3 Geschichten – 3 Eindrücke | Allen Eskens – Rob Hart – Artur Dziuk

Bildquellen; Audible & Random House Audio

Darf´s ein bisschen mehr sein?

Drei Hörbücher, drei komplett verschiedene Geschichten!


„Die Schatten, die wir verbergen “ von Allen Eskens

Der junge Journalist Joe Talbert Jr. stößt auf eine Geschichte, in der es um den Mord an einem Joseph Talbert in einer kleinen Stadt im Süden von Minnesota geht.
Könnte dieser Mann sein Vater gewesen sein?

Der erste Eindruck:
Der erste Band der Reihe um den jungen, charismatischen Joe Talbert, hatte mich letztes Jahr schon begeistert. Umso gespannter war ich auf den zweiten Band nach „Das Leben, das wir begraben„, wobei es mir seinerzeit gar nicht bewusst was, dass es sich um eine Reihe handelt. Generell bin ich ein Reihen-Junkie. Haben mich die schreibenden Menschen erst einmal, dann bleibe ich eine treue Leserin. Bei dieser Reihe wird es auch so ausgehen, wobei der zweite Band nicht ganz so magisch und faszinierend auf mich wirkte.

Auf den zweiten Blick:
Lange Zeit ist vergangen. Joe lebt mittlerweile mit seiner Freundin und seinem autistischen Bruder Jeremy zusammen. Während es im ersten Band noch darum ging die Lebensgeschichte eines wildfremden Menschen herauszufinden, wird es hier sehr viel persönlicher. Joe auf den Spuren seines Vaters, eines Mannes den er nie kennengelernt hat und wegen dem seine Mutter zu der Frau wurde, die ihm und seinem Bruder das Leben zur Hölle machte. Joes Mutter bekommt auch in diesem Buch sehr viel Raum und stellenweise hat es mich zutiefst erschüttert. Was aber noch sehr viel intensiver und fast schon körperlich spürbar war, ist diese Liebe zu seinem Bruder. Jeremys Rolle ist so ein fester Bestandteil und immer wenn er durch den Sprecher zu Wort kam, konnte ich diese Liebe seines Bruders verstehen. Dieses „Vielleicht“, jenes Wort das immer zu Satzanfang kommt und womit er versucht negatives zu umgehen, trifft mitten ins Herz. Immer und immer wieder.

Aber es ist keine Liebesgeschichte, sondern die verzweifelte Suche nach dem eigenen ich. Joes Recherchen führen ihn in einen kleinen Ort und zu den Hintergründen des väterlichen Lebens. Es wird spannend und auch gefährlich, denn dieser Mann hatte sehr viele Feinde um sich herum. Hinzu kommen berufliche Probleme, bei denen es sich um Lappalien handelt. Der Autor fährt zweigleisig, allerdings ohne dabei aus der Spur zu kommen.

Last but not least:
Der erste Band sollte vor diesem hier gelesen oder gehört werden. Bei dem Hörbuch kommen die Emotionen durch den großartigen Sprecher um ein vielfaches deutlicher hervor. Die Intensität mit der Joes Gedanken und Gefühle wiedergegeben werden, bekommt erst durch die Intonierung ihren Wert. Es ist ein Buch voller leiser Töne, schlechter Erlebnisse und den Versuchen aus allem irgendwie das Beste zu machen, ohne dabei zu zerbrechen.
Ich weiß nicht ob es einen dritten Band geben wird, wenn ja, werde ich diesen ebenfalls hören. Joe und sein besonderer Bruder sind zwei Charaktere, die sich tief einbrennen und an die man sich erinnert.

Kurzmeinung verfasst von © Kerstin


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Titel: Die Schatten , die wir verbergen
Buchreihe: 2. Band der Joe Talbert-Reihe
Band 1: “ Das Leben, das wir begraben“
Autor: Allen Eskens Sprecher: Oliver Erwin Schönfeld
Verlag: Audible Studios | [Print bei Festa Verlag] Laufzeit: 10 Stunden und 42 Minuten


„Der Store“ von Rob Hart

Der Store liefert alles.
Überallhin. Zu besten Preisen. Der Store ist Familie.
Der Store schafft Arbeit und weiß, was wir zum Leben brauchen.
Bis in den Tod?

Der erste Eindruck:
Es ist wohl so ziemlich alles den Bach runter gegangen. Eine brütende Hitze liegt über allem, Geisterstädte, gestiegene Wasserspiegel und verarmte Menschen. Das ist so ziemlich das einzige was man mitbekommt, aber auch nur zwischen den Zeilen, wobei, da steht noch sehr viel mehr.
Da fühlt man sich im „Store“ doch direkt wohl. Die Cloud, der Arbeits- & Wohnort aller Angestellten besticht durch Funktionalität und Effizienz. Doch zuerst gilt es den Bewerbungstag zu überstehen, kein leichtes Unterfangen, denn in der Cloud bekommt der Mensch nicht nur alles, dort weiß der Arbeitgeber auch alles.

Auf den zweiten Blick:
Assoziationen – und das sofort ohne viel nachdenken zu müssen. „Der Store“ ist fiktiv, spielt in der Zukunft, beinhaltet sehr viel dystopisches und ist doch verdammt nah an der Realität. Sogar erschreckend nah, insbesondere ab dem Moment wenn Zinnia ihren Job beginnt und Stunde um Stunde hin und her rennt, Artikel sucht, scannt und weiterleitet. Das alles unter Zeitdruck, immer den Timer am Arm, der ständig eine gelbe Linie zeigt und nur Bruchteile von Sekunden mal im grünen Bereich liegt.

Paxton hat es da schon besser. Sein Arbeitsshirt hat eine andere Farbe und er dadurch eine andere Funktion. Wobei er auch nicht wirklich glücklich ist, aber alles ist besser als ohne Job dazu stehen, denn es gibt draußen in der Welt nicht viel anderes zu tun. Er hat es am eigenen Leib erfahren, wie schnell es abwärts geht und das ausgerechnet der Store dabei eine große Rolle spielte. „Der Store“ beherrscht den Markt und vielleicht sogar noch mehr.

Die dritte Person im Bunde, die zu Wort kommt ist der Schöpfer des Stores und der Clouds. Ein totkranker Mann, der sein Leben, sein Schaffen und sein Bestreben erklärt.
In abwechselnder Reihenfolge lauscht man den Stimmen und den jeweiligen Situationen und Begebenheiten, erfährt immer mehr und das bei weitem nicht alles das ist, wonach es ausschaut. Der menschliche Größenwahn(sinn) kommt ebenso hervorgekrochen, wie die Unfähigkeit sich alleine gegen ein System zu stellen.

Last but not least:
Ich fand „Der Store“ irre spannend und ungemein authentisch dargestellt. Es wurde tatsächlich an viele Kleinigkeiten gedacht, die zusammen genommen große Wirkung haben. Die Charaktere habe ihre Eigenheiten, kommen dadurch gut zur Geltung und doch war da etwas, das mich immer mehr faszinierte. Diese Cloud, eine menschgemachte Wohn-Arbeitslandschaft, in der letztendlich aber kein Menschenleben zählt. Wer nicht spurt, wird ausgetauscht, jeder ist ersetzbar. Wirklich erschreckend und ja, ich und mit Sicherheit sehr viele andere sehen da ein großes Unternehmen vor Augen, wenn diese Geschichte gelesen oder gehört wird.

Kurzmeinung verfasst von © Kerstin


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Titel: Der Store
Buchreihe: Einzelband
Autor: Rob Hart
Sprecher und Sprecherinnen: Frank Arnold, Anna Carlsson, Simon Jäger, Janin Stenzel
Verlag: Random House Audio | [Print bei Heyne] Laufzeit: ungekürzt ca. 13h 30min


„Das Ting“ von Artur Dziuk

Vier junge Visionäre gründen in Berlin ein Start-Up up und entwickeln zusammen eine App: das sogenannte Ting, das körperbezogene Daten seiner Nutzer sammelt, auswertet und auf dieser Grundlage Handlungs- und Entscheidungsempfehlungen gibt.

Der erste Eindruck:
Wie oft wünscht man sich eine Hilfestellung bei schweren Entscheidungen. Irgend eine Person die einem sagt „tu dies“ oder „mach jenes besser nicht“. Wie wäre es da, mittels einer App, tragbar am Handgelenk, alles bestimmen zu lassen. So weit sind wir gar nicht entfernt. In der Geschichte kommt dazu das perfekte Beispiel. Der Schrittzähler, die vorgegebenen Tagesziele, ohne Rücksicht auf die körperliche oder seelische Verfassung.
Ich was sehr gespannt auf „Das Ting“ und wie weit es beeinflusst und zu welchen Handlungen es führt.

Auf den zweiten Blick:
Niu, Adam, Linus und Kasper. Eine Frau und drei Männer. Alle grundverschieden in ihrer Herkunft, den Äußerlichkeiten und der sozialen Stellung, aber alle möchten das gleiche, Erfolg und ihr Ehrgeiz ist das Triebmittel zum Ting. Die Fähigkeit miteinander zu arbeiten, sich gegenseitig zu pushen und eine Art Glaubensgemeinschaft für diese App und dem damit verbundenen Weg über Hürden, tiefe Gräben und kaum zu erreichenden Bergspitzen, macht diese Geschichte sehr hörenswert.

Das Ting soll helfen bei der Entscheidungsfindung. Ausgerechnet diese 4 Menschen tun sich aber selbst so schwer damit. Ihre Leben sind geprägt von Selbstzweifeln und Unstimmigkeiten innerhalb der Familien. So kommt es immer wieder, dass diese in Erinnerungen abdriften oder gegenwärtiges analysieren. Ihnen dabei zu lauschen bedarf schon einer erhöhten Aufmerksamkeit. Mit mehr als 14 Stunden Laufzeit entstehen dadurch auch mal Längen. Dafür sind die Elemente um das Programmieren und der Aufbau der App nicht durch endlose Details überladen. Ob diese Art der Funktionsweisen auch real machbar wären – ich habe keine Ahnung, aber ich möchte auch kein Ting haben.

Last but not least:
Das Ting ist für mich eher Mittel zu Zweck. Die Geschichten drumherum waren viel interessanter. Die Entwicklung der Charaktere steht weit über der zu dieser App.
Nicht alles hätte ich wissen müssen, so viele Kleinigkeiten werden mit eingeflochten und damit der Weg der 4 Durchstarter immer wieder unterbrochen. Wobei diese sich selbst oft im Weg standen.
Es war schon sehr faszinierend zu hören, wie sehr ein Mensch in eine Abhängigkeit von solch einem kleinen Ding gerät und wie sehr das Umfeld, die sozialen Kontakte und das eigene Wohlbefinden darunter leiden.

Kurzmeinung verfasst von © Kerstin


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Titel: Das Ting
Buchreihe: Einzelband
Autor: Artur Dziuk Sprecher: Sascha Tschorn
Verlag: Audible Studios | [Print bei DeutscherTaschenbuchVerlag]
Laufzeit: ungekürzt 14 Stunden und 33 Minuten


Hörbücher oder Print? Reallife oder lieber Dystopie?
Was darf es bei Dir sein?

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Anja
Gast
Anja

Hallo Kerstin,

ich habe Der Store und Das Ting noch als Bücher hier stehen.
Wird Zeit mich dem mal zu widmen…

Tolle Besprechungen.

Danke und LG

Kerstin
Gast

Hallo liebe Anja,
da bin ich ja auf deine Eindrücke gespannt. Als Print hätte ich mich mit ‚Das Ting‘ bestimmt schwer getan, kein Buch das sich so eben wegliest. Wünsche dir viel Spaß mit beiden.
Liebe Grüße
Kerstin

Gabi
Gast

Liebe Kerstin,

jedes der drei Hörbücher hat was und ich könnte mich gar nicht entscheiden, wenn ich mir eines davon aussuchen müsste. Dank meines Audible-Abos bin ich eigentlich immer auf der Suche nach Hörbuchern für meine Merkliste. Je nach Lese/Hör-Stimmung möchte ich mal was ruhigeres, oder eine Dystopie und die (Hör-)Bücher mit Joe Talbert klingen auch gut. Also hab ich mal alle drei auf meine Liste genommen und werde sehen, ob ich mich für eines davon wirklich konkret entscheide.

Danke auf jeden Fall fü Deine tollen Empfehlungen!

Ich wünsche Dir einen schönen 3. Advent,
LG Gabi

Kerstin von KejasWortrausch
Gast

Hallo liebe Gabi,
es freut mich dich mit diesen Hörbücher angesprochen zu haben. Die Joe Talbert Reihe kann ich sehr empfehlen, hat echt was. Viel Spannung, das soziale Umfeld des jungen Mannes und durch den Sprecher richtig gut rübergebracht. Der Store ist dystopisch auch wenn es wirklich wenig außerhalb dieser Cloud zugeht. Das Ting empfand ich am ruhigsten aber sehr tiefgründig. So, du hast jetzt die Qual der Wahl *zwinker
Wünsche dir eine schöne Woche:-*

-Leselust Bücherblog-
Gast

Liebe Kerstin, Da hast du ja drei spannende Geschichte gehört und drei interessante Meinungen dazu aufgeschrieben. „Das Ting“ habe ich ja gelesen und kann dir nur zustimmen. Die Charaktere standen viel mehr im Vordergrund, als die Technik. Und einige Längen gab es beim Lesen auch. Insgesamt,t hat mich die Geschichte aber doch gefesselt. „Der Store“ klingt ein bisschen ähnlich, was so den Einfluss von Technik auf unser Leben angeht. Es klingt sehr nach Dystopie, was ich ja immer ganz gern lese und was mir ja beim „Ting“ tatsächlich etwas gefehlt hat. Den Titel setzte ich gleich mal auf meine Merkliste.… Read more »

Kerstin von KejasWortrausch
Gast

Hallo liebe Julia,
‚Das Ting‘ war schon besonders, zwar nicht unsagbar spannend aber es hatte was.
‚Der Store‘ ist anders, sehr dystopisch auch wenn man Dinge über die Welt eher in Zwischentönen erfährt- sehr spannende und erschreckend nah an der Realität.
Ganz liebe Grüße zurück und dir auch einen wunderschönen 3. Advent
Kerstin