wieder einmal das historische Setting. All die Charaktere im Buch (so viele sind es gar nicht) bestechen durch ihre Unzulänglichkeiten und werden sehr gut dargestellt.
Die Stimmung im Lande ist auch im Buch präsent, man kann die Kloake fast riechen und leidet mit all den Menschen, denen Ungerechtigkeiten zustoßen, die um das tägliche Überleben kämpfen müssen.

Last but not least:
Wie gesagt, ein so atmosphärisches Setting, sowie Einzelschicksale zusammengefügt zu einer Geschichte, die einem echt viel abverlangt.
Egal ob die Kolonie mit ihren Sklavenhaltern, die Perversitäten des menschlichen Tuns und die abartigen Behandlungsmethoden in der damaligen Psychiatrie sind nichts für schwache Nerven. Der Autor ist da absolut schonungslos und zeichnet die damalige Zeit in all ihren Facetten.
Spannend ist es ungemein, auch wenn es zwischendurch schon mal zu etwaigen Längen, wegen Hintergrundinformationen kommen kann.
Ich warte jedenfalls auf den dritten Band, das Ende war nämlich so gar nicht befriedigend.

Kurzmeinung verfasst von © Kerstin


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Titel: 1794
Buchreihe: 2. Band der Jean Michael Cardell -Reihe
Autor: Niklas Natt och Dag Sprecher: Philipp Schepmann & Louis Friedemann Thiele
Gesamtspieldauer: 13 Std. 7 Min. (gekürzt)
Verlag: Hörbuch Hamburg  [Print bei PIPER]


„Menschenhunger“ von Anette Strohmeyer

Inhalt: Paul Eckbert Ondragon löst Probleme. Namhafte Konzerne und gewichtige Persönlichkeiten schwören auf die Diskretion seiner Consulting-Firma. Doch als Paul sich in eine bekannte psychiatrische Anstalt hoch oben im Norden Minnesotas begibt, um sein eigenes kleines Problem in den Griff zu bekommen, ziehen ihn mehrere brutale Morde draußen in den Wäldern in eine Spirale aberwitziger Ereignisse. Ist es tatsächlich ein außer Kontrolle geratener Bär, der drei Wanderer getötet und halb aufgefressen hat, oder doch der Wendigo, jenes unheimliche Waldmonster, von dem die indianischen Sagen dieser Gegend erzählen? 

Mein erster Eindruck:
Das Hörbuch war eher ein Zufallsfund und es ist ein #SPbuch!
Die Autorin durfte ich sogar schon einmal persönlich auf der Frankfurter Buchmesse treffen, allerdings bei der Vorstellung eines anderen Buches und unter ihrem Pseudonym.
Ein Thriller mit fantastischen Elementen gespickt, Legenden von American Natives und eine stetig wiederkehrende Rückführung in das Land zu Zeiten der Trapper.
Als Sprecher David Nathan rundet das Ganze dann noch ab.

Auf den zweiten Blick:
Paul Eckbert Ondragon, den Typen muss man oder frau ja nicht wirklich mögen, aber seine Geschichte hatte was. Er begibt sich auf eigenen Wunsch in eine psychiatrische Anstalt, die wunderschön gelegen inmitten der Wälder von Minnesota, fast schon einem Luxusresort gleicht. Sein „Problem“ bleibt lange im Hintergrund, dafür gibt es immer mehr Informationen zu ihm als Mensch und Arbeitgeber, sowie seinen Motivationen und Begehren. Aber auch die anderen Patienten und Angestellten werden sehr gut dargestellt und charakterisiert. Die seltsamen Todesfälle in den Wäldern entwickeln sich immer mehr zum Mittelpunkt der Geschichte und besonders all die vorkommenden Charaktere bilden den Kreis herum.

Was mich richtig begeisterte und stellenweise sogar etwas gruselte, waren die stetig vorkommenden Kapitel diese Trapper betreffend. Weit zurückliegend in der Vergangenheit, als eine Gruppe Männer die unfreiwillige Bekanntschaft eines Wesen machen, dessen Aussprechen des Namens schon Unglück bringt -der Wendigo!
Die Begebenheiten sind geprägt von der rauen Natur, der Einsamkeit dieser Männer in den Wäldern, einer allesumfassenden Freundschaft und dem Wissen eines American Native. Diese Abschnitte waren unfassbar spannend und durch den historischen Kontext genau mein Ding.

Ondragon währenddessen macht selbst einige äußerst seltsame Bekanntschaften und es wird dabei mehr als einmal sehr brenzlig für ihn. Die Sache, der er auf die Spur kommt entpuppt sich als viel schlimmer wie angenommen und hat ganz eindeutig etwas mit dem Titel des Buches zu tun.

Last but not least:
Mit der Ondragon-Reihe verspreche ich mir weiterhin richtig spannende Hörbuchstunden, es gibt nämlich mittlerweile 5 Bände und alle sind als Hörbücher erhältlich. David Nathan gibt Ondragon (s)eine Stimme und das passt einfach perfekt.
Ein richtig spannender Thriller, mit Charakteren, die kein Standard sind und auch wenn Charlize, seine persönliche Assistentin in diesem Band etwas kurz kam, kann ich mir die beiden als Team richtig gut vorstellen.
Es macht definitiv die Mischung aus. Spannender Thrill, geheime Bünde, historische Begebenheiten und ein Thema, das einem eine Gänsehaut beschert.

Hier geht es übrigens zu Mr. Ondragons eigener Homepage

Kurzmeinung verfasst von © Kerstin


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Titel: MENSCHENHUNGER
Buchreihe: 1. Band der Ondragon-Reihe
Autorin: Anette Strohmeyer |  Sprecher: David Nathan
Gesamtspieldauer: 14 Std 03 Min (ungekürzt)
Verlag: Selfpublisherin #SPbuch


In welche Zeit darf Deine nächste buchige Reise gehen?

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2 Comments
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Gabi
8 Monate her

Liebe Kerstin, zur Hörbuchversion von Ondragons erstem Abenteuer kann ich nichts sagen, aber mit David Nathan kann man ja nicht wirklich was falsch machen. Ich habe die Ondragon-Reihe gelesen und der neuste Band ist gerade meine aktuelle Lektüre. Über Band 1 bin ich tatsächlich schon 2013 gestolpert und bin mit Paul Ondragon nicht ganz warm geworden. Deutlich gesagt: Ich mochte ihn nicht komplett. Nach meiner Rezension hat die Autorin mit mir Kontakt aufgenommen und mir zugeredet, es nochmal mit dem zweiten Band zu probieren, den es damals schon gab. Und was soll ich sagen, die etwas „geglättete“ Version von Ondragon… Read more »